Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 29 (13.4.1896)
- Date
- 1896-04-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVII. Jahrgang. M S« Der Israelit. Ein Aenlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 13. April 5656 (1896). Leitender Artikel. Schechita und Bedika. Mainz, 12. April. Die Gehässigkeit, welche sich gegen die religionsgesetzlich gebotene Art und Weise unsere Schlachtthiere zu tödten und zu untersuchen geltend macht, hat in zwei Staaten bereits zu einem Schächtverbot geführt und ist in ihren Consequenzen gar nicht abzusehen. Die Maßregelungen, Einschränkungen und Erschwerungen, welche in zahlreichen anderen Staaten bereits an die Ausübung von Schechita und Bedika geknüpft sind, lassen es jedenfalls als höchst wünschenswerth erscheinen, daß jeder Einzelne über den Stand dieser wichtigen Angelegenheit nach ihren verschiedenen Seiten hin genau unterrichtet ist. Wie die Dinge liegen, kann heute jeder Jude im letzten Dorf in die Lage kommen durch freimüthiges Eintreten für diese gefährdete Institution unseres Gemeindelebens der guten Sache zu dienen und ihr jedenfalls sehr zu schaden, wenn er nicht im Stande ist den grundlosen Verdächtigungen der Schächtgegner entgegenzutreten und die Vorzüge der Schechita und Bedika in's rechte Licht zu setzen. Um nun Jedermann in die Lage zu setzen, sich ein unbefangenes, selbstständiges Urtheil in dieser Angelegenheit zu bilden zu können, hat bereits vor zehn Jahren Herr Rabbiner Dr. Ehrmann alle für uno gegen das Schächten geltend gernachten Momente in einer Schrift zusammengeftellt. J) Die Agitation gegen das Schächten hat jedoch seit zehn Jahren große Dimensionen angenommen. Es ist daher mit lebhafter Freude zu begrüßen, daß die hochbedeutsame Angelegenheit eine neue Bearbeitung 1) Thierschutz und Men scheutrutz von Dr. S. Ehrmann. I. Kausfmann'sche Buchhandlung, Frankfurt a. M. gefunden hat, die sich von allen bisherigen diesbezüglichen Publikationen in vielfacher Hinsicht auszeichnet. Wir brauchen nur den Namen des illustren Verfaffers zu nennen, um die Aufmerksamkeit unserer Leser dieser neuen Bearbeitung zuzuwenden. Es ist dies Herr Hofrath Dr. A. Dembo, Arzt am Alexander-Krankenhaus in St. Petersburg, der soeben den ersten Band eines großen angelegten Werkes veröffentlicht. Daffelbe führt den Titel: bi •pruDi pnw (Das Werk ist von dem Verfasser (St. Petersburg, Gartenstraße 60) für 2 Rubel zu beziehen.) Herr Dr. Dembo hat sich, wie unseren Lesern aus früheren eingehenden Berichten bekannt ist, große Verdienste um die Erhaltung der Schechita in Rußland erworben. Dieselbe war dort ernstlich durch die Agitation der Thierschutz-Vereine bedroht, und die Bestrebungen der Thier-Schutz-Vereine erfreuen sich in Rußland der höchsten einflußreichsten Protektion! Seine klare, bündige und eindrucksvolle Darstellung des jüdischen Schlachtverfahrens hat dort viele Gegner des Schächtens in Anhänger und Freunde derselben unlgewandelt und viele Judenfeinde, die ihren Judenhaß durch die Maske des Thierschutzes verhüllten, zum Schweigen verurtheilt. — Der Extrakt dieser Darstellung ist es, der uns in vorliegendem Werke geboten wird. Es ist zum ersten Mal, daß ein auf der Höhe der Wiffenschaft stehender Physiologe, dem auch die einschlägigen religionsgesetzlichen Bestimmungen des Rituals aus den Quellen zugänglich sind, dieses Thema nach seinen verschiedenen Gesichtspunkten mit genialer Meisterschaft behandelt. Was den Werth des Buches besonders erhöht, ist der Umstand, daß es außer der Schechita auch die Bedika in den Kreis seiner Betrachtungen zieht. Obwohl dieser Theil erst in dem folgenden zweiten Bande seine vollständige Behandlung finden wird, so sind die Parthien, welche in dem vorliegenden