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Der Israelit · 1896-04-30 · Heft 34 (30.4.1896) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 34 (30.4.1896)
Date
1896-04-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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671 „Wie vermag ich Ihnen nur zu danken, liebe Martha?" sagte Elchonon mit vor Rührung bebender Stimme. „Sie haben nur inehr als mein Leben gerettet. Sie haben die drohende Gefahr geistiger Nmnachtung von mir beseitigt." „Schweigen Sie davon, lieber Elchonon. Doch was haben Sie nun vor?" „Eigentlich nicht viel. Das heißt, ich begebe mich von hier aus zu Longini und werde mit ihm bei Rabbiner Dr. Marpua diese neue Phase meines Lebens besprechen. Es wird jedenfalls nichts von uns unternommen werden, bis mein Vormund Dr. Blum eintrifft, der mit dem Nachtzug hierher kommt." „Und was soll mit mir unterdessen geschehen?" „Sie bleiben vorläufig ganz ruhig hier und wissen von Nichts." „Aber Sie sagten ja vorhin, daß ich noch heute mit Ihnen zu Dr. Marpua gehen soll. Es ist entsetzlich, wenn ich noch ferner in diesem Hause weilen muß." „Seien Sie ohne Sorge, liebe Martha! Heute noch soll Klarheit zwischen uns Allen werden. Sie werden dieses Haus jedenfalls an dem Arm meines Lucien verlassen, um fortan mit ihm durch das Leben zu wallen. Ich bin überzeugt, daß Lucien mit Freuden die Nachricht vernehmen wird, daß er ungehindert sich um Ihre Liebe bewerben darf." Eine Purpurröthe bedeckte Marthas Gesicht. „Ach mein Gott, welche Unttvandlung ist mit mir feit wenigen Stunden vorgegangen! Hoffnungslos betrat ich diesen Raum, im Bewußtsein, daß die Treulosigkeit meiner Mutter gegen die Religion ihrer Vater, der Fluch des Lebens ihres einzigen lindes bilden wird und sah hierin eine gerechte Strafe der Vorsehung für ihre Schwäche. Nun verlasse ich dielen Ramn mit dem erhebenden Bewußtsein, daß gerade diese Religion mir Hoffnung gewährt, indem sie die Scheidewand zwischen mir und meiner Liebe niederwirft!" „So hat die "Rische des Grasen Gaston doch einen Zweck gehabt," lächelte Elchonon sinnig. „Die Erbauung derselben, um die Treue seiner Gattin zu kontrollireu, hatte sich als Unsinn erwiesen. Dafür war sie heute zweckvoll, seinen jüdischen Nachkommen Freiheit und Hoffnung zu gewähren. Dieser "Nische sollten wir eigentlich ein Denkmal in unserem Herzen errichten, denn mir gewährte sie die Befreiung aus schrecklichen Dualen und Ihnen, liebe Martha, ward hier die Verheißung aus eine freudige Zukunft." „Gewiß, das wollen wir auch," erwiederte Martha. „Wir wollen hier in dem Rauni, den Argwohn und Verleunidung erbaut hatte, einen Bund der Treue und Freundschaft schließen. Ich stehe ganz einsam und verlassen im Leben, auch Sie, mein lieber Elchonon, haben keine Geschwister und Verwandte. Wollen Sie mein Bruder sein, lieber, guter Elchonon?" „Von Herzen gerne, liebe Martha. Du sollst — Du gestattest, daß ich Dich fortan so anrede — Dich in meiner Treue uub Ergebenheit nicht täuschen, mein liebes Schwesterchen!" „Habe Dank, mein lieber Elchonon," rief Martha aus, indem sie seine Hand mit Wärme drückte und sich von ihren! Platz erhebend, sagte sie mit schalkhaftem Lächeln. „Ihr habt es vernommen, ihr altes Gemäuer! Freundschaft und Liebe haben hier Bundesgenossenschaft geschloffen! "Nicht der Verleumdung und Arglist habet ihr hier mehr den Aufenthalt zu gewähren, sondern den kostbarsten Gütern der Menschheit, der Liebe und der Eintracht!" Sie hatte mit lauter, weithin schallender Stimme gesprochen, daß Elchonon auf's Tiefste erschrocken ausrief: „Um Gotteswillen, liebe Martha, nicht so laut! Dir scheinst zu vergessen, daß lvir uns auf dem Boden llnserer Feinde befinden! Wie leicht köllnten Lauscher in der "Nähe sein, und danil wäre Alles verloren." „Sei ohne Sorge, lieber Elchonon, es ist "Niemand unl diese Stunde in dem Parke, denn die Mittagsstunde ist da!" Die Uhr, die sie aus ihrem Gürtel entnahm und ihm vorhielt, zeigte die erste Mittagftunde. „So dailn nntß ich mich ebenfalls empfehlen, meine gute Martha. Ich bin bei Dr. Marpua zu Tisch geladen unb werde dort auch mit Deinem Lucien znsaninlentresfen." „Mit meülem Lucien?" wiederholte Martha, iildenl eine Blutwelle in ihr Gesiebt schoß. „Bist Du dessen sicher, daß auch Dr. Longini für mich das nämliche empfindet, was ich für ihn?" „Wenn mich nicht Alles trügt, bin ich dessen sicber," lächelte Elchonon. „Ich möchte doch denjenigen sehen, der mein schönes Schwesterchen nicht lieben sollte! Doch jetzt laß' uns verabschiedeil. Weißt Du vielleicht einen Weg, auf welchem ich den Park nicht durch beu Haupteingang der Villa verladen muß?" „Doch. Es giebt ein Hinterpförtchen nicht weit von hier, das den Ausgang auf die Landstraße gewährt. Komm', ich führe Dich dahin." Martha drückte auf den Knopf einer Rose, die eine Säule zierte, die Geheimthüre sprang auf, um, nachdem die beiden den Raum verlassen hatten, sich wieder geräuschlos zu schließen. „So, das ist das Pförtchen; Du gelangst von hier auf die Landstraße, die liach Sl . . führt und hast zehn Minuten bis zum Stadtthore. Adieu Elchonon, mein lieber Bruder und Hab' Dank für Alles!" „Lebe recht wohl, mein herziges Schwesterchen

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