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Der Israelit · 1896-04-16 · Heft 30 (16.4.1896) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 30 (16.4.1896)
Date
1896-04-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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WWWWWWWW 592 Krakau. Ein charakteristisches Pröbchen von geistlichem Antisemitismus wird aus Oesterreich berichtet. Wie sich unsere Leser vielleicht noch erinnern, haben vor einigen Jahren antisemitische Blätter einen von Anfang bis zu Ende gefälschten Aufruf der „Alliance Jsraelite Universelle" veröffentlicht, welcher im Jahre 1889 an alle jüdischen Gemeinden Galiz ens verschickt worden sein soll und in dem dieselben ganz einfach zur Eroberung Galiziens durch Geldmittel aufgefordert werden! Die „Alliance Jsraelite Universelle" in Paris hat diesen Erlaß, an welchem kein wahres Wort ist, bereits dreimal dementirt, zuerst in ihrem Monatsberichte für Juni 1889 und dann, nachdem er in etwas veränderter Form in der ruthenischen Zeitschrift „Cerwonajo Rus" und aus dieser in deutscher Uebersetzung in der „Marburger Zeitung" erschienen war, in ihrem Monatsberichte für September 1889. Auch in ihrem Jahresberichte pro 1889 hatte sie diese Tendenzlügen als solche bezeichnet. Nun hat aber neuerdings der Geistliche und derzeitige Rektor der Krakauer Universität, der bekannte Neichsrathsabgcordnete Dr. Chotkowski, dem fürstbischöflichen Konsistorium daselbst empfohlen, ein neues polnisches Gebetbuch, in dem dieser Aufruf ebenfalls abgedruckt ill, mit dem „Imprimatur" zu versehen, weil er es als Censor durchgclesen und darin nichts gefunden hatte, was der Lehre der heiligen römischen Kirche zuwiderliefe. Es hat also eine der plumpsten uno handgreiflichsten Lügen Platz in einem Gebetbuchs gefunden! Rußland. Petersburg, im April. Die Gendarmerie von Melitopol (Krim) ordnete vor kurzer Zeit die Vertreibung von zehn jüdischen Familien an, deren Aufenthaltsrecht außerhalb der Städte und Flecken ihr anfechtbar schien. Sofort wurden diese zehn Familien mit einer Escorte nach dem nächsten Flecken, Rubanowka, geschickt, wo ihnen der Auswanderungsbefehl gegeben wurde. Unter den Vertriebenen befanden sich mehrere jüdische Reservisten, die nach Ablauf ihres Heerdienstes in das Dorf, wo sie geboren und wo ihre Ellern wohnten, zurückgekehrt waren. Als sie in Melitopol angelangt waren, wandten sich die Vertriebenen an den Gouverneur und baten ihn, ihnen eine dreimonatliche Frist zu bewilligen. Nachdem sie drei Tage unnütz gewartet hatten, schickten die Unglücklichen dem Minister des Inneren ein Telegramm und theilten ihm ihre Lage mit. Für dieses Mal waren sie gerettet; der Minister befahl dem Gouverneur, die Auswanderungsordre des Polizeikommissars zu Melitopol zu annulieren und bis auf weiteres die Bittsteller an ihrem betreffenden Wohnsitze zu lassen. Witebsk, im April. Im Jahre 1894 wurde dem Hierselbst wohnhaften Juden Jankelewitch mitgetheilt, daß sein Sohn Ehaya sich zur Aushebung zu melden habe. Nun ist der Sohn des Jankelewitch 1887 gestorben. Ob dieser Irrtum von der Nachlässigkeit des Rabbiners, der mit der Führung des standesamtlichen Registers betraut ist, herkommt, oder von der Nachlässigkeit des Jankelewitch selbst, das ist schwer zu sagen; sicher aber ist, daß der Sohn auf dem jüdischen Kirchhof zu Witebsk begraben liegt. Die Polizei wollte-die Erklärungen des Vaters und der Zeugen, die seine Aussage bestätigten, nickt gelteil lassen. Jankelewitch wurde mitgetheilt, daß er die gesetzmäßige Strafe von Rubel zu bezahlen habe. Jnzwischell konnte er den Beweis erbringen, daß sein Sohn wirklich tot war, und die Geldstrafe wurde ihm erlassen. In diesen Tagen verlangte die Polizei voll Jankelewitch wieder eine Geldstrafe von 3<><> Rubel, weil sein Sohn Ehaya bei der Aushebung int Dez. 1895 nicht gegenwärtig gewesen sei. 'Nun ist Jankelewitch gezwungen, genau dieselben Schritte wie im vorigen Jahr zu thun, und nichts bürgt ihm dafür. daß nächstes Jahr die Polizei ilicht wieder die Zahlung der Geldstrafe verlangt, weil sein Sohn bei der Aushebung im Dezember 1895 abwesend war. A m e r i k a. Nctv-Uork. Dr. Morrais, Rabbiner an der streng orthodox spanisch-portugiesischen Gemeinde „Mikveh Israel", beging vor Kurzem sein 45jähriges Dienßjubiläum als Seelsorger. Es wurden ihin herrliche Geschenke von den Mitgliedern seiner Gemeinde übergeben und auch Glückswunschadressen von Nah und Fern liefen ein. Dr. Morrais ist eine Stütze des hiesigen konservativen theologischen Rabbiner-Seminars. Netv-Uork. (Das jüdische Viertel.) Ein bekannter hiesiger Prediger ließ vor Jahren die Aeußerung fallen: „In allen civilisirten Staaten, wo die Juden das Bürgerrecht mit ihren christlichen Nebenmenschen genießen, hat die Negierung das Ghetto aufgehoben, aber hier in New-Pork machen sich die Juden ihr Ghetto selbst." Und wirklich hat jener Redner Recht. Es existiren hier mehe als 12 Straßen, deren Häuser — oft 24 Familien in einem solchen Gebäude — alle nur von unseren Glaubensgenossen aus Rußland, Polen, Ungarn, Rumänien, Litthauen, Galizien bewohnt sind. Das jüdische „Viertel" bildet hier eine gewisse Sehenswürdigkeit, bringt ja oft die englische Presse spaltenlange Schilderungen über „Klein-Jerusalem", wie es auch spöttisch benamst wird. Jedoch haben auch die Deutschen, Italiener, Chinesen, Franzosen :c. alle ihre

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