Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 29 (13.4.1896)
- Date
- 1896-04-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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RR WWWWW 575 bewahrte Veterinäre vorgenommen. Ich habe dagegen viele Schlachthäuser gesehen, in welcher lediglich Gehilfen und Assistenten von Veterinären die Untersuchung in Händen haben, die sich allerdings gerne als Thierärzte bezeichnen lassen. „Auch in den großen Schlachthäusern, welche ein Mikroskop zur Besichtigung von zweifelhaftem Fleisch besitzen, stempeln Veterinäre das Fleisch vielfach ab, ohne die mikroskopische Untersuchung vorzunehmen. „Mit unserer allgemeinen Fleischbeschau ist es thatsächlich nicht gut bestellt. Es mag uns dafür das Zeugniß einer Landwirthschaftlichen Zeitung genügen (Semlevelzes-Kaie Gazette 1895 Nr. 7), welche wörtlich schreibt: „Um einmal zu erfahren, wie es in den Schlachthäusern zugeht, und welche Ordnung dort herrscht, habe ich denselben meine Aufmerksamkeit zugewendet. Je länger ich einen Einblick in die Zustände dort genommen habe, um so mehr Verwilderung, Unreinlichkeit und Unordnung hatte ich Gelegenheit zu konstatiren. — „Nachdem die Haut dem Thiere abgezogen ist, wirft man das enthäutete Fleisch an einen schmutzigen, blutigen Ort. Bei der nachträglichen Säuberung des Fleisches, wird auf die Reinhaltung des Fleisches so wenig geachtet, daß man dazu einen unsauberen, kothigen Strohwisch gebraucht. Auch die Metzger starren vor Unsauberkeit und Schmutz. Wohin man sich auch wendet, überall Ströme Bluts und Rinderkoth, dazwischen Fett, Thierköpfe und Fleisch. Fuhrleute packen von hier das Fleisch auf die Wagen ohne nach dem Gewicht zu fragen und Flüche und Lästerungen, welche die Luft durchschwirren, vervollständigen das Ensemble dieses traurigen Bildes. „Manchmal kommt Jemand, drückt eilig seinen Stempel auf die umherhängenden Fleischstücke. Das soll, wie ich höre, der Feldscheerer sein, welcher damit sein Zeugniß dafür abgibt, daß das Fleisch sich zum Genuß qualificirt!" „Man kann sich nach alledem einen Begriff davon machen, wie es mit der Untersuchung der Thiere in den Dörfern bestellt ist, wo sich keine geprüften Fleischbeschauer finden! „Nach einem solchen Blick auf das Gebühren der Veterinäre und Feldscheerer, die ihres Amtes jedenfalls nicht um Gottes Willen (d'DV Dt?b) walten, begreift sich's leicht, wieso die statistischen Ausweise einer Gegend 5°/0 tuberkulöses Schlachtvieh aufweisen, während andererseits die Zahl bis auf 50% angegeben wird. — Es hängt dies alles von Veterinär und Feldscheer ab! „Kommt derartiges auch in jüdischen Kreisen vor Verfahren unsere Schochtim und Bodkim in gleicher Weise? „Wir wissen alle, mit welcher peinlichen Achtsamkeit die Schochtim und Bodkim bei ihrer Untersuchung der Thiere vorgehen, wie gewisienhast sie dabei verfahren, damit ihre Brüder durch sie kein Fleisch genießen, das trepha ist. Als Beweis, wie schwer eine Versündigung bei unseren Brüdern nach dieser Seite hin aufgefaßt wird, genügt ein Hinweis auf folgendes Faktum. In Grodno hat vor zwei Jahren ein Schächter einen Selbstmord deßhalb begangen, weil man ihn verdächtigte, er habe wissentlich und vorsätzlich ein Thier, das trepha war, für zulässig erklärt! „Als vollgültigen Beweis gilt mir eine durch Hunderte von Fällen erprobte Erfahrung, daß ich niemals gefunden habe, daß ein Schachet eine Lunge für zulässig erklärte, die ein Thierarzt auf Grund seiner anatomischen und pathologischen Erwägungen für ungenießbar bezeichnet hättet) „Außer der Lunge sind ja übrigens auch noch andere Theile des Thierkörpers zu untersuchen, aber die Lunge ist doch der Theil, um deren Untersuchung es sich in erster Reihe handelt, weil sie das bei allen Lebewesen am meisten in Betracht zu ziehende Glied ist. Ich mache hier auf die Sache nur aufmerksam aus Gründen, die ich anführe dort, wo ich speziell von trepha handle. Hier will ich nur kurz bemerken: Bei dem Einflüsse der Lungenthätigkeit auf das Blut, ist es nicht anders denkbar, als daß eine kranke Lunge von verderblichem Einfluß auf alle Theile des Körpers und auf die Qualität des Fleisches ist. Die genaue Untersuchung der Lunge, auf welche unsere Weisen ein so großes Gewicht legen und ihr den ersten Rang zuerkennen, ist jedenfalls keine bedeutungslose Formsache. _ (Schluß folgt.) 2) Der „Israelit" brachte (Jahrgang 1892, Nr. 8) aus Brandenburg a. H. einen Fall, wonach ein vom dortigen Schächter für „koscher", von der amtlichen Fleischschau dagegen für „ungenießbar^ erklärtes Rind auf Verwenden des Vorstandes durch den Oberroßarzt nochmals eingehend untersucht und im Einklang mit dem Schächter als „völlig unschädlich und ganz gesund" befunden wurde. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Berlin, 6. April. In Angelegenheit der jüdischen Lehrer, welche in Preußen in Religion nicht geprüft werden, hatte Herr Prof. Dr. Philippson Audienz beim Cultusminister Bosse und beim Ministeraldirektor Kügler. Es handelte sich um Einsetzung einer staatlichen Prüfungs-Commission zur Erlangung der Befähigung für den jüd. Religionsunterricht. Die Herren waren zwar sehr entgegenkommend, lehnten