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Der Israelit · 1896-04-13 · Heft 29 (13.4.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 29 (13.4.1896)
Date
1896-04-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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577 belegen; das Darlehens-Comite hat in den 28 Jahren seines Bestehens nicht weniger als 350,000 Mk. ausgeliehen. Durch das Comite zur Ausbildung von Lehrlingen sind innerhalb 22 Jahren 1650 Knaben und 20 Mädchen untergebracht worden. 105 Damen und 189 Herren arbeiten im Ehrenamte an dem wohlthätigen Werk des Board, während 20 angestellte Beamte sich ausschließlich seinen Geschäften zu widmen haben. Mit dem Appell an alle Anwesenden, auch ferner den Board zu stützen und zu fördern, schloß der Redner unter lautem Beifall seine Ansprache. Nach ihm sprachen noch F. D. Mocatto, der den Dank des Board an den Oberrabbiner aussprach und betonte, daß daß der Board of Guardian zwar ein lokaler Londoner Verein sei, die von ihm unterstützten Juden aber aus allen Ländern der Welt stammten. Mithin sei der Nutzen dieser Wohlthätigkeit keineswegs auf London beschränkt und das Werk des Board von der größten Bedeutung für die ganze Judenheit. Der Oberrabbiner Adler sprach dem Vorredner seinen Dank aus für die Anerkennung, die er ihm gezollt und schloß sich seiner Auffassung von der Bedeutung des Boards an. Mit dem Dank der Versammlung an den Präsidenten, Mr. B. L. Eohen, schloß die Sitzung, worauf die Anwesenden das interessante neue Haus in Augenschein nahmen. Bulgarien. Sofia. Bulgarien, welches unaufhörlich für die Anerkennung seiner Rechte kämpft, geht damit im eigenen Lande nicht mit gutem Beispiele voran. 'Nach der Verfassung sind alle Bürger dieses Staates, und als solche sind die Juden anerkannt, gleichberechtigt, aber in Wirklichkeit besteht, was die Juden betrifft, eine Kluft zwischen Theorie und Praxis, wie — nun wie auch in anderen größeren Staaten. In Bulgarien leben mehr als 30.000 Juden, von denen sehr viele sich durch Intelligenz und bürgerliche Tugenden auszeichnen. Aber kein Jude ist Mitglied der Sobranje. Als unter dem Regime Stoilow's ein Jude, Peter Gabe in einem Wahlbezirke nahezu einstimmig gewählt wurde, ruhte die Regierung nicht eher, als bis sie dessen Wahl — unter allerlei Vorwänden — annullirte. Aehnliche Erfahrungen machen die Juden auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, sie werden überall verdrängt und als Rechtlose behandelt. In Sofia leben nahezu 10.000 Juden, die in hervorragender Weise zu den Staats- und Conununalsteuern beitragen, aber im Uebrigen als Bürger zweiter Classe behandelt werden. Kaum, daß einer im Gemeinderath sitzt, kaum daß ein jüdischer Arzt eine öffentliche Änstelluug erlangt, die Juden sind auch vom Banksyndicat ausgeschlossen und die Möglichkeit, Grund und Boden zu erwerben, ist für sie gleichfalls nicht gegeben, denn bei dem Ankauf derartiger Mobilien wird stets der bulgarische Bauer berücksichtigt. Diese Umstände geben die beste Erklärung dafür, daß zahlreiche jüdische Familien im Begriffe stehen, das Land zu verlassen, um nach einer neuangelegten Colonie in Palästina zu übersiedlen. P a l ä st i n a. Jerusalem, Ende März. Der Herr Rabbiner S. Wertheimer hier, ein jugendlicher Gelehrter, der sich durch eine Reihe verdienstlicher wissenschaftlicher Arbeiten in Fachkreisen und darüber hinaus hohes Ansehen erworben, läßt jetzt ein Werk mu drucken. Der erste Theil enthält eine Sammlung alter Manuscripte. Da es gewiß viele Rabbiner und Bibliotheken gibt, die gerne ein Exemplar von diesem höchst interessanten Buch besitzen möchten, so werden diese aus dieses hebräisch-literarische Ereigniß aufmerksam gemacht. Dieselben brauchen sich dieserhalb nur an den Herausgeber in Jerusalem zu wenden. Da die Auflage eine kleine und der größte Theil für unsere Provinz bestimmt ist, so werden für die europäischen Bibliophilen nicht viel Exemplare zur Verfügung bleiben, und müssen diese sich daher rechtzeitig um ein solches bewerben. A. Gold färb. Gerichtszeitrrug Wien, 4. April. (Ehrenbeleidigungs-Klage eines antisemitischen Redaeteurs.) Der Redacteur des in Ottakring erscheinenden antisemitischen Blattes „Wiener Bolksbote", Johann König, erschien dieser Tage vor der Juri, als Kläger wider den Gastwirth und Bezirksausschuß Svlvester S - ieder und den Herausgeber der gleichfalls in Ottakring erscheinenden Zeitschrift „Mit vereinter Kraft." Diese Klage betras einen von dem letzteren Blatte veröffentlichten, von Herrn Schieden berrübrcnden Artikel, in welchem König beschuldigt wurde, daß er sein Blatt zu Erpressungen an Juden hergebe und auch zu einem räthsclhaften Zwecke im Vereine mit seinem Ziehvater den Brauereibesitzer Moriz Kusfner besucht habe. _ Der Angeklagte «Lchieder erklärt, daß sein Artikel eine Antwort an den „Bolksbotcn" gewesen sei, welcher ihn angegriffen habe, weil er früher der deutsch-nationalen Partei angchörte, sich aber dann von ihr trennte; er habe sich nämlich nicht ins clerieale Fahrwasser bringen lassen wollen. Für die angeführten Thalsachen sei er bereit, den Wahrheitsbeweis zu führen. Zunächst wird der Privatkläger König als Zeuge vernommen. Er bezeichnet die Angaben des Artikels als unwahr und theilt insbesondere mit, daß er sich zu Herrn Kuffner begeben habe, weil dieser ihn zu einem Besuche habe einladen lassen. Doch sei er dieser Einladung erst gefolgt, als er seine Parteifreunde darüber zu Rathe gezogen und diese ihm gerathen hatten, in Gesellschaft eines Zeugen sich zu erkundigen, was Kuffner wolle. Dieser Zeuge sei sein Ziehvater gewesen. Herr Kuffner habe Beide sehr freundlich empfangen, ihnen Cigarren gereicht und ihn (den Zeugen) gefragt, warum er nicht, wenn es sich um Uebelstände in der Fabrik handle, ihn persönlich darauf aufmerksam mache.

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