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Der Israelit · 1896-04-27 · Heft 33 (27.4.1896) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 33 (27.4.1896)
Date
1896-04-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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658 nationalen Charakters, ließ jedoch später wieder diesen Gedanken fallen. Da nach den zwischen dem Verblichenen und seiner Gattin, geborenen Bischoffsheim, bestehenden Ehepacten das erworbene Vermögen zn gleichen Theilen beiden Ehegatten gehört, dürste die Wittwe, welche außerdem noch ein großes Erbe von ihrem Vater erhielt, ein Vermögen von 2oo Millionen Francs besitzen. Nach den getroffenen Bestimmungen sind nun aus dem gemeinschaftlichen Vermögen der Ehegatten große Summen für allgemeine wohlthätige Zwecke ausgeworfen. Man glaubt, daß die Legate, welche zumeist die Stärkung der bisherigen Stiftungen bezwecken, etwa 100 Millionen Francs betragen. Auch für wohlthätige Zwecke in Oesterreich sollen erhebliche Summen legirt morden sein. An vie hinterlassene Familie des Verblichenen, vornehmlich an seine Brüder, dürften etwa 35 Millionen Francs fallen. Der größte Theil der neuen Stiftungen wird sich wie mannigfache Spenden aus früheren Jahren aus die bereits oben erwähnte, in London fungirende Colonifations- Gesellschaft beziehen. In dieser Gesellschaft fungiren Vertreter aller größeren Städte, wie London, Paris, Berlin und Wien, welche ein Gutachten über die zweckmäßige Verwendung der Gelder abzugeben haben. Man zweifelt nicht daran, daß außer diesen speziellen Widmungen des Testaments auch noch für allgemeine wohlthätige Zwecke große Summen ausgeworfen sind. Die letztwilligen Verfügungen des Baron Hirsch bedenken weiters in munificenter Weise zwei Knaben im Alter von 16 bis 18 Jahren, die als seine Adoptivsöhne gelten, und ferner ein Mädchen von 8 Jahren, welches in Brüssel als Sprößling dcS vor einigen Jahren gestorbenen jungen Baron Lucien Hirsch erzogen wird. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oe sterr.-Ungar. Monarchie. Graz, 25. April. Der Grazer Nachahmer und Freund des Dr. Lueger, Gemeiuderath Feichtinger, ist dieser Tage unter der Beschuldigung der mehrfachen Veruntreuung wegen Verabredungsgefahr verhaftet worden. Feichtinger ist Herausgeber und Chefredakteur eines antisemitischen Tagblattes, namens „Extrablatt", und bei der Geldbeschaffung für dieses Blatt soll es zu mehrfachen Unregelmäßigkeiten gekommen sein, welche das Verbrechen der Veruntreuung begründen. Zu Zwecken der Ausbringung der Zeitungskosteil gründete er einen eigenen Preßverein, an dessen Spitze er seinen Freund, den Landtagsabgeordneten Doktor Stärket, als Obmann stellte. Die Verhaftung kam keinesfalls unerwartet. Schon seit Monaten wußte man sich in der Stadt allerlei schmutzige Geschichten von dem Manne zu erzählen, aber es kam bisher niemals zur gerichtlichen Anklage, weil die Zeugen gegen Feichtinger, der in der Partei einen großen Terrorismus ausübte, nicht ailssagen wollten. In der letzteli Zeit hat das Gericht sowohl bei Feichtinger uttb Dr. Stärket, als in der Nedaktivn des „Extrablatt" Hallsdurchsuchungen vorgenommen. Die Verhaftung ihres energischesten Wortführers hat natürlich in der antisemitischen Partei tiefe Erschütterung herbeigeführt. Man erinnert sich jetzt, daß erst vor drei Wochen Lueger in einer voll Fe ich tinger veranstalteten Versammlung sprach, sich von Feichtinger seineil Freund nennen ließ ltnb Ernst Schneider Feichtinger's Revolverblatt als das einzige anständige Blatt von Graz lobte. England. London. Die Jewish Colonisation Association beabsichtigt ihren Wirkungskreis zll erweitern, und hat in ihre Statilteil einen neuen Paragraphen auf' genommen, der besagt, daß Geschellte uitb Legate von der Gesellschaft angenommen werden allch für andere Zwecke, als sie bisher die Gesellschaft verfolgt. Die Gesellschaft wird sich der Verwaltung solcher Fonds widmen, nach der Bestimmung der Spender, welche für irgeild welche philantropische Zwecke zu Gunsten jüdischer Gemeiilden oder einzelner Juden in Europa oder Amerika bestimmt sind. Weßhalb Palästina oder überhaupt Asien resp. Afrika llicht ailfgenomtnen worden siild, entzieht sich der Beurtheilnng. Der Board of Guardians hat vom verstorbeileil Baron Hirsch noch kurz vor seinem Tode eine Spende voll Lo,ooo Mk. erhalten. Bei der letztell Monatsversammlung seines Vorstandes konllte Mr. Cohll noch mittheilen, daß diese Spende nur der Anfang weiterer größerer Bewilligllngen sein würde, da der Baron Hirsch die Leistung des Board voll zll schätzen wisse. Ob die Erben des Freiherril diese Spenden sortsetzen werden bleibt abzllwarten. Die Gehälter, die der Board all feine festangestellten Beamten auszahlt, haben sich mit dem fortwährenden Wachsen seilles Wirkungskreises sehr bedelltelld gesteigert, nnb erreicheil jetzt den Betrag von 50,ooo Alk. pro Jahr. London. In der lnonatlichen Versammlung der „Anglo-Jewish-Association" wurden bewilligt für die Schulen in Chias M. 280, Conftantinopel M. 4000, Crajowa M. 600, Damascus M. 1000, Dalnaskns Abendklasie M. 200, Damaskus Mädchenschule M. 640, Philippopel M. 800, Acco M. 80, Smyrna Mädchenschule M. 800, Tetuan Mädchenschule M. 560 und Bottuschani M. 400. Ueber die einzelnen Schulen wurde mitgetheilt, daß in Damaskus in der Talmud-Thora-Schule 482 Schüler sich befinden.

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