Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 29 (13.4.1896)
- Date
- 1896-04-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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574 Bande über diese Materie handeln, in hohem Grade geeignet das Interesse zu fesseln. Was wir an dem Buche bedauern, ist der Umstand, daß es der Mehrzahl der deutschen Juden leider nicht zugänglich ist, weil es hebräisch geschrieben ist. Man theilt uns jedoch mit, daß eine deutsche Ausgabe des Werkes in Vorbereitung ist. Daß der Verfasser als Arzt zu uns spricht und seine Themata vom hygienischen, sanitären und physiologischen Gesichtspunkte aus betrachtet, werden denkende Leser begreiflich finden. Wenn aber an einzelnen Punkten der Arzt auf Kosten des Judenthums zur Geltung zu gelangen sucht, so halten wir das für einen recht verhängnißvollen Fehler, der leicht zu vermeiden gewesen wäre. Da wir Gelegenheit haben werden bei der Besprechung der hierher gehörigen Momente unseren Standpunkt d. h. den des orthodoxen, überlieferten Judenthums zu präcisiren, so brauchen wir jetzt hierbei nicht länger zu verweilen und können unseren Lesern das Werk selbst vorsühren. Der erste Theil enthält die Geschichte der Anti- Schächtbewegung in der Schweiz, Sachsen, Bayern, Preußen, Frankreich, England, Oestrereich-Ungarn, Italien, Schweden und Rußland. Wir waren überrascht über die minutiöse Genauigkeit, mit welcher die Daten, Ziffern und alle sonstigen Details hier in klarer übersichtlicher Weise zusammengestellt sind, und wären es noch inehr gewesen. wenn uns nicht bekannt gewesen wäre, daß der Verfaffer die genannten Staaten fast alle selber besucht und auf Grund sorgfältiger Beobachtungen und Aufzeichnungen an Ort und Stelle seine Angaben zu machen in der Lage war. Der zweite Theil handelt von dem Thierschutz im Alterthum und in der Neuzeit und enthält eine sehr umfassende Zusammenstellung der ethischen und legislatorischen Anschauungen über den Schutz der Thiere aller Zeiten und Nationen, in stetem vergleichenden Hinblick auf die Rücksicht, welche die Bekenner des Judenthumd dem Thiere auf Grund ihres Religionsgesetzes entgegenbringen. Der Vers, kommt zu dem Resultat, daß das jüdische Volk der älteste Thierschutzverein ist! Der dritte und letzte Theil erörtert in geistvoller Weise die religionsgesetzliche Seite des Schächtgebots und die hygienische Seite der rituell vorgeschriebenen Untersuchung der Schlachtthiere, d. i. der Bedika. Dieser Theil schließt mit der Erörterung der Frage: Soll die Bedika aufgehoben werden? die wir hier in wörtlicher Uebertragung mit einigen Anmerkungen unsererseits folgen laffen. „Wir können", sagt Herr Dr. Dembo, „unsere Abhandlung über die Schechita nicht schließen, ohne auch der Bedika zu gedenken, mit welcher die Be-! stimmungen über „Terepha" verbunden sind. Auch diese Institution ist nicht von Verdächtigungen verschont geblieben, auch gegen sie haben Gegner Bedenken geltend gemacht, dahin gehend, man solle die Untersuchung der Schlachtthiere kundigen Thierärzten überlaffen und sie den Schochtim und Bodkim abnehmen. „Bedenken dieser Art haben wir nicht vereinzelt gehört. Sie beweisen jedenfalls, daß ihre Vertreter nicht die Bedeutsamkeit der Bedika für Erhaltung der Gesundheit und das allgemeine Volkswohl kennen. „Wer aber, wie ich mit eigenen Augen die Untersuchung der Schlachtthiere bei den Juden durch die Schechita gesehen hat und die andere, wie sie sonst durch Veterinäre und Feldscheere gehandhabt wird, der muß mir zustimmen, daß das jüdische Untersuchungsversahren, welches mit Rücksicht auf religionsgesetzliche Vorschriften geübt wird, demjenigen der Veterinäre und Feldscheere bei weitem vorzuziehen ist. Diese Behauptung beruht auf praktischen Erfahrungen, gesammelt in den Schlachthäusern Rußlands und anderer Länder. „Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie die Metzger eine kranke Lunge mit einer gesunden vertauschen und letztere zu dem Fleische eines geschlachteten kranken Thieres legen, um die untersuchenden Thierärzte irre zu führen. Derartige Fälle sind bei der Untersuchung durch Veterinäre in großen Schlachthäusern nichts seltenes, denn dort weroen täglich Hunderte von Stücken Klein- und Großvieh geschlachtet, wobei folgendes Untersuchungsverfahren eingehalten wird: „Nachdem die Thiere in der üblichen Weise geschlachtet sind, legt der Metzger vor das geschlachtete Thier dessen Lunge und Leber hin. Der mit der Untersuchung betraute Veterinär untersucht das Thier, das vor ihm liegt und stempelt das für geeign t befundene mit seinem Stempel. Abgesehen davon, daß eine so leichthin vorgenommene Untersuchung nicht ausreichend ist, werden die Prüfenden oft von den Metzgern in der oben erwähnten Weise getäuscht. „Vor meinen Augen hat ein Veterinär in einem Schlachthause zu Leipzig die geschlachteten Thiere in wenigen Stunden untersucht. Außer den geschlachteten Rossen belief sich damals die Zahl der geschlachteten Thiere auf 120. Ist es möglich, daß hierbei kein Jrrthum und Fehler Vorkommen sollte? „Jnr Schlachthause zu B a s e l in der Schweiz habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie der Metzger rasch die Zeichen der Schwindsucht an der Brust wegschnitt. Der Veterinär, der dann kam, unr die Untersuchung vorzunehmen, legte seinen Stempel auf das Fleisch und bezeichnete es als gut! „Ein vielverbreiteter Jrrthum ist es ebenfalls, wenn man glaubt im Westen Europas werde die Fleischuntersuchung ausschließlich durch geübte, be-