Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 34 (30.4.1896)
- Date
- 1896-04-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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668 abgewiesen wurde. Die Genoffenschaft ist numnehr verhalten, die Zöglinge dieser Anstalt als Lehrlinge zu inkorporiren. Die Entscheidungsgründe bezeichnen die von Dr. Lueger vorgebrachten Einwände als weder im Gewerbegesetze begründet, noch zutreffend und zum Theile ganz belanglos. BrÜNN, 16. April. (Unlieb verspätet.) Das hiesige jungczechische Blatt „Lidove Noviny" theilt mit, daß der Dragoner-Oberlieutenant Baron Su ini in Folge ehrengerichtlichen Verfahrens seiner Osfizierscharge verlustig erklärt und als Dragoner in die Reserve versetzt worden ist. Vorher hatte Baron Suini in Göding, wohin er versetzt wurde, einen 30rägigen Zimmerarrest abgebüßt. Baron Suini hatte vor einiger Zeit den Ingenieur und Reserve- Lieutenant Lustig durch empörende antisemitische Rohheit in unerhörter Weise provocirt. Es fand aru nächsten Tage zwischen Suini und Lustig ein Duell statt, bei welchem Ersterer verwundet wurde. Pest. (Die Pflicht des Matrikelführers.) Eine der Verfügungen des Civilehcgesctzes besagt, daß wenn zwischen dem Matrikelsührer und einer zu verehelichenden Partei ein Conflikt entsteht, dieser durch gerichtliches Urtheil zu schlichten ist. Das erste llrtheil dieser Art wurde nun durch den königlichen Gerichtshof gefällt.' Der Fall ist folgender: Anton U., israelitischer Consession, wollte vor dem Matrikelführer des II. Bezirks eine Ehe schließen; dieser verweigerte jedoch seine Mitwirkung mit der Begründung, daß gegen die Eheschließung seitens der noch am Leben befindlichen und nicht geschiedenen ersten Gattin des ll. Verwahrung eingelegt worden sei. Letzterer forderte, daß dieser Protest abgewiesen werde, da er mit jener Frau niemals getraut gewesen sei. Run legte die Frau ein Zeugnis; des Inhaltes vor, daß die Trauung nach jüdischem Ritus vor 21 Jahren in der Wohnung eines jüdischen Lehrers stattgefundcn habe. Zn Folge Appellation entschied jetzt der Budapester königliche Gerichtshof, daß der Matrikelsührer eorreet vorgegangen sei. Seine Pflicht sei es, den eingelangten Protest zu berücksichtigen. Ob dieser Protest begründet erscheine oder nicht, sei eine Frage, deren Entscheidung dem Richter zustehe. Vitkovar. Man schreibt uns aus Vukovar: Am 22. v. M. wurde hier eine resormirte Kirche eingeweiht, bei welcher Gelegenheit der berühmte Bischof Sza sz hier anwesend war. Ihm zu Ehren fand ein Festessen statt, bei welchem der illustre Gast eine Rede hielt, in der er seiner hohen Freude Ausdruck verlieh, daß es ihm gegönnt war, an der Rceeption der jüdischen Religion mitgewirkt zu haben. Er schloß mit der Versicherung, daß er glücklich sei, zu sehen, wie in Slavonien das Einvernehmen zwischen den verschiedenen Consessionen ein herzliches sei und trank dann auf das Wohl des anwesenden Rabbiners Dr. Julius Diamant. Der Rabbiner dankte gerührt in einer mit großem Beifall aufgenommenen, zündenden Rede, in der er ausführte, daß die Nächstenliebe zuerst von dem Alten Testamente verkündet wurde. Aus diesem Brunnen hätten dann die anderen Religionen geschöpft, aber cs mußten die richtigen Hirten kommen, die die Steine wegräumen, die ihn bedeckten, und als einen solchen edlen treuen Hirten feierte er den großen gelehrten und humanen Bischof. Bei einem Diner, das der Obergespan gab, führte der Bischof, an die Rede des Rabbiners anknüpfend, au?, daß die Nächstenliebe in der Thal zweifellos als das Fundaurentalgesetz der israelitischen Religion zu betrachten fe'. Ec schloß mit den ergreifenden Worten, daß doch die Zeit kommen möge, in der Jeder den Anderen als seinen Nebenmenschen erkennen und lieben und Niemand einen Unterschied zwischen den Bekennern verschiedener Confessionen machen werde. R u ß l^a n d. Kronstadt (Siebenbürgen). Am 2. Tag Hi nDE -ly'icn wurde hier Herr Sygmurd S t enrh a rd der 40 Jahre hindurch, die Funktion eines Rabbiners in der hiesigen Stadt versab, im 73. Lebensjahre in ein besseres Jenseits abberufen. Mit ihm hat ein thatenreiches Leben einen Abschluß gefunden. In Holeschau (Mähren) geboren, widmete er sich dem Talmudstudium und absolvirte, in den zur damaligen Zeit renom Rabbinatshochschuleu zu Leipuik und Nikolsburg seine Studien. 1854 folgte er einem Rufe seitens der hierwohnenden wenigen Glaubensgenossen, als Schulleiter. Von jener Zeit an wirkte er hier als ausgezeichneter Pädagoge, Direktor und Inhaber eines weltberühmten Institutes und als Rabbinats-Stellvertreter (in letzterer Eigenschaft bis vor 2 Jahren.) Der Ruf seines Institutes ging bis zum fernen Orient. Aus der Türkei, Italien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, sogar aus Palästina frequentirten Zöglinge sein Institut. Zwei Jahrzehnte amtirte der Dahingegangene als Rabbiner. Als im Jahre 1874 die jetzt in der schönsten Blüthe entfaltete, orth. Gemeinde sich eonstituirte, blieb der Verblichene zwar in seiner Stellung bei der Muttergemeinve lebte jedoch im besten Einvernehmen mit den Ausgetretenen, von welchen er auch hochgewürdigt wurde. — Nach seinem Amtsantritte gründete er auf Basis der yt-r -py Gemeinde-Statuten die Gemeinde und wachte mit scharfem Auge auf die Einhaltung der religiösen Institutionen, gründete verschiedene Wohlthätigkeitsvereine und trat mit aller Entschiedenheit gegen die Reform auf. Als vor 6 Jahren die hiesige orth. Gemeinde ihren gegenwärtigen sehr gelehrten Rabbiner Sr. Ehrw. Herrn A. Wetzel berief, umstrahlte die