Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 30 (16.4.1896)
- Date
- 1896-04-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXVII. Jahrgang. Erste Beilage M M 30 des „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Köln, 14. April. Der Besten eitler ist, wie bereits kurz berichtet, heimgegangen, es ist Rabbi Jos. Wolf hier, und wir geleiteten ihn heute zur letzten Ruhestatt. Ein Mann, ansgestattet mit den seltensten Gaben des Geistes unb mit dem edelsten Herzen, ein hervorragender nnb, der das r.bvi dd? n n^ni sein ganzes Leben lang geübt, wie auch die höchste Mildthätigkeit alle Zeit, ein Mann von größter Frömmigkeit und doch nicht engherzig mäkelnd, nicht rauh abstoßend, der Mann ist nicht nur seiner Familie gestorben, er ist ilns allen entrissen, es weinen und klagen um ihll alle, die ihn je gekannt, die das Glück hatten, lernend zu seinen Füßen zu sitzen. Wie er der Gründer der nun ua-n man war, so war er seit ca. 2n Jahren ihr Lehrer uitb Leiter. Weit über das Maaß der Pflichterfüllung hinaus, mit ganzer Hingebung und überzeugender Begeisterung, hat er die Saat der Lehre unserer nvnpn invrn eingestrent in die Herzen seiner Schüler und Zuhörer, mit hervorragendem Eifer und Erfolg sich dem Unterricht und der Jugendbildung unterzogen, und so uneildlich Gutes gewirkt. Trostlos und öde waren die Zustände, wie er sie bei seiner Uebersiedelung nach hier vorfand, der Jndifferentismns machte sich breit, dem „Lernen" war keine Stätte geöffnet. Da hat er das Panier unserer n»n-?n irmin eilt faltet und hochgchaltcn, er wußte die Herzen zu gewülnen und neues Leben zu erwecken; mit Befriedigung konnte er zurückblicken auf sein segenvolles, segensreiches Wirken. Wir aber, wir stehen nun weinend unb klagend an seiner Bahre, wir haben Vater, Lehrer uub Freund in ihm verloren, der Besten mit» der Edelsten einer. .n-asjn Oberehnheim i. G. Das in der Nummer 28 des „Israelit" veroffen!lichte Bild ist von dem elsässischen Künstler Svindler entworfen, der in unserer Nähe, am Eingänge des Vogesenwaldes, sich niedergelassen, und es sich zur Aufgabe gemacht, in periodisch erscheinenden Blättern das alte Elsaß mit seinen Denkmälern, Sitten und Gebräuchen in Wort und Bild wiederzugeben. Das vorliegende Gemälde stellt den ältesten jüdischen Friedhof unseres Landes dar. In der Mitte sehen wir die Grabstätten der alten Rabbinen, die jeder fromme Besucher des Friedhofes zunächst betritt, um daselbst sein andächtiges Gebet zu verrichten. Der obere Theil des Bildes gibt uns die Ansicht einer Seite der weiten öden Strecke, wo so viele Generationen ihre letzte Ruhestätte gefunden. Die verwitterten, theils versunkenen, theils ulngefallenen Grabsteine mit ihren verwischten Inschriften, und nicht weniger die unfreundliche ganze Landschaft machen auf jeden Beschauer den tiefsten Eindruck. Man hat das Empfinden, vor einem Stück unserer Geschichte aus düsteren Zeiten zu stehen. Im üppigen Gras weiden die Ziegen des Friedhofsaufsebers. Die Verordnung läßt dies zwar nicht zu. Allein die Künstler, das ist ja allbekannt, nehmen es mit der Gesetzlichkeit nicht so genau, und bekennen sich nur zu den Regeln der Dekorativ-Motive. Wir müssen Herrn Spindler, unserm christlichen Mitbürger, Dank wissen, eine altehrwürdige Erinnerungsstätte unseres Volkes zum Thema einer seiner künstlerischen Erzeugnisse gewählt zu haben. Man kann von demselben das Bild auch in größerem Format in kunstvoller Ausführung auf besonderem Blatt beziehen. O e ft e rr.-Un g ar. Monarchie. Budapest, 15. April. Die orthodoxen Rabbiner in Ungarn haben in Angelegenheit des Millenninms FestgottcSdienstes an ihre Gemeinden einen schwungvollen Aufruf gerichtet, in welchem sie darauf Hinweisen, daß das große Fest des ungarischen Vaterlandes nahe, unb daß, einem Beschlüsse der Regierung gemäß, der 1<». Mai der Tag sei, an welchem dasselbe in den Gotteshätlsern gefeiert werden soll. „Und wir werden Dank sagen" — heißt es in dem Aufrufe „dem Ewigen dafür, daß er uns in die Mitte des Volkes geführt, welches die Gnade der Gerechtigkeit und der Gunst über uns ausgegossen hat. Forschet int Dunkel der Zeiten und ihr werdet stets finden, daß seit dem Tage, an welchem die Ungarn in diesem Lande sich eine Hermath gegründet, sie uns stets mit Liebe umgeben haben. In den traurigen Tagen, da man in anderen Ländern die Söhne Israels mit grimmem Haß verfolgte und noch verfolgt, war das schöne Ungarn der Judenheit ein Schutz und Hort. Dies wissend, freut euch, ihr Frommen unb Wackeren, und flehet am 1". Mai in andächtigem Gebete zum König der Könige, dem Urquell der Gnade! Flehet, daß Seine Gnade sich über die Bevölkerung dieses gesegneten Landes ergieße, flehet, daß diese Station bis an das Ende der Zeiten gedeihe, in Ruhm und Ehre, Macht und Reichthum.'" Der Ausruf fordert sodann die Orthodoxen auf, sich am genannten Tage im Festgewande im Tempel einzufinden, einen Festgottesdienst abzuhalten und sich dieses tausendjährigen Festes mitzusreuen. Mit großem und gerechtem Stolze kann Ungarn auf das erste Jahrtausend seines staatlichen Bestandes im Kreise der europäischen Völker zurückblicken, sie