Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 31 (20.4.1896)
- Date
- 1896-04-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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. . " , WJ.* > U^WWF, »JFWPÜ1P 620 der Erwartung des Besuchs des katholischen Bischofs WladikawrkaS, der einigen Wochen im Taschkend zubringen sollte, suchten die Katholiken nach einem Gebäude, das provisorisch zur Kapelle umgewandelt werden konnte und wo selbst auch für den Prälaten und sein Gefolge eine Wohuung hergerichtet werden sollte. Das Haus des Juden Jsaac Wadief wurde für dasjenige erkannt, daß sich zu diesem Zweck am besten eignete. Wadief weigerte sich jedoch sein Haus zu vermiethen, wollte indesien dem katholischen Cultus und seinen Getreuen unentgeltliche Gastfreundschaft anbieten. Diese mußten sich in diese liebenswürdige Bedingung finden. Am Vorabend seiner Abreise dankte der Bischof dem Wadief von der Höhe seiner Kanzel herab und erbat den göttlichen Segen für „alle guten Leute, ohne Unterschied des Glaubens, die den Pfad des Guten wandeln." > Vermischtes. < Berlin Der bekannte Egyptologe Professor Flinders Petrie hat ein Täfelchen entdeckt, aus welchem ein Einsall in Palästina, welcher sich um 1200 Jalire vor Anfang der christlichen Zeitrechnung zutrug, beschrieben wird. Es ist die älteste egnplische Urkunde, in welcher der Verbindung der Egypter mit den Juden Erwähnung geschieht Der betreffende Pharao war natürlich, wie gewöhnlich, siegreich. Aus welchen besonderen Einfall sich die Erzählung bezieht, ist noch nicht dargethan. Halberstadt, 13. April. ®ie Feier des 100jährigen Bestehens der hiesigen jüdischen Schule „Hascharat Zcwi" ist in erhebender Weise begangen worden. Festgottesdienst, Reden des städt. Rabbiners Dr. Allerbach, des Rabbiners Dr. Hildesheimer—Berlin, Benj. Hirsch, hier, sowie Ausführungen der Kinder verherrlichten das Fest. Prag. (Vom alten jüdischen Friedhöfe». Bekanntlich wurde im Landtage des Königsreiches Böhmen eine Petition wegen Erhaltung des alten Prager Judenfriedhofes überreicht. Diese Nachricht wirkte überall sehr überraschend. Man war nämlich der Ansicht, daß diese alte historische Merkwürdigkeit in ihrem ganzen Umfange erhalten bleibe. Die „Politik", welche nun erst dieser Tage Gelegenheit hacke, in die erwähnte Petition, welche knapp vor Landtagsschluß überreicht wurde, Einsicht nehmen zu können, berichtet über den Sachverhalt folgendes: „In der mit großer Sachkenntniß gearbeiteten Petition wird vor allem darauf hingewiesen, daß der bisherige Besitzstand des alten Friedhofes sehr bedeutend betroffen wird, indem durch die Errichtung einer inneren, vom Rudolfinum bis zum Johannisplatz laufenden, von der bisherigen Richtung der Salnitergasse abweichenden Eommunicrtionslinie das westliche Ende dieses alten Friedhofes ganz abgeschnitten und ein weiteres Terrain desselben in der Breite von 20 ui für die Anlage dieser neuen Eommunicatton in Anspruch genommen wird. Der vom Nudolsinum zum Moldanuser auslaufende beträchtliche Theil der bisherigen Salnitergasse wird derart zur Verbauung bestimmt und statt dessen diejenige Eommunication, die dieser Theil der Salnitergasse bis jetzt vermittelt hatte, auf das Territorium des alten Friedhofes verlegt. Die Beerdigungsbrüderschaft hat im Jahre 1893 unter Hinweis auf die $8 3 und 4 des Assanirungsgesetzes um Erwirkung einer Abänderung des Negulierungsprojectes in der Richtung, daß diese Eomunieationtzlinie ganz aufgelassen oder mehr nach Westen abgelenkt und der Bestand des alten israel. Friedhofes möglichst wenig geschmälert werde, angesucht, jedoch ohne Erfolg. Die Petition