Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 31 (20.4.1896)
- Date
- 1896-04-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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615 Betrag von 40,000 Kronen zum Baue eines israelitischen Gemeindehauses widme. Wie selbstverständlich verursachte dieser edle Entschluß die freudigste Erregung in der hiesigen Cultusgemeinde. Der hochherzige Spender hat in seiner Eigenschaft als Cultusvorsteher schon manches Gute für seine Gemeinde geschaffen, durch diese Institution aber sichert er den Bestand der Gemeinde auf ewige Zeiten und hat sich im Herzen aller hiesigen Jsraelititen ein Denkmal errichtet, das dauernder als Erz und Stein ist. Feuilleton. Per Letzte seines Stammes Erzählung von Alphonse de in Haye. 29) (Alle Rechte Vorbehalten.) 32, Kapitel. M a r t h a's Aufklärung. Als Elchanan in die Villa trat, meldete ihm ein Diener, daß die Comteffe mit dem Pater Pierre einen Ausflug unternommen hätte, daß das gnädige Fräulein den gnädigen Herrn in dem Park erwarte. Elchonon begab sich in den wohlgepflegten Garten. Es war herrlich in dem schattigen Park. Mit wahrem Entzücken schaute er auf das junge Grün der Buchen und Ulmen, welche den großen, mit unzähligen Blumen und Blüthen bepflanzten Rasenplatz umgaben. Heilige Stille herrschte, kein Lüftchen regte sich, es war ein Bild des reinsten, ungetrübten Friedens, das Elchonon tief, tief in die Seele griff. Er schritt dem Bache entlang, der in Schlangenwindungen über die Wiese zog, um durch eine Schleuse sich in einen Weiher zu ergießen. Bewundernd glitt sein Auge auf den Spiegel des Weihers, wo die weißen Seerosen sich nixenhaft auf den glänzenden, breiten Blättern wiegten und wie neckend aus der Tiefe emporschauten. Veranschaulicht dieses Bild im Reiche der Rasur nicht in Treue und Frische die Vorgänge im menschlichen Streben? Auch der Mensch strebt nach Sonnenglanz des Glückes und befindet sich ebenso wie die Seerose auf einem flüchtigen Element. Die Paar Sonnenstrahlen, die der Seerose, wie dem Menschen zu Theil werden, lassen diese die Unsicherheit ihres Nährbodens vergessen. Für die Seerose, die im Sonnenglanze erstrahlet, wie auch für den Menschen, in dessen Brust das Leben mit Kraft pulsirt, kommt die Zeit des Verwelkens. Wie thöricht von demselben, wenn er das Bischen Sonnenglanz des irdischen Glückes wegen, die ewige Frische und ewige Jugend des Geistes preisgibt! — Während er so weiter schritt, beschäftigte ihn unablässig der Gedanke, was wohl die Gräfin mit jenem räthselhaften Mönch so viel zu verhandeln habe. Ein Grauen ergriff ihn, wenn er an sein bewegungsloses Gesicht dachte. Sollte er doch auf die warnenden Stimmen seiner Freunde horchen und vor der Gräfin fliehen, so lange es noch Zeit? — Doch, weßhalb denn? Bisher hat ja dieselbe Nichts Unbilliges von ihm verlangt. Wie hätte er ein Recht, das zurückzuweisen, was sie ihm aufrichtigen Herzens entgegenbringt? „Bon jour, mon ami!" rief eine Stimme in seiner nächsten Nähe und zwei weiche Hände legten sich vor seine Augen. — „Rathen Sie mal, wer Ihnen das Augenlicht nimmt?" „Das ist nicht schwer zu errathen", lachte Elchonon, indem er die Hände von seinen Augen zu entfernen suchte. „ In dem ganzen Garten befindet sich blos eine menschliche Person und diese bat mich, sie zu besuchen. Glauben Sie nun, daß ich Sie kenne?" „Doch nicht ganz, mein liebenswerther Cousin," lachte Martha hell auf, indem sie ihre Hände von seinem Gesichte entfernte. „Sie verkehren schon Monate mit mir und kennen mich dennoch nicht!" Ihre Stimme sank zum Flüstern. „Sie wissen beispielsweise nicht, daß ich zu Ihrer Braut bestimmt bin!" Elchonon erblaßte. Also doch wahr? Alles bittere, grausige Wahrheit! „Himmel! wie wäre es möglich, Sie und ein Jude?" „Beruhigen Sie sich, mein Lieber," versetzte Martha mit freundlichem Lächeln, aber in ihren: Gesichte zuckte und wetterte es, „mein aufrichtiges, verwandtschaftliches Interesse begann erst dann für Sie rege zu werden, als ich die Ueberzeugung gewann, daß Sie sich blutwenig aus mir machen. Doch nicht etwa weil Sie Jude sind, ich achte in jedem Menschen seine Ueberzeugung; auch sollen Sie erfahren, daß ich dem Judenthume gar nicht so fern stehe, wie Sie sich denken, sondern weil mir eine jämmerliche Rolle in Ihrer Tragödie zuertheilt worden und weil mein Herz schon seit Jahren vergeben ist. Es ist das erste Mal, seit dem wir uns kennen, daß wir allein und ungestört beisammen sein dürfen. Sie sollen alles erfahren, was wider Sie im Schild geführt wird, natürlich, soweit ich die Pläne der Comteffe kenne: denn was sie mit dem Pater Pierre über Ihr Geschick verhandelt, weiß ich nicht. Ich halte die Aufklärung für keinen Verrath, sondern für heilige Pflicht gegen Sie, mein lieber Elchonon." „Dann ist mir aber Ihr bisheriges Betragen ganz unfaßlich, liebe Cousine," erwiederte Elchonon mit mißtrauischem Blicke. „Sie standen ja Ihrer Tante bei, daß ich mich dazu hergab, ihrem Wunsche zu entsprechen!" „Sie sollen über alles Aufklärung erhalten; doch nicht hier, wo wir belauscht werden können. Folgen Sie mir in den orientalischen Pavillon. Ich