Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 34 (30.4.1896)
- Date
- 1896-04-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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667 inneren Ueberzcugung entspricht, nein, sondern weil nach dem Anssprnche der Mischnah, ich zu dem Schlüsse gekommen bin, daß tvaro baldigst in Sicht sein müsse, denn njd’ NBSin «rnre rropjn. Der betreffende Aufsatz über: „Rabbiner, Prediger und Lehrer", ist von Lion Wolf. Er sagt z. B. unter Anderem: „Unv auch der geistige Unterschied zwischen den genannten Beamten (Rabbiner und Lehrerprediger) ist nicht groß. Soweit geborene Deutsche als Rabbiner in Betracht kommen, ist es mit ihrer Kenntniß der talmudischeu Literatur nicht viel besser bestellt, als bei dem seminaristisch vorgebildeten Lehrer. Der eine weiß wenig und der andere noch weniger x. ec." Hätte derselbe gesagt, daß es Rabbiner und namentlich sogenannte Prediger gebe, deren talmudisches Wissen gleich Null ist, so hätten wir dieses, wenn auch nicht freudig, doch der Wahrheit gemäß unterschrieben. Aber woher weiß denn der Schreiber des Artikels, daß alle Rabbiner, welche als Deutsche geboren sind, wenig talmudische Kenntnisse haben. Ich glaube kaum, daß derselbe in der Lage war oder die Befähigung besitzt, ein diesbezügl. Eraminando vorzunehmeu. Wir haben 0>3. s. D. viele deutsche Rabbinen, deren immenses talmudisches Wissen außer Frage steht. Wir halten zur Ehre der Thora und ihrer würdigen Träger es als unsere innere Pflicht den allzudreisten Ausspruch des Verfassers energisch zurückzuweisen. W. Zabern, 25. April. Am 21. d. M. ist Herr Rabbiner Dreysuß dahier gestorben. Nicht lange hat er sich der Ruhe freuen dürfen, denn erst mit Ende 1895, also vor nicht einmal 4 Monaten trat er in den Ruhestand, nachdem er seit Mai 1856 die hiesige Nabbinerstelle inne hatte. Herr Drevsnß war am 17. April 1814 in Osthofen, Landkreis Straßburg, geboren und hat also vor 8 Tagen sein 82. Lebensjahr vollendet, wovon er beinahe 40 Jahre in Zabern verbrachte. Seine Studien machte Herr Dreysuß in Straßburg, Worms und Metz und im noch nicht vollendeten 22. Lebensjahre schon war er Lehrer und Prediger in Mutzig, dann ging er nach Schirrhofen. Sulz und im September 1854 trat er seine erste Nabbinerstelle in Blatzheim an, um 2 Jahre später die hiesige Rabbinerstelle zu übernehmen. Herr Dreysuß hat eine Reihe von Auszeichnungen für hervorragende Leistungen auf dem pädagogischen Gebiete erhalten und er war außerdem ein treuer Seelsorger, vorzüglicher Redner und besonders ein Wohlthäter der Armen. An seinem 50jährigen Amtsjubiläum erhielt er den Kgl. Kronenorden 4. Klasse und am 1. Jan., bei seinem Ausscheiden ans dem Amte, den Rothen Adlerorden 4. Klasse. Gestern fand dahier die Beerdigung des Rabbiners statt, und zwar ging hinter dem Sarge ein so zahlreiches Tranergesolge, wie es in Zabern noch nie oder doch ganz vereinzelt gesehen wurde. Die Spitzen der Behörden, die Oberrabbiner von Straßburg und Metz, eine Reihe Rabbiner, emer. Pfarrer Gerlinger und viele, viele Leidtragende von hier und auswärts begleiteten den Verstorvenen zur letzten Ruhestätte. Die Tranerfeierlichkeiten begannen zunächst im Sterbehanse, wo ein Schüler des Herrn Dreysuß, Herr Rabbiner Lazarus von Westhofen, eine ergreifende Predigt hielt. Dann bewegte sich der Zug nach der Synagoge, der Sarg wurde getragen von 'Mitgliedern der israelitischen Kultusgemeiude. Die Synagoge war mit Tranerdraperien ansgeschlagen, die vor der Eingangsthür befindliche Laterne war umflort und angezündet, ebenso brannten sämmtliche Gaslenchter im Innern. In der Synagoge sang zunächst Herr Vorsänger Wolf einer Psalmen und Herr Oberrabbiner Weil ans Straßburg hielt die Trauerrede. Der Redner entwarf in sehr beredten Worten ein Bild des Versterbenen, schilderte das segensreiche Wirken, seine Geistestugenden, seine treue Pflichterfüllung als Prediger, Familienvater wie überhaupt als Mensch und stellte den Verblichenen als Vorbild für alle Menschen hin. 'Nach dieser ergreifenden Rede sang abermals der Vorsänger, worauf die Trauergemeinne die Synagoge verließ, der Sarg auf den Leichenwagen gehoben wurde und der feierlich ernste Zug sich nach dem Friedhof bewegte. Am Grabe sprachen noch im Namen des Consistoriums Herr Schwarz ans Straßburg, Herr Rabbiner Ury ans Metz, der ein Verwandter der Familie ist, sowie der Oberrabbiner der Portugiesischen Gemeinde zu Paris (der Schwiegersohn des Verstorbenen) namens der Familie in ergreifender Weise, und die Schlußrede hielt der Vertreter des Herrn Drevfuß, Herr Rabbiner Dr. Netter ans Buchsweiler, ebenfalls ein ausgezeichneter Redner. Wie ans der Rede des Herrn Oberrabbiners ans Straßburg zu entnehmen, ist der Sohn des Verstorbenen Großrabbiner von Paris, hat also die höchste Rabbinerstelle Frankreichs inne. Oe st er r. -Ungar. Monarchie. Wien, 17. April. (Ein antisemitischer Kampf gegen eineBaronHirsch'scheSchule.) Die Vorstehung der „Vereinigten Handwerkergenossenschaft in Rz:szow" brachte beim Verwaltungsgerichtshofe eine Beschwerde dagegen ein, daß die Avministrativbehörden den von der Genossenschaft gefaßten Beschluß, wonach die Zöglinge der dortigen Hirsch'schen Schlosser-Fachschule nicht als Lehrlinge im Sinne des Gewerbegesetzes zu betrachten seien, siftirt habe. Diese Beschwerde vertrat Dr. Lueger, während sie von Dr. Wechsberg namens der Baron Hirsch'schen Stiftung bekämpft wurde. Heute verkündete der Senatspräsident Dr. v. Bühm-Bawerk die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes, wonach die Beschwerde alT unbegründet