Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 34 (30.4.1896)
- Date
- 1896-04-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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669 Sonne der Freude den Dahingeschiedenen, da er in der Person dieses wackeren Rabbiners einen Mithelfer im Kampfe gegen die Reform erblickte. Als der Dahingegangene vor zwei Jahren von seinen rabbinischen Funktionen znrücktrat, wurde an dessen Stelle Herr Dr. Rosen bäum gewählt, der zum tiefsten Leidwesen des Verstorbenen, die Gemeinde der Reform zuzuftthren sich bemühte. Sonntag den 19. d. M. veranstaltete die orth. Gemeinde in ihrem Tempel einen nsc>^, für den großen, ehrwürdigen Dahingegangenen Vs?. Ohne Parteiunterschied strömten die hiesigen Glaubensgenossen von allen Enden der Stadt zusammen. Rabbiner A. Wetzet schilderte unter Weinen und Schluchzen in meisterhaften, wohldurchdachten Worten das Lebensbilo des Dahingegangenen. Kein Auge blieb thränenleer. rvayjn. M ark. Schachne r. Griechenland. (.7.) Korfu, i»u April, man nb o -jbir6 'in Ty. In: Alter von 60 Jahren ist in Triest das ehrmalige Mitglied unserer Gemeinde Elias M a t a t i a s, gestorben. Derselbe ward hier geboren, und hier gründete er sich auch sein Heim. Als aber vor fünf Jahren, 1891, hier die noch in Erinnerung unserer Zeitgenossen lebende Judenverfolgung ausbrach, da griff auch der Verstorbene zum Wanderstabe, sagte seiner Vaterstadt mit gebrochenen: Herzen Lebewohl und übersiedelte mit seiner Familie nach Triest, wo ihn nun der Tod ereilt hat n"ajsr. Die vor Kurzem von der jüd. Musikgesellschast hier zu wohlthütigem Zwecke organisirte Lotterie, zu zu der auch viele im Auslande lebende Korsner Juden Geschenke und Geldspenden eingeschickt, hat einen Reinerträgniß von 2368 Francs geliefert. — Ans der Fahrt nach Jerusalem haben einige polnische Israeliten unsere Stadt passirt, und sich hier etliche Stunden aufgehalten. Es wurde ihnen hier der Rath gegeben, nicht in Jaffa, sondern lieber in Alerandrien zu landen, um von dort durch die Wüste nach Jerusalem gelangen zu können. Amerika. New L)ork. Von der planmäßigen und umfangreichen Wohlthätigkeit, wie sie hier verbunden mit pädagogischen Prinzipien ausgeübt wird, gibt der Bericht des Beth-El Sisterhoao, des Frauenvereins der Gemeinde Betb-El ein gutes Bild. Die Leistungen dieses Vereins schließen sich würdig denen der Eoneational-Alliance an, von welchem wir kürzlich berichtet haben. Der Verein hat neun Abtheilungen, von denen sich je eine mit den folgenden Aufgaben beschäftigt: Unterstützungen, Kindergarten, Abtheilung für Handarbeitunterricht, Abtheilung für Handarbeit, Nähklassen, eine Religionsschule in der Oberstadt, eine Religionsschule in der Unterstadt, eine Nähgesellschaft und endlich eine Abtheilung, in der die Mütter Unterricht für eine rationelle Kinderpflege erhalten. 474 Mitglieder theilen sich in die Arbeit des Frauen - Vereins, dessen Einnahmen ca. 200,000 M., dessen Ausgaben 170,000 M. betragen. Die Abtheilung für Unterstützung gab 1088 Subventionen an 241 Familien, außerdem wurden mehr als 3000 Kleidungsstücke v.rtheilt, sowie in zahlreichen Fällen ärztliche Hilfe und Arzneien gratis gewährt. Der Kindergarten hat ca. 50 Kinder, die dort nicht nur Unterricht, sondern vollständige Nahrung und Kleidung erhalten. Die Abtyeilung für Handarbeit beaufsichtigt 90 junge Mädchen, die Unterricht in Schneiderei und Putzmacherei erhalten, sowie in allgemeinen Fächern unterrichtet werden. In der Abtheilung für Handarbeitsunterricht sind 22 Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren, denen dort die verschiedenen Zweige der w iblichen Handarbeit beigebracht werden. In den Nähklassen arbeiten 92 Mädchen allerlei verkaufsfähige Artikel. Die Neligionsschule der Oberstadt hat über 100, die in der Unterstadt 54 Kinder und beide arbeiten sehr wirksam gegen den Einfluß der christlichen Missionsschulen. In der Nähgesellschaft wurden im Laufe des vergangenen Jahres 538 Anzüge von den Mitgliedern des Vereins hergestcllt, die nachher unter Arme vertheilt wurden. Die Scction für Kinderpflege versammelt einmal im Monat eine Anzahl Mütter, um ihnen Unterricht ertheilen zu lassen. So leistet die mannigfaltige Thätigkeit dieses Frauenvereins in der That außerordentlich Nützliches für die Entwickelung der jüdischen Gemeinde New-Porks. San Francisco. Gelegentlich des Ahlwardt- Nummels hat die hiesige „Jewish Times" eine Umfrage bei einigen Gouverneuren von Staaten der Union ergehen lassen, um ihre Meinung bezüglich der Judenfrage zu ermitteln. Von den interessanten Antworten wollen wir die Folgenden wiedergeben: Gouverneur Staue von Missouri erklärte: „Ich bin überzeugt die Wahrheit zu treffen, wenn ich erkläre, daß die Juden im Staate Missouri ein kluges, fortschrittlich gesinntes, die Gesetze achtendes Volk bilden. Sie stehen über dem allgemeinen Durchschnitt der Bürger dieses Staates in der Leistung aller Pflichten, die mit dem Bürgerrecht verbunden sind, dennoch dürfte es kaum möglich sein, abgesehen von dem religiösen Unterschied die Juden als eine besondere Klasse der Bevölkerung zu bezeichnen, ste sind völlig normal, weder besser noch schlechter. Gouverneur Mar Kinley von Ohio erklärt: Die Bevölkerung von Ohio hat hohen Respekt vor ihren jüdischen Mitbürgern. Sie befolgen die Gesetze des Staates und sind ein unternehmungslustiges, werthvolles Element in der Allgemeinheit, stets bereit an guten Dingen sich zu betheiligen und Bestrebungen für die allgemeine Wohlthat zu unterstützen.