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Der Israelit · 1896-04-16 · Heft 30 (16.4.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 30 (16.4.1896)
Date
1896-04-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Pf MW- 593 „Viertel", unter oeiten „Klein-Jerusalenr" für den Fremden das Interessanteste ist. Es mag wohl nicht übertrieben sein, wenn inan die an der EastFidre wohnenden Glaubensgenossen auf 100,000 Seelen schätzt. Diese stellen das größte Eontingent zu den: hier stark vertretenen Pauperismus und die Iluited-Hebrew-Eharities wird haupsächlich von diesen in Anspruch genommen. Die meisten derselben sind Handwerker, Schneider, Schuster, Schmiede und leben nur von „Hand zu Muu)." Im Allgemeinen ist der russisch-polnrsche Jude ein genügsamer, nüchterner, fleißiger und strebsamer Mensch, der gerne die schwierigsten Arbeiten verrichtet und zu „allem" greift, um nur ein „Leben machen zu können", wie man sich hierzulande auszudrücken pflegt. Da solcher nur den „Jargon" feine Muttersprache nennt, so eignet er sich auch sehr rasch die Landessprache an, um sein Fortkommen zu ermöglichen, was den Deutschen im allgemeinen schwerer ankömmt, weil dieser hier auch sein Dasein fristen kann, ohne die englische Sprache 31t beherrschen, da die deutsche Sprache nächst der englischen die am meisten gesprochene ist. Was die religiöse Richtung, der in dem Ghetto wohnenden Glaubensgenossen anbelangt, so huldigen solche im allgemeinen der streng-orthodoren Richtung. Jedoch finden sich, hauptsächlich unter den russischen Juden, viele Atheisten, Sozialisten und Rihilisten. Wollten doch letztere vor einigen Jahren zurück am Versöhnungstage einen Ball abhalten, was ihnen aber durch das Einschreiten des Er-Regifters und Coronors Herrn Ferdinand Levy verwehrt wurde, sie rächten sich jedoch dadurch, daß sie an den Synagogen mit brennenden Cigarren aus- und abgingen. Da der russisch-polnische Jude größtentheils mit einem langen Barte und den „Peos" geziert ist, so ist er sehr häufig dem Gespötte der amerikanischen Jugend ausgesetzt und wird oft mit Steinen beworfen und solchem derSchimpfname..Rlm>u,v" — nach deutschem Begriffe „Drödler" beigelegt. Das; in dem Ghetto die Missionäre ihr Feld der Thättgkeit aufschlagen, ist eine bekannte Dhatsache. Sind doch hier und in England die Besucher der Missionen meistentheils Juden aus Rußland, Polen, Galizien, Rumänien und stellen solche auch das meiste Eontingent der „Meschumodim." '2?erfonafien. New Nork. Nev. Dr. Aaron Wise, feit vielen Jahren Rabbiner der Gemeinde Nodeph Sholom, deren Tempel an der 63. Str. und Lerington Avenue steht, starb gestern Vormittag um 11 Uhr plötzlich ain Herzschlage. In Gemeinschaft mit SchulinspA'tor Benjamin Vlumenthal, dem Vice-Präsidcnten der Gemeinde, begab sich Rabbi Dr. Wise gestern Morgen uni halb 10 Uhr nach der Synagoge, um den Fest-Gottesdienst zu halten. Er klagte über Unwohlsein und ließ sich erst nach längerem Widerstande dazu bringen, vom Predigen abzustehen und sich nach feiner Wohnung zu begeben. Kurz vor 12 Uhr kam ein Bote in die Synagoge gelaufen und meldete den Tod des Dr. Wise. Richter Joseph E. Rewburger, Präsident der Synagoge, welcher in den Generalassisen zu Gericht saß, ward durch den Tod des Rabbi abberusen und vertagte das Gericht. Die Gemeinde Rodcph Sholom, welcher Dr. Wise seit 1875 als Rabbiner Vorstand, ist schon im Jahre 1812 gegründet worden. Damals war Dr. Merzbacher ihr Rabbi, bis Dr. Wise sein 'Rachfolger wurde. Ter Verstorbene war ein geborener Ungar, 52 Jahre alt und kam vor 23 Jahren in dies Land. Sein Vater war Oberrabbiner in Eger. Dr. Wise hinterläßt, außer feiner Wittwe, drei Töchter und zwei Söhne. Gerichtszeiturrg. Wien Das Bezirksgericht Alsergrund beschäftigte sich am 8. d. M. mit der Ehrenbeleidigungsklage eines jüoischen Kaffeesieders, welchen der ehemalige Obmann des Gastwirthegehilfenausfchuffes, Leopold Mittermaner, nach Antisemitenart beleidigt hatte. Der Rechtsanwalt des Privatklägers beantragte eine Freiheitsstrafe, da „die Beleidigung eine confessionelle Tendenz bekunde und ein Erempel statuirt werden müsse, damit nicht jeder Mensch von untergeordneter Bildung sich ein Plaisir daraus mache. Jemanden deßhalb zu beleidigen, weil er Jude sei." Leopold Mittermayer, der zur Verhandlung nicht erschienen war, wurde in contumaciam zu drei Tagen Arrests verurtheilt. Vermischtes. Berlin, 15. April. Für die Eantorenwclt dürste folgende Mittheilung von großem Fnteresse lein. Es ist vielseitig das Bedürfnis; anerkannt worden, für oie angehenden Eantorcn, welche in Berlin ihre musikalische Ausbildung anstrcben, auch eine Lchrstälte für die liturgische Befähigung, welche ihr zukünftiger Beruf fordern muß, herznstellcn. -- Wie wir hören, hat der bekannte Gelehrte, Herr Dr. A. Berliner sich entschlossen, für die Eleven "des Eantorats einen speeiellen Bildungscnrsus zu eröffnen. In demselben beabsichtigt er die Gebete und die zu denselben gehörigen Ritualvorschristcn zu erläutern, ferner die Geschichte der stiturgie und der Riten naher zu behandeln. Für die Aufnahme (gratis) geneigter Hörer wird Herr Dr. Berliner vom 20. April ab, von 3 bis 5 llhr Rachin., in seiner Wohnung, .ttrausnickstraße 2t, bereit sein. Möge die Bethciligung eine recht zahlreiche sein. G\ R. Berlin. Wie die Newvorker Staatszcitung erzählt, gedenkt der deutsche Reichstagsabgeordnete Ahlwardt irr Aimrika zu bleiben. Er hat in Hoboken die erste Nummer

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