Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 29 (13.4.1896)
- Date
- 1896-04-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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WWiWWWWDWW 582 lassen, eine na'pn zu schreiben, um die Fesseln einer eheverlassenen Frau zu lösen. Andere religionsgesetzliche Anfragen hat er noch in der letzten Woche seines Lebens beantwortet. Er beeilte sich, die Wohlthätigkeitsangelegenheiten, die er verwaltete, zu ordnen und abzuschließen, wobei er, wie immer, für die Personen, die zu denselben in irgend welcher Beziehung standen, sich lebhaft interessirte; so bat er u. A. den Vorstand des von ihm in's Leben gerufenen und besonders warm protegirten Vereins, welcher die jüdischen Soldaten mit Koscherspeisen versieht, den wnw nicht zu entlassen und dem Regimentsoberst, der sich sympathisch zu den Bestrebungen dieses Vereins verhielt, seinen letzten Dank und Segen zu übermitteln. Selbst seinen Tod suchte er im Dienste der Philanthropie auszunutzen; er verwendete sich nämlich bei einem reichen, aber geizigen Manne für dessen armen Verwandten und, als der Betreffende sich nicht hilfsbereit zeigte, legte er ihm an's Herz, er möge die letzte Bitte eines Sterbenden nicht abschlagen. In jedem Leidenszustande, in dem er sich zu befinden glaubte, nämlich als piDQ oder cdu, interessirten ihn die einschlägigen religionsgesetzlichen Vorschriften und unterhielt er sich über dieselben mit seiner Umgebung mit einer solchen Klarheit und Ruhe, als ob es ihn gar nichts anamge und nur die Vorschriften selbst als solche napr^> und sogar NTTrft seine Aufmerksamkeit fesseln, wobei er ftaunenderregende Proben seines Scharfsinnes und Gedächtnisses an den Tag legte. Noch am Mittwoch den 4. März unterhielt er sich lebhaft über Jore Deal) Cap. 838 und führte eine Paralelle aus Torath Hoodom des Nachmanides an, besprach dabei Tosaphoth hinsichtlich •vro^ ddij an, ob dieser an ein idu an sei, und verwies auf eine einschlägige Stelle in Kezoth Hachoschen. Im Begriff, seine Frau in den Besitz seiner höchst bescheidenen Einrichtung zu setzen, um damit ihre naina, die er von seinen kärglichen Ersparnissen nicht vollzählig hat aussammeln können, zu entrichten, erörterte er die Vorschrift von rwpD ddij mit derselben ruhigen Besonnenheit und durchdringenden Schärfe, wie in den besten Jahren seines Lebens, namentlich die Fragen, wobei es sich handelt, *vrn£ ntya bv nrx, was als seine Spezialität galt. Was seine Ehegattin betrifft, so bewahrte er für dieselbe eine Zärtlichkeit und eine Verehrung, welche geradezu rührend war. Er ließ sie auf keinen Fall an seinem Bette zu spät wachen, nöthigte sie zur Ruhe, und noch ein paar Stunden vor seinem Tode, hörte man ihn deutlich sagen: „njn ist eine mJpix rw«". Aber auch gegen Fremde erwies er sich sehr aufmerksam und feinfühlend. An einem der letzten Abende seines Lebens stellten sich bei ihm heftige uromistische Convulsionen ein, die Aerzte und auch er selbst glaubten, es gehe nun zu Ende, und er ließ die Leute von der Chemra Kadifcha kommen; als er aber nach Mitternacht eine leichte Besserung verspürte, wandte er sich zu ihnen mit den Worten: „Heut wird's nicht sein", ersuchte sie nach Hause zu gehen, dankte ihnen für ihr Kommen und bat sie um Verzeihung, daß er sie unnütz bemüht habe. Während seiner ganzen Krankheit versäumte er keine religionsgesetzliche Vorschrift, welche er mit der peinlichsten Gewissenhaftigkeit einhielt , trotz der größten körperlichen Schwäche und der fürchterlichsten Schmerzen. Er legte jeden Morgen Tephillin und hörte nicht aus, einzelne Psalmenverse, am häufigsten die Cap. 49 und 91 inbrünstig leise vor sich herzusagen. In seinen letzten Tagen war er sehr wortkarg und sprach nur das Unentbehrlichste, dagegen flüsterte er um so inbrünstiger Gebete vor sich hin. Donnerstag, am Vorabend seines Todes, bat er, man möge ihm die Tephillin geben und sagte lächelnd: „Die Welt ist auch a Welt", worauf er leise hinzufügte asp p:n nano. Donnerstag Abend beim Ablegen der rvx'B bemerkte er schwer seufzend: „Und von dieser Mizwah muß ich nun scheiden". In derselben Nacht, als sein Augenlicht erloschen war und die Schwäche ihm bereits die Sprache geraubt hatte, ergriff er die Hand feims Enkels, der an seinem Bette wachte, führte dieselbe an den linken Arm und an die Stirn, und als dieser bemerkte „r'PEn idi ndH" ließ er seine Hand ruhig niedergleiten. Es würde zu weit führen, wollte ich alle die unzähligen charakteristischen Einzelheiten aus den letzten Stunden dieses merkwürdigen Mannes hier berichten, und es sei nur noch eine Aeußerung wiedergegeben, welche Herr Professor Dr. Dobroklonsky aus Petersburg, den Baron Horaz v. Günzburg in Begleitung des gefeierten Herrn Dr. Dembo nach Kowno zur Behandlung des von ihm so hochverehrten Rabbi Jzchak Elchanan entsandte, gethan hat. Derselbe erklärte, unter den zahllosen Tausenden von Patienten, die in seiner Behandlung waren, keinen ähnlichen Fall von Geistesklarheit und Seelenruhe bei einem Todkranken beobachtet zu haben. . . . Ja, groß wie im Leben, war unser heißgeliebter Rabbi auch im Sterben: er hat erhaben schön gelebt und ist erhaben schön gestorben. Soll ich nun von der tieferschütternden Wirkung, welche die Trauerbotschaft von seinem Hinscheiden in Kowno und in den benachbarten Orten hervorgerufen hat, berichteil? Braucht es erst gesagt zu werden, daß von allen Seiten viele Tausende herbeiströmten, um dem allverehrten Lehrer und Meister die letzte Ehre zu erweisen? Wer möchte das tiefgehende Bedauern der entfernter Wohnenden nicht begreifen und nachempfinden, daß sie Vieser einzigartigen Beerdigung, welche noch am Todestage also am na^ aay stattsind en sollte, nicht beiwohnen konnten? Oder soll ich