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Der Israelit · 1896-04-27 · Heft 33 (27.4.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 33 (27.4.1896)
Date
1896-04-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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-’ IWi V; *>J ^^7"^ 651 Das Hauptmoment dieser ganzen Anschauung gipfelt darin, daß die Endbestimmung des Menschen nicht in dieser, sondern in der künftigen Welt liegt. Sein Aufenthalt in dieser Welt ist nur das Mittel seinen Antheil an der künftigen zu erwerben. Es kann in Wirklichkeit kein Verständiger glauben, daß das Endziel der Schöpfung des Menschen in seinem Aufenthalt auf dieser Welt liegt. Was ist denn das Leben des Menschen auf dieser Welt, wer genießt denn ungetrübte Ruhe und Freude auf derselben? Die Tage unseres Lebens sind siebenzig, wenn hoch achtzig Jahre, meist hingebracht in Mühsal und Sünde, verbunden mit der verschiedensten Pein, mit Krankheiten, Schmerzen und Sorgen. Es findet sich unter Tausenden auch nicht ein einziger, dem diese Welt wahre, friedliche Genüsse bieten sollte, und selbst ein solcher würde, falls er sein hundertstes Lebensjahr erreichte, als von der Welt geschieden zu betrachten sein. Nach alledem begreift es sich, wenn der Mensch in die Welt, in der er lebt, nur gesetzt wurde, um die Mittel, welche sie ihm bietet, zur Erfüllung des göttlichen Willens zu verwenden, daß dann die Kenntniß dessen, was Gott von dem Menschen verlangt, die erste und wichtigste Lebensaufgabe des Menschen repräsentirt. Das ist das Lernen der nc*6 rmn, die Aneignung der Thora, um dieses eines Zweckes willen. Die Welt ist nicht für diejenigen da, welche sie als eine gedeckte Tafel ansehen, an welcher sie sorglos genießen und schwelgen können. Sie ist für denjenigen geschaffen, der die Blttthen und Früchte, die sie bietet, bricht und samrnelt, um daraus einen Kranz der Gottesverherrlichung zu winden. Die praktische Verwirklichung des Gottesgesetzes setzt den Besitz materieller Mittel voraus. Zizith bedürfen eines Kleides, die Mesusah eines Hauses, Schemittah und Jobel, Terumah, Maaser und Peah eines Feldes und dessen Ertrags, um faktisch erfüllt werden zu können. In diesem Sinne hat die Thora ihren Bekennern verheißen: ia5n ’npra dx Wenn ihr in meinen Gesetzen wandeln werdet, so wird euch der Regen zur rechten Zeit, es erblühen euch in reicher Fülle die Mittel, welche für die Erfüllung des Gottesgesetzes unerläßlich sind. Somit stehen der Sonnenstrahl und der Regentropfen im Dienste derjenigen Menschen, die Gottes Willen zur Richtschnur ihres Lebens machen. Während sonst von der Fruchtbarkeit oder Unfruchtbarkeit des Bodens, von der reichen oder kärglichen Ernte des Feldes der Segen in der Stadt bedingt ist, ist nach dieser Anschauung der Segen des Feldes von dem Segen abhängig, den die Verwirklichung des Gottesgesetzes in der Stadt stiftet. Es heißt deßhalb zuerst tid nnx “jro und dann erst rrwa nnx *]na dieser Segen muß in der Stadt vorangehen, wenn er auf dem Felde zur Reife gelangen soll. Das ist der Sinn des Wortes 'Niu D^iyn b mp, daß die ganze Welt demjenigen zusteht, der in der reinen Beschäftigung mit der Thora die Aufgabe seines Leben erblickt. — Daran reihen sich nun die andern Errungenschaften, die wir nunmehr einzeln erklären wollen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfponvenzen. Deutschland. Berlin. Herr Dr. Heinrich Loewe, Redacteuc des „Zion", sendet uns folgende Warnung mit der Bitte um Abdruck: Obwohl schon seit fünf Jahrzehnten mit allem Nachdruck gegen die gewerbsmäßige Bettelei von Jerusalem energisch Front gemacht worden ist, kann man nicht nur bisher keinerlei Abnahme bemerken, vielmehr ist sie noch immer in dauernder und ständiger Zunahme begriffen, so daß man jetzt geradezu schon mit einer Zunft gewerbsmäßiger Schnorrer zu thun hat. Während größerer Reisen, die ich eben im größeren Theile des nördlichen und östlichen Deutschlands gemacht habe, mußte ich nun leider die Beobachtung machen, daß noch immer Tausende unserer Brüder diesen Erzbettlern, die alles andere, nur nicht bedürftig sind, auf den Leim gehen. Von den ständigen Bettlern will ich für heute nur den einen hervorheben, der mit seiner Bettelkorrespondenz derartig die österreichische Levantepost bereichert, daß von dem Porto, das „sein Vetteln" im Laufe eines Vierteljahrs kostet, eine Familie mindestens ein Jahr lang in Berlin ein anständiges Auskommen hätte. Dieser edle Herr, der sich Joseph Rabinowih, Drechsler nennt, überschwemmt Alles mit seinen unverschämten Bettelbriefen, indem er zugleich mit einem frommen Brieschen eine Olivenholzschnitzerei oder dergleichen einsendet. So habe ich z. B. von diesem Rabinowitz nicht weniger als 7 Betteleien im Original vor mir liegen, die er an einen einzigen Herrn im Laufe von 2 Monaten gerichtet hat, bei denen das Briefporto allein 1 Mark beträgt. Ebenso werden Tausende anderer von ihm in gleicher Weise mit diesen Bettelsendungen überschüttet. Der Biedermann hat gedruckte Formulare der verschiedensten Art, zum Theil mit geschnittenen Vignetten, sowie farbig und goldgedruckte Neujahrsgratulationen, deren Herstellung nur in europäischen Druckereien und auch dort nur zu guten Preisen möglich ist. Außerdem schreibt ihm ein Sekretär Briefe, die stets etwa mit folgendem Wortlaute beginnen: „Bevor mein schreiben, bitte ich um Verzeihung, das ich Ihnen belästige, vor das mir Ihr geehrter Namen

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