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Der Israelit · 1896-04-13 · Heft 29 (13.4.1896) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 29 (13.4.1896)
Date
1896-04-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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: ■ :M-^T 588 gar von der Beerdigung selbst, welche ihres Gleichen in Kowno nicht hatte und wohl nirgends in ähnlicher Großartigkeit geschaut wurde, erzählen? Dazu ist das geschriebene und gesprochene Wort zu schwach. Und wozu in blutenden Wunden wühlen? . . . Verinöchte ja die lebhafteste Schilderung den allgewaltigen Schmerz nicht zu mildern über das Hinscheiden unseres großen, unvergleichlichen, unvergeßlichen Rabbi Jzchak Elchanan Spect-ir. ■p' iro. Vereinsnachrichten. Berlin, 10. April. Im Saale der Loge „Hanunonia zur Treue" tagte Ende v. M. die dritte ordentliche General- Versammlung des „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin." Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Albert Philipp Meyer, eröffnete nach kurzer Begrüßung der Erschienenen die Versammlung mit einem Bericht über die Wirksamkeit des Vereins während des abgelausenes Jahres. Am 17. September 1895 seien durch Allerhöchste Kabinetsordre dem Verein die Rechte einer juristischen Person verliehen worden, wodurch derselbe in der Lage sei, das durch die großartige Munisizeuz des Herrn Stadtverordneten Louis Sachs errichtete Schwesternheim auf seinen eigenen 'Namen zu übertragen. Indem Redner auf die in dem gedruckten Jahresbericht mitgetheilten Einzelheiten vermies, schloß er mit der Bitte, daß immer weitere Kreise dem Verein ihr Interessen bethätigen und denselben in den Stand setzen mögen, seine menschenbeglückendc Wirksamkeit in gesteigertem, den wachsenden Anforderungen mehr entsprechendem Umfange fortzusctzen. Hierauf refcrirte Herr Louis Sachs über den Etat und weist aus Grund statistischer Zahlen nach, daß bei größter Sparsamkeit die Erhaltung einer Schwester die Summe von 1200 M. jährlich erfordere. Es stelle sich in immer erfreulicherem Maß heraus, daß der Verein einem dringenden Bedürfnisse abhelfe. Die Gesuche auswärtiger Gemeinden, ihnen Krankenschwestern zuzuschicken, können zunächst nicht berücksichtigt werden, da die vorhandenen Kräfte kaum für Berlin ausreichen. Nur mit dem Gesuche des Euratoriums des Colberger Eurhospitals glaubte der Vorstand eine Ausnahme machen zu müssen und habe zugesagt, für die kommende Saison eine Schwester aus vier Monate hinüberzuschickcn. Interessant und zugleich hochersreulich sei es, daß selbst christliche Familien jüdische Kranken-Pslegerinnen verlangen und, so oft sic solche erhallen, denselben über ihre Pflichterfüllung die glänzendsten Zeugnisse ausstellten. Zum Schluß sprach Herr Geheimrath Dr. Mareuse deni Vorstände für seine segensreiche Wirksamkeit den Dank der Versammlung aus. eine Anerkennung, in welche sicherlich weiteste Kreise in vollem Umfange einstimmcn. Hinzugefügt sei, daß einige hervorragende Aerzte, ivelche die Schwestern verschiedentlich in der Privatpslege zu beobachten Gelegenheit hatten, in der Generalversammlung bestätigen, daß sich dieselben nach jeder Richtung bewährt haben, ihren Pflichten in vorzüglicher Weise Nachkommen, und daß nur zu bedauern seß^daß bei der noch geringen Zahl von 10 ausgcbildeten Schwestern so viele Wünsche unberücksichtigt bleiben müssen. Diesem Mangel kann nur dadurch abgeholfcu werden, daß der wackere Verein in den Stand gesetzt wird, eine wesentlich größere Zahl von Pflegerinnen auszubilden, und das vermag er nur, wenn reichere Mittel ihm zur Verfügung stehen. Frankfurt a» M Dem einunddreißigsten Rechenschafts-Bericht für das Jahr 1895 der Achawa, Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrer-Wittwen- und Waisen in Deutschland entnehmen wir: Mit herzlichstem Danke gedenken wir der Zuwendungen, mit denen wir von Freunden und Gönnern des Vereins bedacht worden sind. Besonders zu erwähnen ist die reiche Spende von Mk. 4000. —, die uns die Hinterbliebenen der Freifrau Carl von Rothschild überwiesen haben. — Die Zahl der aktiven Mitglieder beträgt 355. Die Zahl der Ehrenmitglieder hat leider auch in diesem Jahre einen Zuwachs nicht zu verzeichnen, sie beträgt jetzt 920. Zur Bestreitung außerordentlicher Unterstützungen wurde aus dem Reservefond der Betrag von M. 2420.— verausgabt. Das Vereinsvermögen beträgt jetzt nach Abzug der zur Vertheilung kommenden Summe Mk. 212,059.65 gegen Mk. 204,835.— im vorigen Jahre. Magdeburg. Der israelitische Frauen-Verein der Gemeinde Magdeburg hatte im Jahre 1895 eine Einnahme von 2730 M., denen Ausgaben in der Höhe von 2083 M. gegenübestehen. Der Verein zählt 1256 Mitglieder. Gerichtszeitung. Breslau, 10. April. In dem bekannten Wucherprozeß Sedlatzek wurde jetzt das Urtheil gefällt. Fritz Sedlatzek wurde wegen Betruges in 11 Fällen zu 3 Jahren Gefängniß, M. 1000 Geldstrafe und 5 Jahren Ehrenverlust verurtheilt, Paul Sedlatzek wegen Beihilfe zu Wucher verbunden mit Betrug zu einem Jahr Gefängniß, M. 3000 Geldstrafe und 1 Jahr Ehrenverlust. Ersterer war flüchtig, wurde aber von der Schweiz ausgeliefert. London, 11. April. Die englischen Thierschutzvereine, die eine sehr lebhafte Bewegung im Sinne ihrer Bestrebungen unterhalten und eben erst wieder eine Petition mit 1200 Unterschriften gegen die Vivisektion dem Minister des Innern überreichten, denunzirten einen Schlächter und dessen Gehilfen, der einen Dchsen nach jüdischem Brauch „geschächtet" hatte, dem Richter wegen Thierquälerei. Das Verfahren endete jedoch mit der Abweisung der Klage, da mehrere Schlächter und Thierärzte übereinstimmend sich dahin aussprachen, daß das sogenannte „Schächten" keine Thierquälerei sei. vermischtes. Aus Nassau. Ein Beweis, daß es auch Gemeinden in Nassau gibt, wo der Antisemitismus keinen Boden findet, lehrt folgende Wahl: Der Kaufmann und Cultus-Vorsteher A u g u st N a t h a n zu Runkel a. d. Lahn, seit etwa 10 Jahren Mitglied des Stadtrathes, ist nunmehr einstimmig als Bürgerm eiste r-Stellvertreter gewählt und von Königlicher Regierung zu Wiesbaden bestätigt worden.

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