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Der Israelit · 1896-04-30 · Heft 34 (30.4.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 34 (30.4.1896)
Date
1896-04-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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670 Gouverneur Altgeld aus Illinois sagt: Die Juden sind ein besonders intelligentes, unternehmungslustiges, fleißiges und patriotisches Element der Bevölkerung. Sie sind aufmerksame Beobachter aller Gesetze, unterstützen die Bedürftigen und Armen und sind mit einem Wort gesagt, ausgezeichnete Bürger. Gouverneur Mercill aus Kansas erklärt, was den Charakter der Juden und ihren gegenwärtigen Standpunkt in unserem Staate anbetrifst, so kenne ich sie nur als ordentlich, loyal, fleißig, mäßig und genügsam: wie nur irgend eine andere Klasse der Bevölkerung in unserem Staate. Wir haben unter ihnen viele reiche Kaufleute, die eine Ehre für die Gemeinschaft bilden würden. Mit diesen Zeugnissen dürfen die Juden Rord-AmerikaS zufrieden sein. Palästina. (v) Jerusalem Cr3V>), 26. März. Die heilige Stadt hatte in diesem Monate die seltene Ehre, den Bruder des Kaisers von Oesterreich, Erzherzog Carl Ludwig., uni seiner erlauchten Gemahlin und seinen beiden Töchtern durch beinahe eine Woche in ihren Mauern zu beherbergen. Die hohen Reisenden trafen am 17. d. mit der Eisenvahn aus Jaffa hier ein und nahmen im österreichischen Pilgerhaus Wohnung. Da die hohen Herrschaften incognito reisten, so hatte es die ungarisch-mährische Gemeinde hier unterlassen, sich an dem Empfange derselben zu betheiligen. Gleich am nächsten Tage besuchte der Erzherzog mit seiner Familie den Berg Zion und die Ruinen des Tempelberqes, dann das Grab Rachel's und Betlehem. Derselbe begab sich dann mit den Seinen nach Jericho und zum Jordan. Rach ihrer Rückkehr hieher besuchten sie die Gräber der jüdischen Könige (min’ rva ’dVo ’rrp), die westliche Tempelmauer brw), wo sie die Juden klagen und weinen sahen, und schließlich auch die große Synagoge (TDnn min» o*i bv Dünn itd), wo sie von dem Vorstande und den Rabbinen mit großen Ehren empfangen wurden. Am Dienstag, 24. d. verließen sie wieder die heilige Stadt und kehrten nach Jaffa zurück, um sich dort nach Smyrna einzuschiffen. Wereinsnachrichten. Mühlhausen i. E., 23. April. Der hiesige Literaturverein ist eifrig dafür bestrebt, die Jugend zur Thora heranzuziehen. Zu diesem Zwecke unterrichten die Herren Rabbiner Schüler und Seminardirektor Dr. W ol f-Colmar wöchentlich zweimal in der Woche Hebräisch. Monatlich werden im Verein auch Vorträge für das größere Publikum abgehalten. Vergangenen Mittwoch hielt einen solchen Herr Kirchenrath Dr. Kroner-Stuttgart, in welchem er ausführte, daß der Talmud die Erziehung und den Unterricht der Kinder besser zu handhaben weiß, als alle Pädagogie. Der Vortrag fand allgemeinen Beifall. Simon Deuts ch. Gerichtszeitung. Weinyairs, 18. April. (Veru r th eil ung des Pfarrers Deckert). Der hiesige Pfarrer, P. Deckert, war vor einem Erkenntnißsenate unter dem Vorsitze des Bice-Prüfidenten Hofrathes v. Holzinger angeklagt, aus einer in Deutschland erschienenen und in Oesterreich verbotenen illustrirtcn Flugschrift: „Auszug der Juden aus Egypten", einige Stellen in den von ihm herausgegebenen „Sendboten des heil. Joseph" veröffentlicht zu haben. Er wurde zu einer Geldstrafe von fünfzig Gulden verur'theilt. Feuilleton. Per Letzte seines Stammes Erzählung von Alphanfe de la Hayr. 32) (Alle Rechte Vorbehalten.) 34. Capitel. Die Bunde s genoss e n. Mit leichenblassem Gesichte und klopfendem Herzen hatte Elchonon auf die ränkevollen Pläne, die der Pater wider ihn schmiedete, gehorcht. Er sprang von seinem Platze auf und machte eine Gebärde, als wolle er sich ans seinem Versteck auf seinen Feind stürzen und diesen mit seinen Armen bearbeiten. Martha jedoch hinderte ihn daran, indem sie ihn wieder auf seinen Platz niederdrückte und besänftigend seine Wangen streichelte. Ein erlösender Seufzer entrang sich aus der Brust der Lauschenden, als auch die Gräfin den Pavillon verließ. „Wie danke ich Dir, mein Schöpfer," rief Elchonon aus, als die Schritte der Comteffe verhallt waren, „daß Du mir zur rechten Zeit noch einen Einblick in das Herz meiner Feinde gewährtest. Ein Schaudern ergreift mich, wenn ich das schreckliche Loos bedenke, welches mir jener Mensch aus Fanatismus, die engherzige Comteffe aus Selbsisircht zugedacht haben! Ja, ihr Plan wäre ihnen gelungen; denn meine Anklage gegen ihre Entführung würde als fixe Idee hingestellt worden sein. Bei klarem Verstand für wahnsinnig erklärt zu werden! — Wie schrecklich! — Heißt dies nicht, bei lebendigem Leib begraben zu sein? Wer weiß, ob ich bei solcher Marter die Kraft gehabt hätte, den Wünschen der Gräfin zu widerstehen!" „Ja, der Plan war wirklich diabolisch entworfen", warf Martha mit leichtem Zusammenschaudern ein. „Jetzt aber, wo wir ihre ränkevollen Absichten kennen, soll es ihnen schwer fallen, sie auszuführen."

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