Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 32 (23.4.1896)
- Date
- 1896-04-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXTTI. Jahrgang. Erste Kellllge?u M -32 des „jlarneüt“. Leitender Artikel. Sdxvlnta mrd Bedika. (Schluß.) Mainz, den 22. April. „Die einzige Schuld, von der man den Schochet und Bodek vielleicht nicht freisprechen kann, ist die, daß er manchmal ein Thier für terephe erklärt, das es in Wirklichkeit nicht ist, sondern in seinen Augen es nur zu sein scheint. Aber in Wirklichkeit sehe ich darin kein Unglück, von denr geringen pecuniären Schaden abgesehen. Als ich im Ausland mit verschiedenen Veterinären über die llntersuchung der Schlachtthiere durch jüdische Schochtim sprach, bemerkten mir viele, daß wenn unseren Schächtern auch die fachwissenschaftlichen Kenntnisse unserer Zeit abgehen, man sich doch wohl auf ibre Untersuchung im Allgemeinen, besonders aber auf diejenige der Lunge verlassen könne. Einer der Veterinäre erzählte mir noch weiter, wenn er das Schlachthaus verlassen muffe ohne einen Stellvertreter zurücklassen zu können, so übertrage er die Untersuchung der Schl achthiere den: jüdischen Schächter. Es wäre selbstverständlich sehr gut, falls die Schächter, wenn ne zur Erlangung ihrer Autorisation die Prüfung vor den Rabbinen ablegen, auch einen Theil der Veterinärkunde erlernen würden, soweit dieselbe nöthig ist, um in schmierigen Fällen zu entscheiden, ohne damit dem Neligionsgesetz zuwiderzubandeln.*) Es wäre den Schochtim gewiß ein leichtes, diese Kenntnisse sich in kurzer Zeit anzueignen, da sie ohnedies alle thorakundig sind. Ich hoffe ein kurzes Handbuch der für einen Schächter erforderlichen medicinischen Kenntnisse, welche die religionsgesetzlichen Bestinrmungen nicht nur nicht beeinträchtigen, sondern sie noch fördern, in Kürze zu veröffentlichen. Aber auch unter den gegenwärtigen Verhältnissen, bei dem heutigen Stand unserer Schochtim und Bodkim, auch jetzt ist ihre Untersuchung besser als diejenige vieler Veterinäre und Feldscheerer in verschiedenen Schlachthäusern. Mit ruhiger, zuversichtlicher Ueber- *) Wir stimmen mit dem Vers. überein, daß anatomische und physiologische Kenntnisse zur Feststellung dessen, was koscher und trephe ist, nur förderlich sein können. Dieselben aber als integrirenden Theil der Schächterprüfung zu erklären, würde dem Wahn Vorschub leisten, als seien hygienische Rücksichten daS Motiv, das unseren npHm HDTlttf ’JH zu Grunde liegt. Die Vortheile dieser Kenntnisse würden durch Förderung einer solch irrigen Annahme reichlich ausgewogen, weshalb wir gegen diesen Vorschlag ernste Bedenken hegen. zeugung darf ich behaupten: An vielen Orten wären die Krankheitsfälle von Schwindsucht geringer als sie jetzt sind, wäre dort ein Jude, der die Schlachtthiere nach jüdischem Ritus untersucht. Aber davon abgesehen weiß jeder Arzt, der auf dem Lande in Dörfern praktizirt, daß, wenn die Festzeiten vorüber sind, Zeiten, an welchen die Landleule sich mehr dem Fleischgenusse hingeben, daß dann auch die Krankheiten, Magen- und andere Kathare sich häufen. Dieselbe Erscheinung macht sich nach Verlauf der großen Festzeiten auch in den Spitälern von St. Petersburg geltend. Das Volk genießt dann eben das Fleisch, wie es von anderen Orten beigebracht wird, welche die Fleischuntersuchung weniger gewissenhaft betreiben. Nicht so bei uns. Da sind alle Orte gleich. Der Jude, welcher Fleisch kaust, ist sicher, daß es koscher und ohne jedes Bedenken genießbar ist. Es wird noch lange dauern, bis sich in allen Ortschaften und Dörfern Veterinäre finden werden. In der That sollte man ja dort vorher für Menschen- Aerzte sorgen, ehe man an die Anstellung von Thierärzten denken darf. Wären diese Thierärzte aber selbst vorhanden, so hielte ich doch meine Behauptung aufrecht: Die jüdischen Schochtim und Bodkim haben auch au: Ende des neunzehnten Jahrhunderts nicht ihren Werth verloren. Die Statistik belehrt uns, daß die Zahl der Schwindsüchtigen bei den Israeliten geringer ist, als bei den anderen Einwohnern des Landes. Einen besonders triftigen Beweis liefert die City in London. Dort wohnen zehntausende unserer Brüder dicht gedrängt und doch tritt diese Krankheit dort nicht mit der Heftigkeit auf ime unter den anderen Volksgenossen. Auch zu Zeiten des schwarzen Todes in den Jahren 1348—1350 raffte diese Pest Millionen Menschen hin, so daß fast ein Viertel aller Lebenden dieser Krankheit erlagen, im Ganzen etwa 25,000,000 Seelen. Aber bei den Israeliten war die Zahl der Tobten eine so geringe im Vergleich zu den übrigen Tobten, daß viele die Israeliten als Urheber der Pest beschuldigten und behaupteten, sie hätten Gfft in die Brunnen geworfen. (Vergl. Helvetische Kirchengeschichte II S. 167. Grätz, Vit S. 361. Anmerkung und «pan pvp Seite 65.) Somit wiederhole ich meine frühere Behauptung: Die religionsgesetzlichen Bestimmungen über Schechita, Bedika und Trephot sind uns nicht nur als religionsgesetzliche Vorschriften ohne jeden Grund und Sinn gegeben (nDdi vpv b'z Hz nvm pn uw nP) wie viele zu beweisen versuchen, sondern sie sind uns