Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 32 (23.4.1896)
- Date
- 1896-04-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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^rnrn^^mm 626 allein an die Annahme dieses Angebotes wurden von russischer Seite solche Bedingungen geknüpft, daß Baron Hirsch dieselben nicht annehmen konnte und so wurde aus dem Projekt nichts. Dagegen gelangte nach langwierigen Verhandlungen mit Rußland der Plan zur Gründung jüdischer Kolonien in Argentinien und Canada zur Ausführung, in welche Länder allmählich tausende russischer Juden übergeführt worden sind. Mit welchen Schwierigkeiten dieses Unternehmen zu känlpfen hatte, das hat Baron Hirsch selbst vor zwei Jahren in einer Unterredung mit unserem Pariser Korrespondenten sehr anschaulich geschildert. Soweit die „Frankfurter Zeitung". Sämmtliche jüdische, sowie judenfreundliche Blätter werden sich nunmehr in unendlichen Lobeserhebungen auf den Dahingeschiedenen ergehen. Was uns und unsere Stellung zu den Werken des Baron Hirsch betrifft, so waren wir genöthigt, gleich bei dem ersten Hervortreten Hirsch's in die Oeffentlichkeit gegen die Tendenz dieser Werke Stellung zu nehmen. Es war dies in einer Zeit, als ihm noch die ganze jüdische Welt einmüthig zujubelte, da bereits der Gründer dieser Blätter seine warnende Stimme erhob und deshalb vielfach, und nicht nur von gegnerischer Seite angegriffen wurde. Im Sommer des Jahres 1889 hatte ein Vertreter des „Rew-Pork Herald" ein Interview mit dem Verstorbenen, worin dieser dem Schriftsteller mittheilte, daß der letzte Endzweck seiner Spenden das vollständige Aufgehen der Juden in den anderen Völkern sei. Damals machten wir in einem leitenden Artikel mit der Ueberschrift „Vorsicht" auf die gefährliche Absicht dieser Wohlthaten aufmerksam, wir nannten sie ein Danaergeschenk wtb baten alle, die es aufrichtig mit der Erhaltung des Judenthums meinten, bei Annahme der großen Summen die äußerste Vorsicht walten zu lassen. Und wahrlich die vielfachen Mißerfolge, welche Hirsch bei der Ausführung seiner Werke in den jüngsten Jahren zu verzeichnen hatte, haben uns vollauf recht gegeben. Da ist vor allen Dingen die galizische Millionen- Stiftung, welche den gesetzestreuen Juden daselbst moderne, nicht in dem Geiste des altüberlieferten Judenthums geführte Schulen aufoktroiren wollte, und von welchem die jüdische Bevölkerung trotz freiem Unterricht, freier Lehrmittel u.s. w. nicht zu bewegen war, den Gebrauch zu machen, der einer solch ungeheuren Spende entsprechend wäre. Unter den Leitern derselben herrschte Neid, Streit und Corruption, sodaß die Stiftung zum Theil wieder aufgelöst werden mußte. Wir haben darüber vor kurzer Zeit in einer Reihe von Artikeln unter der Ueberschrift „Moderne Wohlthätigkeit" und „Hinter den Eoulissen der Baron Hirsch-Stiftung" ausführlich berichtet. Auch das Colonisationswerk in Argentinien hat leider nicht den Erfolg aufzuweisen, den er entsprechend den ungeheuren Mitteln, die aufgewendet werden, hätte aufweisen müssen. Viele Millionen wurden nutzlos vergeudet und die Hauptursache an dem Nichtgelingen des großartig angelegten Planes mag wohl die gewesen sein, daß es trotz aller Mühe nicht möglich war, einen ebenso energischen, wie klugen und umsichtigen Leiter für des Unternehmen zu finden. Die General-Direktoren des Hirsch'schen Unternehmens in Argentinien wechselten rasch auf einander und was der Eine mühsam aufgebaut hatte, wurde von dem Andern wieder eingerissen. Es soll durchaus nicht verkannt werden, daß der dahingeschiedene Freiherr von Hirsch von den alleredelsten und allerbesten Absichten für die Verbesserung des Looses seiner unglücklichen Glaubensbrüder beseelt war, daß er ein hervorragender Mensch, ein Philantrop, wie eö kaum je Einen gegeben, gewesen ist. Derselbe hat auch, abgesehen von seinen groß angelegten Werken, an Einzelnen unendlich viel Gutes gewirkt — seine Almosen-Verwalterin, Frau Bischitz in Budapest vertheilte alljährlich Hunderttausende an kleine Leute in seinem Aufträge — aber der moderne Geist, in welchem Hirsch erzogen worden war, und in welchem er in allen seinen Anschauungen wurzelte, ließ es nicht zu, daß er seinen Werken jenes Gepräge zu geben vermochte, welches alle diejenigen Werke besitzen, welche um Gottes Willen errichtet werden. Vielleicht gelingt es nunmehr seinen Erben und Nachfolgern den Hirsch'schen Werken die Richtung zu geben, die ihnen dauernden Bestand innerhalb des Judenthums verleiht. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Halberstadt, 14. April. (Jubelfeierder israelitischen Schule.) In würdiger Weise beging, wie bereits kurz berichtet, vorgestern und gestern die hiesigeisraelitische Gemeinde das Fest des hundertjährigen Bestehens ihrer Gemeindeschule „Hschorat Zawi". Eingeleitet wurde die Feier durch einen Festgottesdienst in der hiesigen großen und prächtig ausgestaiteten Synagoge, bei dem Rabbiner Dr. Auerbach von hier die Festrede hielt. Außer den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde und einer großen Zahl ehemaliger Schüler der Anstalt wohnten auch die Spitzen der städtischen Behörden und der Schuldeputation dem Gottesdienste bei. Am Nachmittag fand alsdann im großen Saale des „Stadtparks" eine stack besuchte Schulfeier statt. Unter den vielen Theilnehmern war n. A. auch der greise Dr. Hildesheimer, der Director des Rabbinerseminars zu Berlin. "Rach dem Gesänge „Hebe deine Augen auf" aus Mendelsohns „Elias" wurde die wohlgelungene Feier mit einem von Herrn Paul