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Der Israelit · 1896-04-27 · Heft 33 (27.4.1896) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 33 (27.4.1896)
Date
1896-04-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXVII, Jahrgang.?k V.;.' 'i".(n i«.' ^.^.'^-7.^»»-2^»«' -sUf »'?$•; nr» Beilage |tt 33 des „Israelit". Freiherr Moritz r>. Hirsch. Wien, 22. April. Der plötzliche Tod des Baron Hirsch kam um fo überraschender, als er eigentlich zeitlebens nie ernstlich krank geweseit ist. Sein Aufenthalt wechselte häufig im Laufe des Jahres. Auf seinem Gute in Eichhorn bei Brünn verbrachte er die Monate August itnd September, dann reiste er ans seine frühere Besitzung in St. Johann a. d. March, wo er regelmäßig bis Mitte Rovember blieb. Im Winter bezog er sein prunkvolles Heim in der Ruhe de l'Elvsee tu Paris. Auf seinen ausgedehnten Gütern in der Nähe von London verweilte er während eines Dheites des Frühjahres. Während der letzten Jahre suchte der Verstorbene im Winter die Riviera ans. Seitletl ilngarischen Besitz in St. Johann hat er bckainttlich erst im vergangenen Herbst an den Fürsten Hohenlohe verkauft,- bald darauf erwarb er O-Gvalla, das ttngarische Gilt, wo ihn heilte der Dod ereilte. Wieivohl er für Andere Millionen verwendete, war er für seine eigene Person voll eitler weitgehenden Sparsamkeit. So besorgte er öfter in Wien für seilt Palais iu Par io verschiedene Einkäufe, was er damit begründete, in Paris seien diese Gegenstände weit theurer. Mail erzählt von ihm sogar, das; er jedesmal iu Zorn gerieth, wenn er in der Hotelrechnnng die „Bvugies" separat verrechnet faild; er konnte in leidenschaftlichen Worten die Ungerechtigkeit dieser Besteuerung auseinaudersetzeu - derselbe Maitn, welcher Aiitlioilen leichten Herzens verschenkte. Einer seiner vertrautesteil freunde war sein lang' jähriger Seeretär Benetiani, der, einst selbst ein Millioltär, verarmte. Benetialli begleitete Baron Hirsch überallhill uub lvar seilt Beratber iu hillilanitären Angelegenheiten. Bor einigen Jahren tauten Beide nach Wien. Sie stiegeit Bormittags im „Grand Hotel" ab. Baron Hirsch ging bald darauf arls uub Benetiani speiste Mittags im großen Saale des „Grand Hotel". Baroit Hirsch kehrte früher als erwartet ins Hotel zrlrück uub traf Benetiani gerade noch beim Dejeuner ait. Bcrwundert blieb er stehen uub sagte: „Hier speisen Sie - — Ich kann mir das nicht erlauben." Die erste Schenkung des Baron Hirsch fällt iu die Zeit, wo er sich in der Türkei mit dein bekannten Bahnbau beschäftigte. Er hatte hier Gelegenheit, die traurige Lage seiner Glaubensgenossen im Orient kennen zll lernen, uub widmete eine Million Francs, welchen Betrag er zur Gründung von Schulen im Orient übergab. Seither deckte er außerdem noch das Deficit, das sich alljährlich bei der allmähligen Ausdehnung der Schulen einstellte. Bis vor drei Jahren schätzte man das gesammte Vermögen des Baron Hirsch in Realitäten und Papieren auf ltitgefähr 500 Millionen Francs. In den letztelt drei Jahren hat er bekanntlich eine große Anzahl von Stiftungen in außergewöhnlichem Umfange errichtet, welche sich auf mehr als 100 Millionen Frailcs belaufen. Hiezu sind zu rechneil.- 50 Millionen Fralics für die .fewish associatiou for colonisation in London, 12’/2 Millionen Francs für die bekannte Stiftung in Galizien, 25 Millionen Francs für wohlthätige Zwecke in Amerika, 5 Millionen für gleiche Zwecke in England, 10 bis 15 Millionen, die sich auf verschiedene Länder vertheilen. Hier sind nicht gezählt durch Jahre fortlallfenden Dotirnngen von Wohlthätigkeitskassen in Wien, Budapest, Paris uub London. Diese Wohlthätigkeits-Jnstitute, durch welche verarmte Geschäftsleute ohne Unterschied der Eonfcssion unterstützt lvnrden, mürben sofort ihre Dbätigkeit einstellen, wenn im Testamente des Baroit Hirsch für bereu Fortbestand nicht vorgesorgt ist, da Fonds für diese Kassen nicht vorhanden sind und dieselben sich nur durch monatliche Dotirnngen des Baron Hirsch erhielten.I Nach Abrechnung der erivähnten Stiftungen und Spenden im Betrage von loo Millionen Frailcs würde somit noch ein Bermögen voll etwa 4<»<> Millionen Francs restiren, wozu auch die Herrschasteil Rossitz und Eichhorn in Mähren uild die nenangekauftc Herrschaft O-Gyalla iu Ungarn gehören. Baron Hirsch hat ungefähr vor Jahresfrist sein Testament in Paris aufgesetzt uub durch das dortige k. lllld k. General-Eousulat beglaubigen lassen. Er bat dasselbe ltach mehrfachen Besprechungen mit seinen Bertranelispersonen redigirt lind allch noch mannigfache Aeildeningeit daran vorgenommen, so daß ein endgiltiger Dem erst aus der jüngsten Zeit erifttren dürste. Er plante eine Millionen-Stiftung inter- *) Das Wiener Frcmdenblatt erhält folgende Mittheilnng über den sliachlaß Fes Barons Hirsch: Baron Hirsch hat nebst den bekannten Schenkungen für Stiftungen nnv Wohltbätigkeitsanstaltcn, welche iveit über hundert Millionen Frams betragen, nicht lange vor seinem Ableben den größeren Theil des ihm verbliebenen Vermögens zur Vermehrung der Mittel der von ihm geschaffenen Wohlthätigkcitsorganisationcn nusgewendet, so daß, wie wir als unbedingt verläßlich anführen können, die vorhandenen lctztmiNigcn Verfügungen sich nahezu ausschließlich auf Zuivendungen an die gesetzlichen und pflichttheilberechtigten Erben beziehen und neuerliche Schenkungen für Wohlthätigkeitszwecke nurLmehr in beschränkterem Umfange vorliegcn dürften. Leitender Artikel

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