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Der Israelit · 1896-04-13 · Heft 29 (13.4.1896) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 29 (13.4.1896)
Date
1896-04-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXVII. Jahrgang. Beilage;it M 29 des „Israelit“. Leiteriver ^Artikel Habbi ^izchak. Llchanan Spector (,vovt)c|3img au§ 'Jir. 25 und 26 des Israelit.) Wilna, 15. März. Ein Feind jeder Polemik und jeden agressiven Vorgehens begnügte sich R. Jizchak Elchauan damit, in echt jüdischer Weise, nämlich durch sein eigenes anregendes Beispiel, iKtmou zu treiben. Und das genügte auch vollständig. Durch die innere Wahrheitskraft dieser seiner Missionsthätigkeit stieg zugleich der RiwbuS ftines Ansehens immer höher und wuchs fein Einfluß zum Segen der russischen Judeuheit und in erster Reihe seiner Gemeinde. Hier widmete er sich mir beispielloser Hingebung allen öffentlichen gemeinnützigen Interessen, wie er z. B. ait5 sä in mt liehe Wohlthätigkeüsanstalten persönlich verwaltete, eine vielseitige Thätigkeit, welche ihm nur seine außergewöhnliche Arbeitsliehe und Arbeitskraft, sein ausgeprägter Sinn für Ordnung. seine phänomenale Pünktlichkeit ermöglichten. Von letzteren Eigenschaften erzählen Männer, die ihm nahe standen, geradezu Wunderdinge. Es wird behauptet, daß die Besorgung seiner mannigfachen praktischen Beschäftigungen und die Beantwortung der ungeheuren Menge von Briefen, welche ihm tagtäglich aus dem In- und Auslande zugingen, fünf Sekretären ausreichende Tagesbeschäftigung geboten hät'en, und doch besorgte er Alles meist selbst, und nur in verhältnißmäßig seltenen Fällen bediente er sich eines ihm persönlich nahestehenden Mithelfers. Nichtsdestoweniger befand sich seine eigenartige Kanzlei und sein umfangreiches Archiv fto va Drdnmra,. Alle Briese waren nach ihrem Inhalt in Rubriken geordnet, und auf jedem Briefumschlag waren von seiner Hand Datum und Inhalt des Schreibens, sowie Dag und Inhalt der darauf ertheilten Antwort verzeichnet. Kein Brief, von wem er auch herrühren mochte, blieb unbeantwortet, denn seine Leutseligkeit kam seiner grenzenlosen Herzensgüte vollkommen gleich. Und diese unüberbietbare Liebenswürdigkeit, deren Zauber man auf sich einmirken lassen mußte, um sie ganz zu begreifen, bethätigte er, wie im brieflichen, so auch im persönlichen Verkehr. Klein und Groß, Arm und Reich, Jung und Alt hatten allezeit ungehindert Zutritt. Jeden hörte er mit gleichem Interesse und gleicher Theilnahme an, für Jeden hatte er gerngewährten Rath und, falls es noth that, hilfbereite That. Bedenkt man, welche Summe von Zeit und Kraft dem Ueberbeschüftigten die Beantwortung der Hunderte von religionsgesetzlichen Anfragen kostete, so scheint es räthselhaft, wie er zur Erfüllung der zahllosen anderen Pflichten, welche an sich eine volle Menschenkrast erforderten, Muße fand. Die Lösung dieses Räthsels ist in seinem enorm starken Gedächtniß, in seiner blitzschnellen Combinationskraft, in seinem staunenswerthen Fleiß und seiner peinlichen Ordnungsliebe zu finden. Die streng innegehaltene Eintheilung in seiner Lebensweise und Thätigkeit spiegelte in geradezu wunderbarer Weise die Harmonie seines ausgeglichenen, in sich abgeschloffenen einzigartigen Charakters wieder.... Eine auch nur annährend erschöpfende, ja selbst nur die hervorragendsten Momente behandelnde Darstellung dieses reichgesegneten Erdenwallens würde den mir zu Gebote stehenden Raum weit überschreiten; ich beschränke mich deßhalb darauf, nur noch Einiges über die letzten Stunden seines Lebens, über die ergreifende Art, wie dasselbe zu Ende ging, zu erzählen. Seit einigen Jahren nagte ein Herzübel an dem Lebensmark des Dahingeschiedenen; jedoch seine von Haufe aus urkräftige Constitution schien diesem Nebel zu trotzen, und er konnte seine unermüdliche Thätigkeit nach wie vor fortsetzen. Erst in diesem Winter trat eine merkliche Schwächung seines ganzen Organismus ein, welche zuweilen störend auf die Erfüllung feiner vielfachen Pflichten wirkte. In einem Briefe vom 6. Februar an den Schreiber dieser Zeilen beklagte sich der Verblichene, daß in Folge großer Schwäche die Antwort sich verzögert habe. Dienstag den 1/. Februar warf ihn ein schweres Nierenleiden auf's Krankenlager, und der Patient fühlte und erkannte sofort, daß er sich von demselben nicht mehr erheben werde. Während seiner ganzen Krankheit, die mehr eine langsame, qualvolle Agonie war, offenbarten sich seine bewunderungswürdige Seelenhoheit und seine enormen Geisteskräfte in ihrer ganzen überwältigenden Größe. Sein klares Urtheil, wie sein kolossales Gedächtniß verließen ihn, trotz der unerträglichsten Schmerzen und Leiden, keinen Augenblick bis zu der Stunde, in der er seine reine Seele aushauchte, was die Professoren und Aerzte, die ihn behandelten, nicht genug bewundern konnten. Er sah mit einer Ruhe und Unerschrockenheit auf die herein brechende Katastrophe, als ob es gälte, blos seinen Aufenthaltsort zu ändern; nur schien er jetzt noch eifriger als sonst bemüht, jeden Augenblick, der ihm noch zu leben beschieden war, in bester Weise auszunutzen. Am Donnerstag den 19. Februar hat er es, trotz der heftigsten Schmerzen, sich nicht nehmen

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