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Der Israelit · 1896-04-23 · Heft 32 (23.4.1896) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 32 (23.4.1896)
Date
1896-04-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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5wgzm 634 „auch"*) zur Erhaltung unserer Gesundheit gegeben, unser Leben zu erhalten und durch ne gesund zu bleiben. Wie ansprechend ist doch der Zusatz unserer Weisen s. A. zu den Worten; „Lebe durch sie"; — „aber nicht durch sie sterben!"- Ich bedauere ungemein, daß ich hier nicht die Momente klarstellen kann, welche die Erhaltung der Gesundheit nach dem Ausspruch unserer Thora zum Gegenstand baben; ebenso die hauptsächlichsten Bestimmungen über Trephot nach dem Talmud, um sie vor dem Forum der wissenschaftlichen Forschung des 19. Jahrhunderts einer Kritik zu unterziehen. Der Gegenstand ist zu weitgehend und ist ihm bereits sein Ort in den folgenden Bänden vorgesehen. Trotzdem kann ich mich bis zu deren Erscheinen nicht dabei beruhigen diesen Punkt ganz unerörtert zu lassen. Jedenfalls sind diejenigen in einem großen Jrrthurn befangen, welche glauben, daß unser Lehrer Moscheh und die Autoren des Talrnud mit den Bestimmungen der Hygiene und der Veterinärkunde rücht wohl vertraut gewesen seien. Auch diejenigen, welche gezwungener Maßen die Größe unseres Lehrers Moscheh und unserer Weisen s. A. nicht leugnen können, behaupten, wenn sie deren Werth und Wirksamkeit herabzumindern sich anschicken, daß alle Gesetze und Rechte der Thora Moscheh's und unserer Weisen nur relig'onsgesetzliche Momente im Auqe haben, und leine anderen sonst. Kommt es dennoch hie und da vor, daß irgend eine Satzung oder ein Rechtsausspruch mit den Anforderungen der Hygiene übereinstimme, so sei dies nur Zufall. Denn nach ihrer Ansicht kennt die wissenschaftliche Forschung keinen Stillstand und kein Verbleiben an einem und demselben Orte. Seit den Zeiten unserer Weisen s. A. haben aber Forschung und Wissenschaft große Fortschritte gemacht, wie konnten sie somit damals schon wissen, was wir sitzt durch Untersuchungen und Experimente, viele Jahrhunderte später mit großer Mühe und Anstrengung sestgestellt haben? Was die Lehre Moscheh's anbelangt, möchte ich an jene Männer das Ersuchen stellen, mir folgende *) W ir haben dieses „auch" durch den Druck hervorgehoben, weil wir unter gewissen Modisicntionen uns damit einverstanden erklären können. — Daß unsere Mizwoth jeden Grundes und Sinnes entbehren, kann Niemand ernstlich behaupten wollen, der ans dem Boden des Judenthums steht. Daß dieser Grund seine tiefe Bercch igung haben kann, auch wenn es kein sanitärer und medizinischer, sondern ein solct er ist, der unser sittliches und seelisches i'ebcn berührt, dürste selbst einem Arzte eivlenchten. Hier liegt das wahre Motiv unserer göttlichen Gesetze, deren Beobachtung unsere körperliche Gesundheit zur Folge haben kann und gewiß auch hat, wenn die Ursache demselben auch ans anderen! Gebiete zu suchen und zu finden ist. Ist das „auch" in diesem Sinne gemeint, so können wir es voll rmd ganz acceptiren. Sätze im IV. B. M. Cap. 19. V. 14. 15 zu erklären: „Das ist die Thora, wenn Jemand stirbt im Zelte, wer in das Zelt kommt und alles was in dem Zelte ist, werde unrein sieben Tage. Jedes offeneGefäß,aufdemkeinfest anschließender Deckel i st, i st unrein." Hat Moses wirklich gefürchtet, wenn das Gerätst offen ohne fest schließenden Deckel ist, daß dann der Verstorbene sich erheben und Hand oder Zunge in das Gerätst strecken würde? Sollte das nicht als Zeugniß und Beweis gelten können, daß unser Gesetzgeber bereits wußte und das Vorhandensein von Krankheiten ahnte, die durch verdorbene mit Mi-smen von Leichenkörpern erfüllte Luft entstehen? Ich will »licht sagen, daß unser Gesetzgeber ohne Hilfe des Mikroskop wissen konnte, daß bei der Cholera Komma-Bazillen und bei der Schwindsucht stichsörmige Bazillen in Betracht kommen. Aber das ist kein Zweifel, daß dieser göttliche Mann w u ß t e, die Q u e l l e d e r Krankheit liegt in der A t h m o s p h ä r e. Und nicht ich allein halte au dieser ausgesprochenen Ansicht fest, sondern jeder, der der Sache tiefer aus den Grund geht, kommt zu demselben Resulkat. So sagt l)r. Vuenan de Mussy in seinen! Werk: Etüde sur 1‘hygiene de Meise et des anciens Israeütes. Paris '1855: „D'e Parasiten und die Infektions-Krankheiten im Allgemeinen, welche heute die Pathologie in erster Reihe beschäftigen, haben wie es scheint auch die Aufmerksamkeit des Gesetzgebers Moscheh auf sich gelenkt. Man braucht nur das Wort Tome (ndd) von sanitärem und rächt vom ethischen Gesichtspunkte aus zu fassen, wie man viele Iah»Hunderte lang annahm, so findet m a u in d er Thora eine ganze Gesetzessammlung, welche die Erhaltung der Gesundheit t m G eiste unserer jetzigen Zeit zum Gegenstand ha t." Eine ganz ähnliche Aeußeruug haben wir erst kürzlich aus dem Munde des Herrn Dr. Modestow vernommen. Derselbe sagt in seiner Jnaugural- Disserlation zur Erlangung der medizinischen Doktorwürde, wie folgt: „Die Ge s e tz e, welche die L ehre Dl os ch e h's gegen das U m s i ch greisen der P e st enthält, nehmen sich alle aus. als ob sie eine Wiederholung der A n o r d n u n g e n wären, welche von der Berliner hygienischen Gesellschaft getroffen würden." Der Verfasser fährt fort: „Es muß darauf h in g ewiese u we rde n, daß es in unserer Zeit keine andere Wissenschaft gibt, die s o v o l l st ä nd i g mit der Lehre M o s ch e h's ü bere in stimm t, wie die medizinische." Das ist das Urtheil unserer Zeitgenossen über

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