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Der Israelit · 1896-04-23 · Heft 32 (23.4.1896) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 32 (23.4.1896)
Date
1896-04-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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,,, r / cj <,. XXXVII. Jahrgang. M 3S Der Israelit. Ein Aenlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Df. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 23. April 5656 (1896). 3nm Mark abonnirt man bei allen Postanstalten für die Monate Mai nnd Juni 0v auf den „Israelit". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-Zeitungsschalter deS Wohnortes deS Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die Expedition des „Israelit". Leitender Artikel. Baron 211. Hirsch. (Mit Jllustr. S. 629.) Budape st, 21. April, 11.8 B Baron Hirsch ist heute Nacht in Alt-Ghalla (Komorner Komitatt, wo er als Gast bei dem Gutsbesitzer Chreuseld weilte, gestorben. Bis 1 Nachts saß er frohgemuth beim Champagner. Der Tod trat plötzlich in Folge eines Hirnschlages ein. Dnr „‘ftvü^mUT Artung" %exvJ)kt üket den Lebenslaus des verstorbenen Freiherrn das Folgenoe: Moritz Freiherr von Hirsch entstammte einer altbayerischen Bankierssamilie, deren Wohnsitz anfänglich in Würzburg, später in München mar, wo die angesehene Firma Joseph von Hirsch noch bis vor wenigen Jahren bestand. Geadelt wurde die Familie schon um 1820, der Freiherrnstand wurde dem jetzt Verstorbenen vom Kaiser von Oesterreich verliehen. Sein' Mutter war eine Franksurterin gewesen, nue Tochter des bekamt'en Bankiers Zach. Wolf Wertheimer. Moritz v. Hirsch, der im Jahre 1831 geboren war, vermählte sich mit einer Tochter des Bankiers Bischossbeim in Brüssel und betrieb dort längere Zeit, gemeinsam mit seinem Schwiegervater ein Bankgeschäft unter der Firma Bischossheim, de Hirsch u. Co. Um die Mitte der 1860er Jahre war es, als an ihn das Projekt herantrat, die türkischen Bahnen zu bauen; aber da vor Allem große Summen für Vorarbeiten auszuwenden waren, wollte sein Schwiegervater sich auf das Geschäft nicht einlaffen. Da trat Hirsch aus und unternahm den türkischen Eisenbahnbau für alleinige Rechnung, wobei er sein ganzes Vermögen von damals in die ersten Vorausgaben hineingesteckt haben soll. Für die Durchführung selbst errichtete er eine Baugesellschaft mit kleinem Kapital, deren Aktien er aber fast sämmtlich für sich behielt, so daß der ganze enorme Gewinn ihm allein zufloß. Den Gewinn, den Baron Hirsch aus dem türkischen Eisenbahnbau zog, veranschlagt man auf vielleicht 35 Millionen Francs; Manche nehmen eine weit höhere Ziffer an, doch haben jedenfalls auch andere Geschäfte in und mit der Türkei zum Grundstock des Hirsch'schen Vermögens viel beigetragen. Man hat Hirsch namentlich in der antisemitischen Presse vielfach den Vorwurf gemacht, als habe er die Türkei übervortheilt. Jndeß hat der berühmte Rechtslehrer Gneist zu Gunsten des Barons entschieden. Moritz v. Hirsch hat sich auch sonst als überaus unternehmender Geschäftsmann gezeigt, besonders in den Momenten politischer und wirthschaftlicher Krisen, so daß er ein ungewöhnlich großes Vermögen anzusammeln vermochte. Man schätzt dasselbe auf mindestens 400 Millionen Francs (nach Einigen sogar bis 700 Millionen, wenn nicht noch darüber), nachdem er vielleicht 100 Millionen oder mehr für philantropische Zwecke verausgabt hat. Diese Erbschaft wird, da sein einziger Sohn vor einigen Jahren verstorben ist, wohl seiner überlebenden Gattin, einigen Adoptivkindern, sowie seinen beiden Brüdern zufallen. Die Wohlthätigkeit, die er schon seit Jahrzehnten in großem Stil auszuüben verstand, wendete er den Bedürftigen der verschiedensten Länder und nicht nur denjenigen seines' Glaubens, sondern allen ohne Unterschied der Konfession zu. Am meisten bekannt geworden ist aber, und den größten Unlfang erreichte sein Eintreten für seine Glaubensgenossen. Baron Hirsch ist besonders bemüht gewesen, das Loos der russischen Juden zu erleichtern. So bot er der Petersburger Regierung ein großes Kapital zur Errichtung jüdischer Schulen in Rußland an,

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