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Der Israelit · 1896-04-23 · Heft 32 (23.4.1896) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 32 (23.4.1896)
Date
1896-04-23
Page
– (sequence 18)
Language
German
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wie auch über andere einschlägige Fragen die Ansichten sich gegenüber standen, übernahm es Böhm— Bernburg, ans der nächsten Versammlung ein Referat über „die Behandlung der biblischen Geschichte" zu halten, wobei besonders auch die Frage erörtert werden soll, ob eine svstematiscbe Verknüpfung der Glaubens- und Pflichtenlehren mit dem biblischen Geschichtsunterricht rathsaiu sei. Hierauf folgte der Vortrag des Herrn Dr. Seligkowitz—Eöthen, über „Erziehungswescn in Bibel und Talmud." 'Nachdem der Herr Referent die Erziehungsprinzipien der Völker des Alterthums, namentlich der Griechen und Römmer skizzirt, besprach er den Erziehungszweck des israelitischen Volkes, das zu einem freien Volke, zum Träger des göttlichen Willens heraugebildet werden mußte; deßhalb bildet die religiöse Erziehung das einzige Ziel. Im ersten Reiche, sei vort Elementarschulen nichts zu finden, dagegen hat es höhere Schulen — Prophetenschulen — gegeben, in denen nicht nur Beredsamkeit, sondern jedenfalls auch ^Naturkunde, Staatsgeschichte und dgl. gelehrt worden sei. Während des zweiten Reiches sei viel mehr für die Volksbildung gethan worden. Die Thätigkeit des Svnhedriums, die Bemühungen Josua's ben Gamala uitb Simon's ben Schetach wurden eingebend gewürdigt und die heilsamen Folgen der zweiteil Tempelzerstörung für die Erziehung der Fugend geschildert. Der von überaus tiefer Sachkenntnis; zeugende Vortrag, fand in der anschließenden Diskussion den lebhaften Beifall der Anwesenden. Die Rachmittagsstunden ivurden durch zwei Referate ausgefüllt. l. Rose Gröbzig, sprach über „das Gebetüber setzen für die Unterstufe." Zweck dieses Unterrichts sei, stets die Kinder soweit zu fördern, daß sie ant Gottesdienst mit V e r st ä ud n i ß theilnehmen können, denn nur dadurch wirke das Gebet veredelnd auf das Gemüth. Hebräisches Lesen sei erst zu beginnen, wenn die Kinder schon gut deutsch lesen kinmeu, demnach in der zweiten Hälfte des zweiten Schuljahres. Rach Erlernung geläufigen Lesens sei init der lieber setzung zu beginnen. Die Versammlung dankte den Referenten für die interessanten Ausführungen. Seine Thesen über Methode und Ziele des Gebetüberfetzens aus der Unterstufe, wurden jedoch in der folgenden Debatte zum Theil modificirt. Besonders wurde die Wichtigkeit einer inhaltlichen Einführung in das zu übersetzende Gebet, des Uebersetzens der Worte, nicht der Sätze, des Uebersetzens im Chore und der schriftlichen Aufzeichnungen des Uebersetzten in der Diskussion festgestellt. Den letzten uitb wichtigsten Gegenstand bildete der von Herrn Landcsrabbiner Dr. Freudentbal vor gelegte „Lehrplan nebst Erläuterungen fiir die Religionsschnlen der israelitischen Kultusgemeinden in Anhalt", ein pädagogisches Meisterwerk, das, wenn auch nur zunächst für die Verhältnisse der anhaltischen Landgemeinden ausgearbeitet, entschieden den Beifall der israelitischen Lehrerschaft Deutschlands finden dürfte. Da der Lehrplan bereits die Zustimmung der Landesbehörden erhalten hat, so bildet er fortan die nonnative (Grundlage für der; Unterricht in den (Gemeinden des Anhalt. Landesrabbinats. Ein Eingehen in die Einzelheiten des 'Normalplanes würde den Rahmen eines Protokolls überschreiten. Herr Dr. Freudenthal hob hervor, daß derselbe besonders zwei Neuerungen für den Unterricht in den betreffenden Gemeinden enthalte: die Einführung der nachbiblischen Geschichte und des Lesens in der deutschen Bibel, und wünschte, daß die Erörterungen über diesen beiden Neuerungen den Gegenstand der künftigen Debatten bilden möchten. Eine frobe Hoffnung nahmen die Lehrer noch mit, es war das ein Versprechen des Herrn Landesrabbuiers, die Herzogs. Regierung um Abstellung verschiedener Mißstände bez. der sozialen Lage der Veanlten in den kleinen Gemeinden anzngehen. Für die Tagesordnung der nächsten Versammlung, die s. G. w. am VT April UVU in Bernburg stattfinden soll, sind folgende Gegenstände festgesetzt: 1. Lehrprobe: „Gebetübersetzen auf der Mittel stufe" Böhm-Bernbnrg 2. Dr. Flaschner: „lieber die nachbiblische Geschichte.";>. Vöhm-Bernbnrg - -: „Wie lehre ich biblische Geschichte?" 4. Horwitz-Defsau: „Die Frage im Unterricht." Die Anwesenden dankten zum Schluß Herrn Landes rabbiner Dr. Freudenthal für die Einberufung der Versammlung und deren umsichtige Leitung durch Erheben von den Sitzen und schieden init dem frohen Wunsche: Auf Wiedersehen! Dessau, den <>. April. Isvh;. F. A.: L. Horwitz.

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