Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 33 (27.4.1896)
- Date
- 1896-04-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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652 und ihr edles Gewissen bekannt ist, das Sie für das heilige Land gerade erweisen und meine drängende Lage brachte mich dazu, das ich . . ." Von derselben Handschrift und in derselben Sprache, sowie in gleichem Stile liegen freilich zu gleicher Zeit außer von Rabinowitz noch Bettelbriefe rfolgender Personen vor mir: Joseph Leiser Rokeach, Samuel Kirschenbaum und Frau Ester Löbl, so daß wir es hier also mit einem recht flotten Kompagniegeschäft zu thun zu haben scheinen, das sich ein eigenes Sekretariat hält. Herr Rokeach schützt Thorastudium vor, Frau Ester schwärmt von den Verdiensten ihres seligen Mannes, Kirschenbaum ist ein Enkel vom sel. Rabb. Asulai und der Bettler von Profession endlich bittet um Unterstützung seiner Profession .... als Drechsler. Es ist aber eine Schmach und eine Schande, wie diese Gesellschaft dabei jene Worte anführt, die der am traditionellen Judenthume noch festhaltende Stammesgenosse zu seinen heiligsten Erinnerungen zählt, die brro u. a. m. Ein Geschäft, das nun mit so großem Kapital und so großen Spesen betrieben wird, muß doch wahrlich seinen Mann nähren. Auf diese Weise werden nun viele Tausende von Thalern alljährlich an ganz unwürdige Bettler verschenkt, während es der arbeitsamen und fleißigen jüdischen Bevölkerung der heiligen Stadt am Allernothwendigsten fehlt. Wer daher wirklich noch Interesse und aufrichtige Liebe für das Land unserer Väter und unserer großen historischen Vergangenheit hat, der kann diesem seinem Ideale keinen besseren Dienst erweisen, als daß er ohne jedes Mitleid, denn ein solches wäre durchaus hier am falschen Orte, alle Sendungen jeder Art von gewerbsmäßigem Bettlergesindel unberücksichtigt läßt, und sich auch wohl hüten wird, die nicht verlangten Sachen zurückzusenden, sondern sie einfach fortwirft. Ich habe in meinen Händen ein geradezu unerschöpfliches Material, und werde demgemäß auch über einige andere Firmen dieses edlen Geschäftszweiges dem interessirenden Publikum — es zählt in Deutschland allein nach Zehntausenden — die Augen öffnen, wie ich es heute über den „Drechsler" Josef Rabinowitz und seine nächsten Geschäftsfreunde that. Ich hoffe dabei auf die thatkräftigste Unterstützung aller ehrlichen Elemente ohne Rücksicht der Anschauung, und weiß, daß ich mit diesem Vorgehen dem mir theueren heiligen Lande und der heiligen Stadt einen wirklichen Dienst erweise. Dr. Heinrich Loewe, Redakteur des „Zion", Berlin V. 22. Anmerkung der Redaktion: Die einzige Garantie für die im Sinne der Geber richtige und sachgemäße Verwendung der für die Armen des heiligen Landes bestimmten Spenden bietet das von den bedeutendsten Männern in Israel errichtete organisirte Central-Comit« in Amsterdam. dessen Abrechnungslisten regelmäßig diesen Blättern beiliegen. Red. d. Israelit. E. R. Berlin, 22. April. Ein bedeutendes Ereigniß, welches von der fortschreitenden Entwickelung der hiesigen Adaß Jisroel Gemeinde, Kenntniß giebt, ist die Berufung des Herr;: Dr. Eduard Biberfeld zum Dajan derselben. Schon seit langer Zeit ist Herr Rabbiner Dr. Hildesheimer derartig mit Arbeiten überhäuft, daß der Vorstand ihn 51t wiederholteil Malen gebeten hat, sich mit Rücksicht auf sein hohes Alter etwas mehr Ruhe zu gönnen. — Da die Gemeinde in dem Sohne desselben Herrn Dr. Meier Hildesheinrer eine vorzügliche Kraft für die Kanzel und den Religionsunterricht gefunden, so hat sie jetzt in dem soeben gewühlten jungen Gelehrten die geeignete Person zur Ueberwachung ihrer religiösen Institutionen erlangt. Bei dem beständigen Wachsthum der Gemeinde ist diese Aufgabe keine geringe, da es nicht allein gilt die Bedürfnisse und Ansprüche ihrer Mitglieder zu befriedigen, sondern auch denl großen Kreise der Gcsetzestreuen der Hauptgemeinde, der nur zu den Institutionen dieser Gemeinde das vollgültige Vertrauen hat, zu entsprechen. Es wäre allerdings Pflicht derselben, auch in directer Weise durch Jahresbeiträge diese in Opferfähigkeit ausgezeichnete Gemeinde zu llnterstützen. Doch hierüber ein anderes Mal. — Für heute nur noch die Mittheilung, daß der neue Dajan bereits früher in CarlSruhe den Rabbiner der dortigen Religionsgesellschaft mehrere Monate vertreten unb sich in der Ausübilng der rabbinischen Functionen glänzend bewährt hat. Daß derselbe ganz auf dem religiösen Standpunkte der Gemeinde Adaß Jisroel steht, bedarf wohl keiner besonderen Darlegung. — So möge Gott weiter die Schritte dieser Religionsgemeinde in Berlin als Eentralstätte für echte Gesetze-streue und wahre Glaubensliebe zu gedeihlichem Ziele führen! Würzburg im April. (Unlieb verspätet). Wer von Natur aus nicht gar zu pessimistisch ist und sich ein aufrichtiges, warmes Interesse für die jüd. Religion gewahrt hat, der muß sich der Wahrnehmung freuen, wie es sich mit den religiösen Verhältnissen allenthalben zum Bessern wendet. Die verschiedenen jüdischen Blätter berichten uns von der Entstehung orthodoxer Vereinigungen und Gemeinden, wo wir alles religiöse Leben bereits erstorben glaubten, wo Männer an der Spitze standen, die durch Wort und That das Ihrige thaten, den wahren angestammten Glauben aus dem Herzen ihrer Brüder und Schwestern zu reißen, ihnen den religiösen Sinn, die Liebe und Hingebung für unser h. Gesetz zu rauben, Gleichgiltigkeit, ja Mißachtung an deren Stelle' zu erzeugen. Heute erkennt man mit Grauen ihr Werk, sieht man wie sehr sie „den Weinberg Gottes verwüstet", wohin die Fortsetzung solchen Wirkens führen müßte. Und darum begrüßt man mit Freude und Hoffnung die Entstehung solcher Vereinigungen, die wenn auch noch schwach an Zahl und Mittel, aber groß an Muth und Kraft, es wagten, der überlegenen Zahl gegenüberzutreten, es wagten, das bedrohte Kleinod