Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1896-04-16 · Heft 30 (16.4.1896) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 30 (16.4.1896)
Date
1896-04-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448608-2448637--41623-2490588
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

595 „Na, Du führst ja eine begeisterte Sprache für die junge Dame," lächelte 1'ongtitt. „Sollte sich schließlich die Gräfin in der Werthschätznug ihrer Verführungsmittel nicht verrechnet haben?" „Aber Lneien!" rvallte Elchonon heftig auf, „Du beleidigst in einen: Athemzuge fort und fort mich und die Dame, die Dir niemals etwas zu Leid gethau! Ist das edel? Wie vermagst Du nur so was denken? Glaubst Du, daß ein Mädchen von der edlen Gesinnung Martha's sich zu solchen: ränkevollen Spiele hergeben würde? Und ist es schon ausgemachte Sache, daß die Gräfin mich für ihren Glauben gewinnen will? Bisher wenigstens berührte sie diesen Punkt mit keiner Silbe. Was schließlich n:ich persönlich anbelangt, so darfst Du es mir auf Ehre glauben daß ich für die Baronesse kein anderes Gefühl in: Herzen trage, als das der Freundschaft. Oder glaubst Du, ich würde die Schwelle der gräflichen Billa sonst noch überschreiten? Was hätte der Jude mit einer hoffnungslosen Liebe für eine Christin dort noch zu suchen?" „Di: hast recht, lieber Elchonon," seufzte Lneien, „eine solche Liebe wäre eir: Unglück, dein: sie ist aussichtslos." Ir: Gedanken verloren ging Lneien itod> eine Weile an der Seite ElchononS ohi:e ein Wort zu reden. „Jetzt trein:en sieb unsere Wege," sagte Liteicn, „wein: Du mich nicht nach der Klinik begleiten willst." „Ich danke. Das kann ich dein: besten Willei: nicht," erwiederte Elochnon. „Ich muß nach Hause, dem: ich erwarte einen Brief meiner lieber: Susanna. In diesem wollte mir meine gute Alte der: Dag bestinrmen, ai: welchen: sie bierher reisen tvill. Du begreifst, daß ich vor Ungeduld brenne." „Nun dann lebe wohl! Bei Tisch sehen wir uns wieder." „Un: wie viel Uhr trifft der 'Nachtzug eilt, mit welchem Dein Onkel kommen null?" „Um halb Zehn." „Ich danke. Adieu'" „Auf Wiedersehen!" Mit herzlichen: Händedruck schieden sie aufeinander. 31. Capitel. Ursache und Wirkung. Den erwarteten Brief von Susanna fand Elchonon in seiner Wohnung nicht vor, wohl aber ein Bittet der Baronesse l'Endome, die ihn ausforderte noch an: 'Nachmittag bei ihr vorzusprechen, sie habe dringend mit ihn: zu sprechen. Er entnahn: das Bild seiner Mutter der Umhüllung und brachte dasselbe über seinen: Schreibtisch an. Mit sinniger: Blicken betrachtete er die edlen, schöner: Züge der Verklärten. Wie darrkbar war er Dr. Blum für dieses Geschenk! Welche harten Kämpfe und schwere Prüfungen hatte jene edle Frau zu bestehen! Alle Falter: ihres reinen und 'edlen Herzens lagen klar vor dem inneren Blicke ihres Kindes. Dr. Blum batte Elchonon über Alles Aufklärung gegeben und ganz besonders ihm in die Seele eingeprägt, zr: welcher:: Zwecke seine Mutter seine Entfernung ans der Nähe der Gräfin gewünscht hatte und inahnte ihn zur Vorsicht. Was er am Tage, an welchem ihm die Dokumente der Gräfin, die ihn: Aufschluß über seine Abstarnmung gaben, dunkel geahnt, das far:d er in der Mittheilung seines ehemaligen Vormundes bestätigt. Doch sein reines, kindliches Herz schlug der Gräfin voller Darckbarkeit entgegen, die ihn der 'Noth und dem Elende entriffen. Er sing ar: die Stunden, die er im Kreise seiner vornehmer: Verwandter: verlebte, schär: ur:d anregend zu ftubcn. Einer: besonderen Zauber übte auf ihn Martha's Unterhaltung. War es auch nur verwandtschaftliches Interesse, das ihn zu Martha führte, denn das wußte er, sein Herz war in unauflöslichen Banden der Liebe ar: Necha geknüpft, so hinderte ihr: das nicht, der: Verkehr mit Martha begehrenswert!) zu rtubeii. Wie lächerlich sind doch die Warnungen seiner Freunde! Bisher hat die Gräfin ihn nur mit Wohlthaten überhäuft und daran keinen anderer: Wunsch geknüpft, als daß er sie freundschaftlich liebe. Wie wohl that es seinem Herzen, sich nicht mehr so einsarn und verlassen zu fühlen. Bringt ihm nicht die Gräfin eine uneigennützige, mütterliche Liebe entgegen? Hat sie cs bisher ar: nöthigcr Achtung vor seiner religiöser: Ueberzeugung fehlen lassen? — 'Nein! wahrlich nicht'. Hat sie sich nicht willig darein gefügt, irr der jüdischen Restauration zu speise::, um nur gemeinschaftlich mit ihn: das Mahl einzunehmen? Und er soll von der Frau glauben, daß sie einen gewaltsauren Streich gegen ihn plant? 'Nein! Nimmermehr! Martba sollte der Gräfin als Werkzeug bienen, nur seine Verführung durchzuführen? — Lächerlich! die hochherzige Martha, die er erst nach lärlgcrem Verkehr mit ihr, zu schätze:: rmd zu achten kennen gelernt, würde sich nie und nimmermehr zu solcher Erbärmlichkeit bergeben. Es ist eigenartig, rvelche Gespenster seine Freunde am hellen Tage sehen. Solche Schauer- und Mordgeschichten gingen wohl irr: Mittelalter nur, aber in jetziger Zeit sind solche Dirige eine Unmöglichkeit. Eir: Mensch soll in der Zeit des Dampfes urrd der Electrieität gewaltsam entführt Werder:, das ist einfach unglaublich. Doch die Baronesse verlangte ihn zr: sprechen, was mag sie von ihm wünschen? E>> war das erste

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.