Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 30 (16.4.1896)
- Date
- 1896-04-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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598 alle zur Theilnahme der würdigen und glänzenden Millenniumsfeier einladen. Es ist ganz gerecht, daß die Juden diese Feier zu einer Herzenssache machen, denn d:e Stifter des Reiches machten allen Stämmen, folglich auch den Juden, das Land zur Heimath. Und wenn auch alle Schranken hie und da nicht gehoben waren, so waren dieselben niemals derart, daß sie den Juden in seiner materiellen Wohlfahrt hinderten und der Entwickelung seines Geistes entgegenstanden. Unter den Arpaden erhielten die Juden ebenso wie die anderen Völkerstämme Grundbesitz und mit dieser Gleichberechtigung gelaugten dieselben auch zum Range des Adels. Der Jude in Ungarn wurzelt in dem bereits liebgewonnenen heimathlichen Boden, wo ihm die brüderliche Hand gereicht wurde und mit unauflöslichen Banden ist derselbe an jenes Land gefesselt, welche mit gleicher Liebe auch ihn umschlingen. Und ebenso wie die Franzosen, haben auch die Ungarn ein rasch ausloderndes enthusiastisches Herz, einen ausgesprochenen Sinn ftir Gleichheit und Gleichberechtigung und in gleichem Sinne besitzen auch die Juden den Vorzug, für Freiheit und Frieden bestrebt zu sein. Von dem Jahre Nl4 bis 11 «>5 blieb die Rechtsstellung der Juden in Ungarn besonders günstig, denn im XIII Jahrhundert gab es in Ungarn noch kein magyarisches Bürgerelement. Viele Aemter waren in Händen der Juden. Nach Mommsen (Römische Geschichte 111 5:.i4) mußten schon unter Julius Eäsar Juden in Ungarn gelebt haben. Im Jahre i»70 wurden die Magvareu durch die Griechen geschlagen und mußte Taksony, um den erlittenen Verirrst zu ersetzen, verschiedene Volksftämme im Lande herauziehen. Unter diesen waren auch die Ehalisier, nach Einamus ein jüdischer Volksstamm. Im neunten Jahrhundert erhielten die Juden in Ungarn Verstärkung durch Juden aus Böhmen, welche unter Herzog Wrazlaw's Regierung verfolgt wurden. Szirmay Antal meint in seinen Schriften, daß viele von den Magyaren im Szathmarer Comitate bereits Vorgefundene Ortsnamen hebräischen Ursprungs sind, weshalb auch anzunehmen sei, daß im Szathmarer Comitate Juden vor den Magyaren gelebt, welche mit den Kozaren vermischt daselbst gewohnt haben. Die Juden in Ungarn hatten sich immer einer besseren und gesichterten Eristenz, als jene der Nachbarländer zu erfreuen. Immer kam hier die Ueberzeugung zum Durchbruch, daß der Handel einer der wichtigsten Faetoren im Staatshaushalte ist, daß er nicht jene Geringschätzung verdient, welche demselben von den Wiener Antisemiten zuthcil wird. Die Ungarn sind eben ein politisch reifes Volk und ein solches wird niemals zum Antisemitismus Hinneigen, sondern jeden Menschen neben sich dulden, ja als gleichberechtigt an den Gütern des Lebens anerkennen. (Albert Löw in der „Neuzeit".) Italien. (n) Rom, 7. April, nresr nyp» ip. Früher als man es vermuthet, hat unser Cultusvorstar.d den durch den Rücktritt des Oberrabbiners Moses Le v y Eh re nr ei ch erledigten Posten eines Oberhirten neu besetzt, und zwar wurde mit dieser Würde - einer der ältesten und fähigsten unserer Lokal-Nabbiner, Herr Angel o Fornari, bekleidet. Derselbe besitzt ein für einen italienischen Rabbiner immerhin ausgebreitetes talmudisches Wissen, und da er bis jetzt der konservativen Partei angehörte, so darf man erwarten, daß er auch als Oberrabbiner der ältesten und angesehensten Gemeinde Italiens, die konservative Richtung beibehalten, und uns mit Reformen, die gewöhnlich nur Zwist und Hader erzeugen, verschonen werde. Ueberhaupt jetzt, da sich der Antisemitismus auch in Italien zu regen beginnt, haben die Juden hierzulande ganz andere Sorgen als an Reformen und Neuerungen zu denken. Rußland. Petersburg, Ende März. Die hiesige „Nowoje Wremja" unterläßt keine einzige Gelegenheit, die vermeintliche Schädlichkeit der russisch-jüdischen Bevölkerung zu charakerisiren. Auf Angaben mancher Provinzialblätter gestützt, beklagt sich besagte Zeitung in einer der jüngsten Nummern über eine förmliche „jüdische Invasion", wie sie sich ausdrückt, in's Smolensker Gouvernement, wo 165,000 Dissiatinen (ungefähr 180 000 Hektar) Land im jüdischen Besitze sich befinden sollen „Aus was für einem Wege, legalen: oder illegalem, sich das Factum vollzieht, daß im Innern Rußlands so viele Güter sammt Kirchen und Schulen in jüdische Hände übergehen" — lesen wir daselbst — „diese Frage wollen wir oahingestellt sein lassen — wir möchten nur konstatiren, daß alle diesbezüglichen Bemühungen unserer Regierung, Dank der Geschicklichkeit der Juden und der Casuistik Derer, die ihren Interessen dienen, bis jetzt vereitelt wurden." Solche Auslassungen klingen wahrhaft wunderbar, wenn man sie mit der Ansicht des Vorsitzenden der ständischen Kreisverwaltung (sieui.stvo) zu Lochvitzi im Gouvernement Poltava, Herrn A. L. Chadolej, vergleicht. Dieser Herr nämlich schreibt in seinem, ebenfalls in der letzten Zeit veröffentlichten, amtlichen Berichte an den Ackerbauminister Folgendes: „Die Heranziehung der jüdischen Bevölkerung zu einer regelrechten Theilnahme an dem ökonomischen Leben unserer Gegend würde nicht ohne günstigen Erfolg