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Der Israelit · 1896-04-16 · Heft 30 (16.4.1896) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 30 (16.4.1896)
Date
1896-04-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XKXYII. Jahrgang. / Ns BO. Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudentßum. Begründet von Dr. Lehmann in Main). Donnerstag, den 16. April 5656 (1896). Leitender Artikel. Die DeAiith Im Geiste der I8d. Kitteulehre. Bon Rabbiner H. Ga ta nbauer in Soborten (Böhmen). J. 1» Kapitel. Demuth und Bescheidenheit. Der Begriff der .,Demuth" ist, wenn vielleicht nicht jüdischen Ursprunges, so doch der gesammten heutigen Eulturwelt nur durch das Judenthum bekannt geworden. Bei den Griechen und R ö m e rn galt im Allgemeinen nur die Macht, die Stärke, die Ueberlegenheit als die höchste Tugend, und wer unter den heidnischen Weisen eine Ausnahme darin machte, trieb die Demuth bis zur Selbstverachtung, bis zur Vernichtung der Menschenwürde, bis zur Entwürdigung des eigenen Werthes. Die alten Stoiker lehrten die Nichtigkeit des menschlichen Daseins, seine Hinfälligkeit und Unbeständigkeit, sie zeigten den Menschen in seiner erbärmlichen Hilflosigkeit und Schwäche der Macht der Verhältnisse und des Geschickes gegenüber, ihre Grundanschauung war, daß unser ganzes Leben nichtig, Verblendung, Täuschung ist; ivahr und sicher ist nach ihren Lehren nur Tod, Fäulniß, Verderben, Vergehen. Das führt zum Fatalismus. Wie in Allem, so zeigt auch hier die jüdische Lehre die goldene Mittelstraße. Sie warnt vor Verhimmelung aller menschlichen Größe, vor Verherrlichung aller körperlichen und geistigen Vorzüge und schätzt deren Werth nur dann ganz und voll, wenn diese mit Demuth gepaart sind; sie erhebt aber auch andererseits mahnend ihre Stimme zur Selbstachtung, zur Werthschätzung der Menschenwürde, die Gottähnlichkeit in sich zu wahren, seinen hohen Beruf hinieden zu erkennen, zu streben, zu wirken, zu arbeiten, mit Muth und Entschlossenheit seine Lebensaufgabe, seine göttliche Bestimmung zu erfüllen. Wo bei dir die Demuth aufzuhören und die Selbstachtung zu beginnen hat, hierüber ertheilt dir die Gotteslehre den besten Rath: D e i nem Go t t e u n d d e m N e b e n m en s ch e n gegenüber sei voller Demuth, in der innersten Tiefe deines Herzens aber bewahre dir die Hochachtung vor deiner M enschenw ü rde. Von dem Selbstbewußtsein deiner Gottähnlichkeit sei stets erfüllt; wisse, daß Gott nur deinetwegen die ganze Schöpfung in's Dasein rief. n-dj -ot' 3”n “nNi "ins bj Wisse, daß wenn Du richtig deine Bestimmung auffassest und beharrlich den richtigen Weg wandelst, du es bis zu einer Vollkommenheit eines Moses zu bringen vermagst; wisse, daß du einem rb'SD Dy, einem «mp 'w O'jna nspoo angehörst, daß du die Aufgabe hast, zur sittlichen und materiellen Wohlfahrt der gesammten Menschheit dein Möglichstes beizutragen; wisse aber auch, daß alle menschliche Weisheit, aller Ruhm, aller Reichthum, womit sich der Mensch vor seinesgleichen so gerne brüstet, eitel und nichtig ist nun ^rirv bn 'nu* yni ^nrxn p^nn’ tk‘3 '2 nrya Ttfy 't dsj. Und in dieser Maxime mag auch das Geheimniß enthalten sein, weshalb das jüdische Volk trotz seiner tausendjährigen Erniedrigung und trotz seiner eindringlichen Lehren über die Demuth, dennoch freien Blickes und Hellen Geistes ein hohes Maaß von Selbstbewußtsein und Menschenwürde sich im tiefsten Innern zu bewahren vermochte, ohne an seinen hohen Zielen, die es zu erstreben hatte, irre zu werden und in Selbstverachtung zu verfallen und zu verkommen. Die jüdische Lehre wünscht weder stolze Weltverächter noch widerliche Selbstverachtung, denn sie ist keine Lehre für extreme überspannte Sophisten, sondern sie ist Lebensweisheit D"n mm und zum Heile der Gesammtheit gegeben. Wir wollen daher zunächst

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