Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 30 (16.4.1896)
- Date
- 1896-04-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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w>/■ ji i.gpjn um1 ,. J UI14V« 596 Mal, daß sie ihn um eine Unterredung unter vier Augen ersuchte. Er warf noch einmal einen Blick auf das Bild seiner Mutter, die ihn ans dem Nahmen anznlächeln schien, als wolle er an diesen edlen Zügen seine moralische Kraft gegen die Verführung stahlen, glättete seine Haare, setzte den Hut auf und verließ seine Wohnung. Auf der Straße angelangt athmete er schwer auf. Der Gang nach der Villa war ihm seit einigen Tagen doch nicht mehr so behaglich, wie zuvor. Während früher jedes Gespräch über Religion mit der größten Peinlichkeit vermieden worden war, bildete dieses Thema seit einigen Tagen beständig den Stoff zur Unterhaltung. Pater Pierre, der urplötzlich in jenem Kreis anftrat, war, so oft er in der Villa seinen Besuch abstattete, zugegen, er, der sich in einem Herzenserguß über die Herrlichkeit des Christenthums so wohl gefiel. Elchonou fürchtete wohl keinen religiösen Disput; denu er war in das Quellenstudium seiner Religion so tief eingedrungen, um diese mit Erfolg vertheidigen zu können. Allein in seinem Eifer mußte er zuweilen über christliche Anschauung anders urtheilen, als seine dem strengen Katholieismus ergebene Tante zu denken vermochte, imb das that ihm leid ihretwegen, deren Gefühle er nicht verletzen wollte. Der finstere Mönch war ihm sehr unangenehm und konnte er sich keine Rechenschaft darüber geben, weshalb er, als er ihn zum ersten Mal erblickte, in seinem Innern erbebte. Sollten am Ende doch seine Freunde mit ihrer Warnung nicht so Unrecht Habelt Soll die Gräfin nichts Gutes wider ihn im Schilde führen und der Pater wäre ihr Bundesgeltosse wider ihn im Kampfe V Unmöglich! — Was kann der Pater, der obendrein ein Schulbruder ist, gegeit ihn uutcr- Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Len KuchhanLrt pr bestehen bei L. F. Kt einacker, Leipstg, Doßptatz 18. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland «ud Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. «Mu RÜSsendnng von an die Redactio« eingesandten Mapuscripten findet picht statt, map bittet deShald fich von allen Einsendungen eine Copie znrükkzubehaltep. Inhalt (Hauptblatt) r Leitender Artikel: Die Demuth im Geiste der stid. Sitten ehre. Bon Rabb. H. Galandaucr in Soborten (Böhnlen). — Zeitungsnachrichten und Eorrespondcnzcii: Deutschland: Bcrliir. Königsberg. Leipzig. Oesterr.- Ungar. Monarchie: Pest. Krakau. Rußland: Petersburg. Witebsk. Amerika: Ncw-Nort — Personalien. — Gerichtszeitung.— Vermischtes. — Feuilleton: Der Letzte seines Stammes. Erzählung von Alphonse de la Hayc. Inhalt der ersten Beilage; Zeitungsnachrichten u. Correspondenzcn: Deutschland: Köln. Obcrelmheim. Oesterr.- Ungar. Monarchie: Budapest. Italien: Rom. Rußland: Petersburg. England: London. Türkei: Konstantinopel. — Vereinsnachrichten. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Eorrcspondenzen: Deutschland: Hannover. — Vermischtes. Extra-Beilagen Spenden-Vcrzeichmssc. — Sprüche der Väter. Verantwortliche Redactkon: Oscar Lehmann irr Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstrnßc Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gescllschaft in Mainz. Hierzu vier Beilagen. nehmen? Daß er sich aber an einen Andersgläubigen, Andersdenkenden mit seinen religiösen Anschaunngell herandrüngte, fand Etchonon abgeschmakt und fanatisch und das mag auch der Grirnd seiner unbehaglichen Gefühle sein, die ihn beschlichen, so oft er mit ihm zusammentraf. Daß er jedoch Schliinmes wider ihn unb seine religiösen Anschauung plane, das schien ihni einfach undenkbar. Die Comteffe hatte ihrn erklärt, als sie ihnr den Pater vorstellte, derselbe sei ein Ingenfreund von ihr und sie sei glücklich, ihm in dieser Stadt, wo sie sehr Wenige kenne, begegllet zu fein. Aus Dankbarkeit gegen die Gräfin, will er sich bemühen freundlicher gegen denselben zu sein, als er es bisher war, nur muß er ihn mit seiner Dogmenlebre verschonen, um nicht dadilrch seinen Widerspruch zll reizen. Ach, mit welchem giftigen, haßerfüllten Blicke maß er ihn, als er dein Pater ein für alle mal erklärte, daß ctu Jude niemals ein überzeugungstreuer Ehrist werden köllne! Schiert es ilicht, als wollte er sich auf ihn stürzen und ihn erdrosseln? So kamt nrlr der Fanatismus sein, der keine andere Anschauung neben seiner zu dulden vermag. Wir Inden, dachte Elchonou, können niemals zll fanatischen Ideen entarten, deml die erste Bedingung zur Intoleranz fehlt in unserer Religion. Sie befiehlt, tu jedem Menschen ein Gotteskind zu erblicken, spricht jedeiri ehrlichen Menschen ewige Glückseligkeit zu. Bei fofebeu Grundsätzen ist kein Fanatismus inöglich. In solchen Erwägungen versunken gelangte Elchonon in der Villa <le IVsperanco an. (Fortsetzung folgt.)