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Der Israelit · 1896-04-20 · Heft 31 (20.4.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 31 (20.4.1896)
Date
1896-04-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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613 m MMWUWWI WWWSMVWWWMMMMfort, und davon untrennbar ist seine Verpflichtung, die Verbandskosten zu tragen. Ob er von den Einrichtungen des Schulverbandes Gebrauch mache oder seine Kinder in den anderen Schulanstalten unterrichten läßt, kann hierin eine Aenderung nicht herbeiftthren." Dieses Erkenntniß des Oberverwaltungsgerichts ist unzweifelhaft von prinzipieller Bedeutung für alle israelitischen Gemeinden Deutschlands. Der eine der beiden Kläger hat jetzt thatsächlich den Antrag gestellt, weil seine der lutherischen Kirche zugeführten beiden Knaben keine Dissidenten seien, ihm zu gestatten, auch dem lutherischen Schulverbande fortan Zahlung zu leisten und damit seine Nichtzugehörigkeit zum jüdischen Schu'.verbande auszusprechen. Diese Sache ruht jetzt bei der Regierung resp. Stadtgemeinde. O e st e r r. - N n g a r- Monarchie. <6?lau, 17. April. (Erzbischof und Rabbiner). Erzbischof Dr. Samassa pflegt, wenn er nach seiner Residenz zurückkehrt, täglich Spaziergänge durch die Gassen von Erlau zu machen. Keine Veränderung, selbst die geringste nicht, entgeht dem Blicke des Kirchenfürsten, wenn er mit seinem Sekretär Dr. Szmrcesanyi durch die Straßen promenirt. Ein neues HanS, eine neue Firma erregt sofort seine Aufmerksamkeit und nicht selten spricht er einen oder den andern Bekannten auf der Straße an. Dieser Tage promenirte der Erzbischof durch die Hauptgasse und erblickte den Erlaucr Rabbiner Dr. Mar- Schwarz, der den Kirchenfürsten ehrerbietig grüßend, vorbeischreiten wollte. Erzbischof Sarnassa streckt dein Rabbiner die Hand entgegen, mit den Worten: „Wie befinden Sie sich, Herr Rabbiner, Sie haben sich förmlich verjüngt, seitdem ich Sie nicht gesehen!" Der Rabbiner dankte für die srcttndliche Frage und gab seinerseits der Freude Ausdruck, den Erzbischof so frisch uttd wohl zu seheil. „Ach, sehen Sie, mir ergeht cs, wie das Sprichwort sagt: Das Alter ist selbst eilte Krankheit" — meint lächelnd der Erzbischof. — „freilich — gab der Rabbiner Zurück —, die Schwäche kommt mit dem Alter, aber Gott verlängert das Leben Derjenigen, die ihm lieb sind bis ..." — Erzbischof Samassa unterbrach hier lachend: „Bis an die äußerste Grenze des menschlichen Lebens, wie mein trefflicher Freund, der Oberbürgermeister Karl Rath sagt — das meinen Sie doch?" — „Ja wohl, das wünsche ich vonr Herzen," erwiederte der Rabbiner. Der Erzbischof schüttelte dem Rabbiner die Hand und setzte die Promenade fort. Rußland. Petersburg, l. April. In seinem jüngst dem Kaiser erstatteten Berichte erwähnte der Oberproeurator der hiesigen Synode, daß die bei Juden im Dienste stehenden Christen sehr häufig in der Erfüllung ihrer religiösen Pflichten gestört werden. Dieser Umstand hat vielen unserer Pessimisten zu Befürchtungen Grund gegeben, es werde binnen Kurzem ein neues, die Arbeitsvertragsverhältnisse zwischen Christen und Jitden streng regelndes Gesetz erlassen werden. Diese Befürchtungen aber haben sich, Gott sei Dank, nicht bewährt. Ein am 5./17. März hier promulgirter allerhöchster Befehl ändert die bisher obligatorischen diesbezüglichen Bestimmungen (laut Gesetz von 1890 hat der jüdische Arbeitgeber, der seine christlichen Arbeiter in der Ausübung der Vorschriften ihrer Religion verhindert, fünfzig Rubel Geldstrafe zu entrichten) nur insofern, daß er statt jüdische Arbeitgeber den Ausdruck nichtchristliche Arbeitgeber setzt, also den Begriff erweitert. Der hier vor einiger Zeit veröffentlichte Rechenschaftsbericht der Central-Aufsichtsbehörde über die Vertvaltung von Kronsgeldern (des Controlchefs) für das Jahr 1894 bringt einige für den Verlauf der jüdischen Frage in Rußland höchst interessante Zahlen. So zunr Beispiel erfahren wir aus demselben, daß das Ackerbaumitlisterium über ein seit vielen Jahren unbenutztes, durch den seligen Baron Josef von Günzburg zu Prämien für jüdische Ackersleute geopfertes Capital von 21.533 Rubel verfügt; daß der unter der Leitung des Cultusministeriums stehende, zu Zwecken jüdischer Bolksaufklärung bestimmte und aus specicll jüdischen Abgaben aufgehäufte Fond 785.531 Rubel beträgt; daß das aus Gehaltsabzügen der jüdischen Schullehrer sich bildende und zu Gnadensolde für diejenigen unter ihnen, die ihre Dienstzeit bereits absolvirt, angesammelte Capital zu 82.000 Rltbel heranwuchs. Vereinsnachrichten. Mainz, 13. April. Dem uns vorliegenden 1. Bericht des „Vereins zur Beschränkung des Wanderbettels in Mainz" entnehmen wir: Ein Gefühl der Befriedigung erfüllt uns, davon Kenntniß geben zu können, daß es uns gelungen ist, den Verein zu einem wichtigen Organ der hiesigen Armenpflege auszugestalten und daß die Erfolge uns einen Sporn geben, das vorgesteckte Ziel in seitheriger Weise weiter zu verfolgen. Bei der Eonstituirung des Vereins, welche im April 1895 stattfand, sind verschiedene Stimmen laut geworden, welche — obgleich den besten Absichten entspringend — sich den Bestrebungen der Gründer durchaus nicht geneigt zeigten. Man glaubte, daß die Errichtung einer sogenanten „Casse" dem Wanderbettel mit seinen entsittlichenden Folgen keinen Abbruch thun, und daß der Hausbettel wie bisher seinen Fortgang

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