Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 31 (20.4.1896)
- Date
- 1896-04-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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MWWNW 614 nehmen würde; man erhob die Einwendung, daß durch sie der Wohllhätigkeitssinn des Einzelnen unterdrückt würde u. f. w. u. s. w. Von all den Befürchtungen ist Nichts eingetroffen und wir glauben mit Sicherheit behaupten zu können, daß die Belästigung durch sogenannte gewerbsmäßige Bettler sich bedeutend vermindert hat. Es leitet uns nämlich das Bestreben, möglichst jene Fälle aus dem Bereich unserer Wirksamkeit auszuscheiden, wo der gewohnheitsmäßige Rückfall jede Neigung zuin ehrlichen Erwerb, zum Schaffen schon längst verdrängt hat, oder wo Unehrlichkeit und Arbeitsscheu Hand in Hand gehen. Aus diesem Grunde richten wir das dringende Ersuchen an unsere verehrt. Mitglieder — und diejenigen Herrschaften, die es werden wollen — möglichst alle Petenten an unser Bureau zu verweisen. Während der Caffestunden werden die Papiere der Almosenforderer einer genauen Prüfung unterzogen, worauf solche je nach Maßgabe der Dürftigkeit mit Geld und Fahrscheinen versehen werden. Nachdem das Wirken unseres Vereins aus unserem Rechenschaftsbericht sich deutlich überblicken läßt, erlauben wir uns, auch diejenigen isr. Bewohner unserer Stadt, welche seither unserem Vereine noch nicht angehörten, aufzufordern, durch Eintritt in denselben unsere Bestrebungen fördern zu helfen. Wir haben aber nicht allein unfer Augenmerk darauf gerichtet, durchreisende würdige Arme durch Geldgeschenke und Verabreichung von Fahrkarten zu unterstützen, sondern wir betrachten es auch als erstrebenswerthes Ziel, Bedürftigen aus der Umgegend — in periodischen Zwischenräumen — nach dem Heimathsorte Spenden zu übersenden, damit ihnen der sauere Gang nach Almosen erspart bleibe. In dem Rahmen unserer Verhältnisse, d. h. bisher noch in bescheidenem Maße, haben wir — allerdings erst in allerletzter Zeit — dies auch im ersten Jahre unserer Thätigkeit auszusühren gesucht, allein unr da ausgiebig Helsen zu können, bedarf es ausreichender Mittel und vieler Hände und jedes einzelne Mitglied unseres Vereins möchten wir hiermit freundlichst gebeten haben, in seinen Kreisen für Acguisition neuer Mitglieder zu sorgen. Von außerordentlicher Bedeutung für die Leistungsfähigkeit unseres Vereins, insbesondere für die erste Zeit, ist die Thatsache, daß das Eomite für die ausgewiesenen ruff. Juden, dessen eigentliche Thätigkeit seit mehr als einem Jahre eingestellt ist, auf unser Ersuchen die noch vorhandene Restsumme unserem Verein überwiesen hat mit der ausdrücklichen Bedingung, daß diese Gelder — im Sinne der seinerzeitigen Schenkgeber — ausschließlich für arme durchreisende ruff. Juden verwendet werden müssen. Dem verehrlichen Comit6 sei hiermit unser herzt. Dank ausgesprochen. Einem Theile unserer hiesigen Glaubensgenossen dürfte es noch erinnerlich sein, daß der vor einigen Jahrzehnten hier bestandene Almosenverein nach vielen fruchtlosen Versuchen eine Lebensfähigkeit nicht erlangte und sich nicht zum Mindesten aus dem Grunde auflöste, weil keine genügende Anzahl von Pflegern vorhanden war. Uns dagegen haben sich eine Anzahl von Herren als Ersatzpsteger bereitwilligst zur Verfügung gestellt und wir wollen nicht verfehlen, von dieser Stelle aus den betr. Herren, es sind die HH.: Herm. Groß, Nob. Gottschalk, Oscar Lehmann, Abr. Jos. Koch, Bernh. A. Mauer, Mart. Moritz, Mar Oppenheimer, H. Reiling, A. Rosenmauer — für die Unterstützung bei der Armenpflege verbindlichst zu danken, denn sie haben es eigentlich erst ermöglicht, daß unser Apparat so außerordentlich pünktlich und prompt funktionirte. — Ein besonderes Entgegenkommen für unsere Bestrebungen fanden wir beim hiesigen städt. Armen- Verein. Da wir Durchreisenden durch Gewährung von Fahrkarten die Mittel an die Hand geben, Mainz möglichst rasch wieder zu verlassen, also gewissermaßen den städt. Armen-Verein entlasten, hat die Verwaltung sich veranlaßt gesehen, uns tm verflossenen Jahre eine Beisteuer zu gewähren. Zum Schlüsse dieses Berichts wollen wir dankend erwähnen, daß eine Anzahl opferwilliger Herren uns durch Uebergabe einmaliger Spenden in die Lage gesetzt haben, die Anschaffung der Einrichtung, Drucksachen, Bücher u. s. w. zu bethätigen, so daß der Verein nur sehr minime Kosten bei der Eonstituirung aufzuwenden hatte. Der Verein zählt 149 Mitglieder mit M. 3893 Beiträgen; in 10'/, Monaten (der Verein besteht seit 15. Mai 1895) wurden bei 1241 Unterstützungen M. 1955,14 und für Fahrscheine M. 434,05 ver ausgabt; pro Kopf M. 1,93. Von den Unterstützten waren heimathberechtigt: 351 in Rußland, 314 in Oesterreich-Ungarn und 570 in Deutschland und im übrigen Ausland. Die Einnahmen betrugen Ri. 3702,25, die Ausgaben 3592,42. Den Vorstand bilden die Herren: Martin Maver, Eduard Simon, .'2. Weinschenk, Ernst Simon, Dr. Bondi, S. Cahn, C. Heiden-Heimer, B. Hochheimer, Dr. Salfeld. Vermischtes. Neubydzow« Herr I. Bergmann, Großindustrieller, Ehrenbürger der Stadt Neubydzom, Repräsentanzmitglied der böhmischen Landesjudenschaft und Cultusvorsteher der hiesigen Eultusgemeinde, hat in der am 1. April d. I. stattgefundenen Repräsentenz-Sitzung der Eultusgemeinde die freudige Mittheilung gemacht, daß er anläßlich des 50jähr. Regierungsjubilaums unseres allgeliebten Monarchen einen