weist ferner mit Recht darauf hin, daß der alte Judenfriedhof seinen bedeutenden Ruf nicht blos seinem in das graue Alterthum zurückgreifenden Bestände und seinen altehrwürdigen Grabmälern, sondern auch seiner großen Ausdehnung und seiner mitten im städtischen Getriebe befindlichen, jedoch durch seine Abgeschlossenheit so stimmungsvollen Lage verdanke. Jede Schmälerung der Ausdehnung dieses Friedhofes und jede Alterirung seines Charakters wäre auch eine Beeinträchtigung dieses alten historischen Denkinals, eine Verletzung der Pietät, welche sonst gerade in Prag alten historischen Monumenten und Denkmälern cutgegcngebracht wird. Durch die Zerstückelung werde das Totalbild und der Totaleindruck ohne zwirrgende Gründe zerstört. Die bisher bestehende Communication erheische in keiner Weise eine Durchsckneidung des alten Friedhofes, denn die bisherige Salnitergasse genügt der Eommunicatton im vollsten Maße. Die neue, den Friedhof durchschneidende Commucicationslinie wird nur dcßhalb projectirt, um eine Verbindung vom Rudolfsplatz aus zuin Johannispletz zu ermöglichen, welche mit dem Rudolfs-Quai parallel lausen würde. Eine Nothwendigkeit für die Eröffnung dieser Eommunicatton durch den israel. Friedhof liege demnach nicht vor, da auch ohne diesen Druchbruch nicht blos der Quai die Eommunicatton im vollsten Maße vermitteln wird, sondern auch hinter den nach dem Regulierungsplane projecticrten Blocken III und IV eine zum Quai parallele Eommunicatton auch dann möglich bleibt, wenn der israel. Friedhof ganz intact belassen wird. Ohne Eassierung der bisherigen Salnitergasse glaubt man für den projecticrten Block II nicht eine solche Tiefe zu erzielen, welche die Verbauung desselben in der ganzen für ihn in Aussicht genommenen Ausdehnung ermöglichen würde. Ein derartiges Motiv ist jedoch dem Assanierungsgesetzc fremd, da durch dieses Gesetz nur gesundheitsschädliche Zustände beseitigt, nicht aber historische Denkmale, welche im Gegentheil den Gesundheitsrücksichten förderlich sind, zerstört werden sollen. Ein Blick aus den Rcgulierungsplan genügt, zu erfahren, daß es nur der Hand eines geschickten Architekten bedarf, unr den Blöcken II und III eine derartige Gruppierung zu geben, daß dieselben in genügender Weise aus genützt werden können. Interessant ist in der Petition auch der Hinweis darauf, daß von den erhöhten Punkten der Kleinscite und des Hradciu, sowie auch vom Moldauufer, nach der Josefstadt ein wundervoller Einblick geschaffen werden könnte. Geometrischer Einförmigkeit zuliebe soll ein altes historisches Denkmal Prags geschädigt werden. Der hohe Landtag des Königreiches Böhmen wird gebeten, ein entscheidendes Wort zu sprechen, daß dies nicht geschehe. Steinamanger. Herr Markus K o r n f e i n y" J Rabbiner der hiesigen orthodoren Gemeinde ist heilte, den 19. April, gestorben. Einen ausführlichen Bericht für den „Israelit" lasse ich folgen Odessa. An dem Tage, da ihre Tochter denr Baron Günzburg angetraut wurde, spendete Frau Aschkenasy die ansehnliche Surnme von 40,000 Rubeln für die jüdischen Armen der Stadt. Die Herren Ephrussi haben zum Ziveck der Gründung einer neuen Schule für die Rinder hiesiger jüdischer Bürger 30,000 Rubel gespendet. Wie mir hören, tritt die Schenkung anläßlich der Krönung Ihrer Majestäten in Kraft. London Der Londoner Polizei ist cs gelungen, die Identität des Verbrechers festzustellen, der am Charsamstag in Whitechapel den greisen Mrs. Levy und dessen Haushälterin, Frau Gale, ermordcrt und beraubt hat. Der Mörder heißt Seaman und ist ein notorischer Einbrecher, der bereits dreimal im Kerker saß, einmal mit vierzehn und