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Der Israelit · 1896-04-27 · Heft 33 (27.4.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 33 (27.4.1896)
Date
1896-04-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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653 der echten wahren Religion zu retten, zu schützen und zu bergen, es wagen mit dem Aufgebote aller Mittel und aller Hingebung dem jüd. Gesetze in altherkömmlicher Weise Geltung und Uebung zu verschaffen, und ihnen allen rufen wir ein 33-» n?s zu, ihnen allen wenden wir unser ganzes Interesse, unsere ganze Hochachtung zu. Mit diesem Erwachen neuen religiösen Lebens, erkennt man in der min selbst die reinste Quelle hierzu und wo man sich zusammenschaart zum Kampfe um unser heiligstes Gut, da trifft man auch Anstalt, das; dieser Quell wieder lebendig sprudele und sein Heil für Geist und Körper spende, daß aus ihm wahre Erkenntniß, warme Begeisterung und Liebe für Gott und seine heil. Religion geschöpft werde. Und wenn man sich auch nicht überall, wie es Pflicht und richtig wäre, direkt mit unserer heiligen Literatur beschäftigt und sich an ihr belehrt und geistig stärkt, so ist es doch ein erfreuliches Zeichen unserer Zeit, daß in den meisten unserer größeren Gemeinden durch Bildung von Literaturvereinen Bestrebungen hervortraten, das Interesse für unsere heil. Lehre, für unsere Geschichte zu wecken und damit auch den religiösen Sinn zu pflegen und zu fördern. Und angenommen, daß der Zuzug vom Lande nach den Städten und die Bildung von größeren Gemeinden in denselben während den letzten Decennien allgemein geworden, so kann man fest behaupten, daß der größere Theil der Judenheit sich in den Städten befindet, und so Theil nimmt an den obigen Bestrebungen und deren Wohlthat. Allein auch der geringere Theil sollte der geistigen Nahrung nicht entbehren; jeder Einzelne ist ein wichtiger Theil des Ganzen, □ ’pon ^3 D^yn D'p iWo ‘ww’d nnN vdj wer das geistige Wohl des Einzelnen fördert, hat damit das Wohl der Gesammtheit gefördert »*ni trw ro “6\ Bon oto« wird gesagt werden, daß „ein Jeder mit seiner Geburt sein Recht dort habe." 'Wie sollen aber auch die kleineren Gemeinden, die durch ihre Minderzahl nicht im Stande sind, Institutionen sich zu errichten, Vereine zu gründen, die oft nicht iin Stande sind einen Lehrer zu gewinnen, der ihnen und ihren Kindern das Wort Gottes lehre, geistige Nahrung zu bieten, wie soll auch der Einsiedler dieser Wohlthat theilhaflig werden? Glücklich die Landgemeinde, die einen Lehrer hat, der seine Thätigkeit nicht blos auf die Schule beschränkt, sondern auch auf die Gemeinde anregend und belehrend wirkt, der die Fähigkeit, Den Sinn und den Pflichteifer besitzt, durch Wort und That die Liebe zur mm und zur Religion in seinen Wirkungskreise zu hegen und zu pflegen; aber nicht immer ist eine Gemeinde so glücklich, eine solche Kraft, einen von seinem heil. Berufe erfüllten Mann zu gewinnen; oder wie oft ist sie überhaupt nicht im Stande, einen Lehrer in ihrer Mitte zu erhalten und sie muß sich begnügen, wenn ihren Kindern in einigen wenigen Stunden in der Woche das Nothdürftigste in der Religion gelehrt wird. Woher soll solchen vereinzelten Mitgliedern der Gemeinde Gottes heilige Lehren zufließen? Aber wie jede Zeit ihre Gebrechen, ihre Mängel hat, so hat sie auch wieder ihre Vorzüge und ihre Heilmittel für ihre Schäden. Ist es tief zu beglagen, die so hochwichtige Pflicht des mm nicht so allgemein mehr geübt zu sehen, wie in früheren Zeiten und wie es sein sollte, so hat die Neuzeit doch ein Surrogat, wenn auch nur ein schwaches, in der Presse. Wenn dieselbe im politischen und öffentlichen Leben ein mächtiger Faktor, ja, wie man zu sagen pflegt, eine Großmacht geworden, so ist sie auch im religösen Leben nicht ganz zu unterschätzen; sie ist es, durch welche auf die Gemüther gewirkt und das Wort Gottes dahin geleitet werden kann, wo es sonst nicht hinzudringen vermag; in ihrer verständlichen, für ihr Publikum berechnenden Ausdrucksweise, finden ihre Worte auch da Eingang, wo sonst hierzu die Gelegenheit oder der rechte Sinn fehlt. Dazu kommen noch die vorzüglichen postalischen Einrichtungen, die raschen Verkehrsmittel, welche es selbst dem Bewohner des kleinsten Dorfes, selbst dem Einsiedler möglich machen, an allen Errungenschaften der Zeit gleichen Antheil zu nehmen. Thatsächlich, wer wollte es läugnen, welches hohe Verdienst unsere orthodoxe Presse an der Erstarkung des religiösen Sinnes und überhaupt an der Beffergestaltung der religiösen Verhältnisse hat, ebenso wie die neologe das Ihrige dazu beigetraaen, verheerend und zerstörend zu wirken. Mag es bei dieser Gelegenheit hervorgehoben werden, daß es der „Israelit" gerade ist, der in seiner 35jähr. Wirksamkeit sich hierin ganz hervorragende Verdienste zuschreiben darf, der abwehrend und belehrend, ermuthigend und anregend zu wirken sucht und durch feine Verbreitung Heil und Segen in die weitesten Kreise zu bringen sich bemüht. Nach all diesen Ausführungen dürfte es berechtigt oder auch zweckmäßig erscheinen, von dem geistigen Leben in den größeren jüdischen Gemeinden in der Presse Kunde zu geben und durch dieselbe auch die Entfernteren, wenn auch nur in schwachen Umriffen, daran theilnehmen zu lassen. Dies versuchten wir in den Berichten über die Thätigkeit des dahier bestehenden „Akademischen Verein für jüd. Literatur und Geschichte" und gestatten uns es auch in dem Weiteren zu thun, indem wir kurze Angaben über die während des Wintersemesters gehaltenen Vorträge folgen lassen. Den ersten Bortrag hielt Herr Dr. Braunschweig dahier über „Die Judenverfolgungen während des 1. und II. Kreuzzuges", den zweiten Vortrag hielt Herr Bezirksrabbiner Dr. L ö w e n st e i n über „Die jüdischen Gemeindeverordnungen", von welchen beiden Vorträgen bereits ausführlich Erwähnung geschehen.

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