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Der Israelit · 1896-04-20 · Heft 31 (20.4.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 31 (20.4.1896)
Date
1896-04-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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IWWWWWWWWWWWWMMWWWWWIMSWW 611 Prange nicht vor dem König und stelle dich nicht an den Ort der Großen (Spr. 25.) Denn in hohen Kreisen bist du genöthigt dich selbst hervorzuthun, um dir Beachtung zu verschaffen, während dir sonst Ehre zu Theil wird, ohne dein Hinzuthun. Bester jedenfalls ist es, daß dich Andere loben und nicht dein Mund, ein Fremder und nicht deine eigenen Lippen (das. K. 27.) Man täuscht im gewöhnlichen Leben die Welt nur so lange über seinen geistigen und materiellen Reichthum, so lange die Mittel hiezu ausreichen, sind aber diese hiezu erschöpft und können die Menschen nicht weiter in ihrer Täuschung erhalten werden, so stellt sich gewöhnlich vor dem gänzlichen Sturz ein maßloser Stolz, ein dünkelhafter Hochmuth ein, welcher bestrebt ist diese Unfähigkeit nach außen hin womöglich zu verdecken. Dieser Hochmuth ist ein sicheres Zeichen des nahen gänzlichen Falles. Wer sich aber stark fühlt, in dem, was er scheinen will, bedarf nicht erst äußerer Mittel, um zur Geltung zu kommen, er zieht sich bescheiden zurück, und diese Bescheidenheit wieder ist ein sicheres Zeichen der nahebevorstehenden Ehrung und Anerkennung. Wenn einer zu Grunde gehen soll, wird sein Herz zuvor stolz, und bevor die Ehrung kommt, ist man bescheiden (das. 16). „Der sichere Erfolg der Bescheidenheit ist Gotttesfurcht, (weil man seine Winzigkeit und Bedeutungslosigkeit der göttlichen Allmacht gegenüber erkennt), R e i ch thum, (weil man sich mit dem begnügt, was man besitzt), Ehre (das ist die Selbstachtung) und Leben (welches durch die Zufriedenheit, Genügsamkeit und bescheidene Friedfertigkeit gefördert wird). (Spr. 22). Ein liebliches, anmuthiges Bild der bescheidenen Frau, die zurückgezogen lebt, in ihrer Häuslichkeit waltet und ihren Wirkungskreis auf dieselbe beschränkt, die nichts von Prunk und Geschmeide hält, die es verschmäht in der Gesellschaft zu glänzen, sondern ihre Biederkeit, Tüchtigkeit und ihren Stolz darin sieht, für die Wohlfahrt ihres Mannes und ihrer Kinder zu streben, zu arbeiten und §u wirken, Gutes zu thun und Wohlthätigkeit zu üben, ein solches Bild der bescheidenen Frau entwirft uns das letzte Kapitel in den weisen Sprüchen Salomos. Die wahre Demuth und die wirkliche ungekünstelte Bescheidenheit muß sich in jeder Lebenslage, in allen Wechselfällen des Geschickes bewähren. Der sicherste Prüfstein hierfür ist das Unglück. Der wahrhaft Demüthige wird in seiner Roth und Bedrängniß nicht mit seinem Gotte rechten, nicht mit dem Geschicke hadern, er pocht nicht auf seine Verdienste, indem er spricht: Habe ich solches verdient? Warum lebt Dieser und Jener in Glück und Ueberfluß, denl ich in Frömmigkeit, in edlem Wirken weit überlegen bin? Der wirklich Bescheidene bleibt auch hier demüthig, geduldig und ergeben erträgt er sein hartes Los und spricht mit dem frommen, edlen Hiob: Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, der Name des Herrn sei gepriesen. Sollen wir etwa nur das Gute empfangen, das Böse aber nicht annehmen? Eine solche Denkweise ist - der richtigste Maßstab für die wahre Demuth. Der Talmud lehrt mit großem Eifer Demuth und Bescheidenheit. Wer in Demuth wandelt, den erhebt Gott zu Ehrenstellen und Würden, der Hochmüthige aber wird erniedrigt. Wer nach Größe und Ruhm strebt, den flieht gleichsam die Ehre, wer ihr aus dem Wege geht, den sucht sie auf (Erubin 13t>). Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, 16. Aprll. (Die Antisemiten unter sich.) Unter der Ueberschrift „Niedriger hängen" schreibt die „Staatsbürger-Zeitung": „Die durch Dr. Lange neu gegründete „Deutsche Zeitung" leistet sich die Veröffentlichung folgender Vereins-Anzeige: „Verband deutschliberaler (freisinniger) Antisemiten Berlins. „Freitag, den 17. April, Abends 9 Uhr bei Bodek, Friedrichstr. 210, Große Mitgliedersitzung. Vorträge: 1. Beleuchtung des jüdischen alten Testaments vermittelst deutscher X-Strahlen. 2. Der Boykott der liberalen Richtung des Antisemitismus seitens der „Staatsbürgermit» ähnlicher „Daitscher" Zeitungen", sowie der Boykott der „deutschen Vehme". Germanen als Gäste willkomnren." Wir haben wohl nicht nöthig, dieser Ankündigung ein weiteres Wort hinzuzufügen, sie richtet sich in den Augen aller anständigen Menschen von selbst; auch verschmähen wir es, auf solche Machenschaften einzugehen; wir können nur bedauern, daß das Ehrenwort „deutsch" damit in Verbindung gebracht wird." So mußte es kommen! Daß die Er-Ahlwardt'sche „Staatsbürger-Ztg." jetzt von dem Antisemiten Friedrich Lange spöttisch als „daitsche" Zeitung an den Pranger gestellt wird, ist die kostbarste Verurtheilung dieser ganzen schmachvollen Richtung. Hannover, 17. April. In einer hannoverschen Gemeinde waren zwei Mitglieder aus dem Judenthum ailsgetreten, sie halten sich als Diffidenten deelarirt und geweigert, die jüdische Schulsteuer zu entrichten. Eine Klage der Beiden hatte der Bezirksausschuß der betreffenden Stadt am 6. Mai v. I. zurückgewiesen. Zur Begründung der Klage wurde angeführt, daß die Verpflichtung zur Unterhaltung der jüdischen Schulen nach dem Gesetze vom 30. September 1842, die Rechtsverhältnisse der Juden betreffend, ans der persönlichen Zugehörigkeit zur

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