Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 30 (16.4.1896)
- Date
- 1896-04-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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590 darthun, in welcher Weise die heilige Schrift die Demuth lehrt, und später erst zu erörtern suchen, wie sie das Selbst- und Standesbewußtse in gewahrt wissen will. Gleich bei der Schöpfungsgeschichte zeigt es sich, daß die Gottheit jeder Ueberhebung abhold ist. Zum Bibelwort „Und Gott machte die zwei großen Lichter", bemerken unsere Weisen, daß beide Lichter ursprünglich in gleicher Größe erschaffen wurden, der Mond aber deßhalb kleiner wurde, weil er größer sein wollte als die Sonne. (Talmud und Raschi zur Stelle.) 'N mom runop» ^y naaSi noyorai lmaj D’w .in» iraa worww D'd^d 'wh "wen Der große Ahnherr des israelitischen Volkes, der mit seinem hehren Religionssystem allein in der großen Heidenwelt dastand, der es auch verstand mit kräftiger Hand den Degen vortrefflich zu führen, ihm ist die prahlerische, wenig Geist verrathende Sprache der heidnischen Heroen fremd, er glänzt vielmehr durch rührende Bescheidenheit, durch den demuthsvollen Ausruf: „Ich bin ja nur Staub und Asche." Ist es verwerflich, wenn der Sterbliche seiner vergänglichen Güter wegen sich brüstet und sich seiner Stärke, seiner Macht, seines Reichthums rühmt, so ist es eben so wenig schön und edel auf seine wirklichen Verdienste zu pochen und seine guten Werke ruhmredig hervorzuheben, auch hierin soll man bescheiden sein. Das lehrt uns unser Stammvater Israel. Er hatte ein Anrecht auf den Schutz, auf die Hilfe seines Gottes, welche Er ihm wiederholt ausdrücklich verheißen hatte, und dennoch spricht Jakob in der größten Gefahr voll Demuth: „Ich bin zu gering aller Gnade und Treue, die Du an Deinem Knechte gethan hast." Selbst die allmächtige Gottheit gibt sich dem Menschen in bescheidener Erscheinung kund, Gott erscheint dem Moses im niedrigen Dornbusch, Er dokumentirt sich in der ganzen h. Schrift als den Beschützer der Armen und Elenden, des Fremdlings und des Verstoßenen, des Unterdrückten und Hilflosen, der Waise und der Wittwe. In dem Deka log heißt es nicht: Ich bin der Herr dein Gottt, d er Allmächtige, der Schöpfer des Weltalls, der Allwissende und Allgegenwärtige, sondern: Ich bin der Herr Dein Gott, der Ich Dich aus Egypten hinaus geführt h a b e. a u s dem S klav en h aus e. Mit diesen Worten leitet Gott Seine Offenbarung ein, sich gleichsam seinem auserwählten Volke vorstellend, als den Gott der Sklaven, der Niedrigen, Gedemüthigten und Verachteten. Welche Tugend wird von der gewaltigen mächtigsten Riesengestalt, die alle Zeiten und alle Sterblichen in übermenschlicher Größe weit überragt, von unserem Lehrer Moscheh besonders bervorgehoben? Welches ist das Zeugnis;, das ihm unsere Thorah ausstellt? „Und Moses war der demüthigste aller Menschen auf Erden". In Gemeinschaft mit seinen; Bruder Ahron spricht er zum Volke: „Was sind wir?" Wo findet sich in der Geschichte ein mächtiger Selbstherrscher, von den; solches gesagt werden kann? Oder wo giebt es einen Hohenpriester, der so bescheiden zu seinem Volke spricht?! Moses wird von den Israeliten auch nicht genannt, der Große, der Sieger von Midjan, Emori und Baschan, oder der Befreier, oder der Heilige, sondern er heißt im Volksmunde „Unser Lehrer". Das ist der höchste Titel, den Israel dem Manne verliehen, nach dem die Gotteslehre genannt wird n«o mm und dessen glorreicher Name mit unserem Glauben unzertrennlich verbunden ist rva m. So kennzeichnet sich auch hierin die Bescheidenheit. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzeri. Deutschland. Berlin, 16. April. Aus Grund einer Eingabe des Vorstandes der jüdischen Gemeinde an den .Kultusminister, wegen des Religionsunterrichts an den höheren Lehranstalten, hat das königliche Provinzial-Schulkollegium verfügt, daß vom l. April 1896 ab für die jüdischen Schüler der hiesigen höheren königlichen Lehranstalten jüdischer Religionsunterricht eingerichtet wird, und zwar für die jüdischen Schüler des Französischen und des Luisen-GumnasiumS in der erstgenannten Anstalt, für die des Friedrich- Wilhelms-Gymnasiums und des königlichen Real- Gvmnasinms in ersterer, für die des Wilhelms- Gymnasiums in dieser Anstalt. In jeder dieser drei für den in Rede stehenden Unterricht zu bildender; Gruppe von Schülern sind je drei Abtheilungen, eine obere (Prima und Obersekunda), eine mittlere (Obcrsekunda bis Tertia) und eine untere (Quarta bis Seyta) mit je zwei Wochenstunden eingerichtet worden. Für den Unterricht am Wilhelms-Gymasium wurden Rabbiner Dienstfertig und Lehrer Weinbaum, für den am Französischen Gymnasium Institutsvorsteher Dr. Götz und Lehrer Borchardt, für den am Friedrich- Wilhelms-Gymasium Rabbiner Dr. Baneck unb Lehrer Brinn als Lehrer bestimmt. Königsberg Nach dem dritten Bericht der Neligionsschule der Gemeinde Adaß-Jisroel, vom Schuldirigenten Dr. E. Munk, welchen; eine inte» reffante Abhandlung über „die jüdischen Töchter." (Ein Versuch zur Aufstellung von Thesen für den Religionsunterricht) vorangeht, zählte im Schuljahre 1895/96 69 Schüler und 38 Schülerinnen.