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Der Israelit · 1896-04-08 · Heft 27-28 (8.4.1896) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 27-28 (8.4.1896)
Date
1896-04-08
Page
– (sequence 19)
Language
German
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WMWMMWWWM 563 unserer heiligen Lehre beispielloser Bescheidenheit allbeliebten, geachteten Frau Unna in unserer Stadt verbreitete. Wir srugen uns, warum mußte doch dieses edle Leben so früh und noch in den besten Jahren endigen, warum mußte es dein Kreise seiner Lieben schon entrissen werden, dem es noch eine so mächtige Stütze war, von dem es auch, wie ein höheres Wesen verehrt und geliebt wurde! Und wie viel des Guten und Segensreichen hätte die edle Frau nach ihrer bisherigen Wirksamkeit zum allgemeinen Besten schaffen können? War sie doch jedem in ihrer Theilnähme uuv Menschenfreundlichkeit mit Rath und That gefällig und wendete vielfach ihre Obsorge verschämten und verlassenen Armen zu! Was sie aber ihrer Familie gewesen, entzieht sich aller Schilderung. Ihrem zu früh dahingeschiedenen gelehrten und frommen Gatten b"'\ war sie die treubesorgte geistig und materiell helfende Gattin, und möchte ich sie in dieser Beziehung mit cr^D vergleichen, von der es heißt: usrrm id nipy* no rjns pmo irr ns sie stand von der Ferne zu erfahren, uws ihm — dem Moscheh zu thun 'ei, sie stand sinnend, wie und was sie alles dem geliebckn Gatten 8": njj-n rtwn n thun könne, wie sie ihm die Aufgabe des Lebens und des Berufes erleichtern könne. Und wie stand sie ihm in der wichtigsten dieser Aufgaben, in der Erziehung der Kinder bei! Wahrlich hier zeigte sich ihre ganze Größe, der angestammte Ernst und die unbesiegbare Liebe für unsere heilige mip, die sie bei ihren Kindern zum Ausdruck brachte und auf sie zu übertragen suchte. Mit edler Begeisterung für's „Lernen", für wahrhaftes jüdisches Leben, Denken und Fühlen wirkte sie auf ihre Söhne und Töchter, und ihre treue Saat fand in den Herzen derselben den rechten Boden, ihre begeisterten Worte ein treues Echo, und sie hatte die Freude und Genugthunng, ihre Wünsche hierin aufs Herrlichste erfüllt, ihr Streben voin schönsten Erfolge gekrönt zu sehen, da sowohl die Söhne als Töchter sich durch ntn»i m n auszeichnen, einer ersprießlichen Wirksamkeit obliegen und als edle Reise von vornehmem Stamme sich erweisen, und wie in der engen Familie, so war sie auch den berühmten Eltern b"', den Geschwistern und Verwandten allen der Mittelpunkt der Liebe, denn allen hing sie mit Liebe und Treue an, allen suchte sie mit ihren geistigen Gaben zu dienen. Kein Wunder, daß daher die Theilnahme von nahe und fern eine große, daß sowohl Verwandte als Bekannte den Verlust eines solchen edlen Lebens schmerzlich empfanden und beklagten. Ausdruck hiervon gab das Leichenbegängniß und die Nachrufe, die der theuren Hingeschiedenen von den lieben Verwandten gewidmet wurden. Es sprachen im Sterbehause der Bruder Herr Distr.-Rabb. M. L. Bamberger in Kissingen und der Schwager Herr Distr.-Rabb. Adler in Kitzingen, am Grabe der Bruder Herr Distr.-Rabb. Rath. Bamberger hier, ferner der Sohn Herr Rabb.- Cand. Dr. Js. Unna und der Schwiegersohn Herr Lebrer Berlinger in Illingen, alle die Tugenden und unsterblichen Verdienste der frommen Verblichenen hervorhebend und beleuchtend in geistreichen, belehrenden und zu Gemüth gehenden Worten. An dem Leichenbegängniß betheiligte sich eine zahlreiche Menge, wie sie schon lange nicht bei ähnlichen Fällen gesehen worden und legte Zeugniß ab von der allgemeinen Achtung und Verehrung der Dahingeschiedenen. Sie wurde an die Seite ihres geliebten Gatten b"' auf dem p",-!v in Höchberg gebettet und findet neben ihm die wohlverdiente Ruhe von gemeinsamen Schaffen und Wirken. Möge ihr rnv? den geliebten und liebenden Kindern int reichsten Maße beistehen und sie selbst wie auf Erden, so im Himmel mit den lieben Ihrigen sich vereint sehen und den Lohn ihres thatenreichen Lebens genießen! ^chulnachrichten. Frankfurt a. M. Rach dem Jahresbericht 1895—96 der Realschule der Jsr. Religions-Gesellschaft in Frankfurt am Main von Direktor Dr. Mendel Hirsch, zählte die Realschule 237, die Vorschule 90 Schüler und die höhere Mädchenschule 209 Schülerinnen. Außer den zahlreichen Einzelzuwendungen für die verschiedenen Kassen der Anstalt wurden von einem Gönner derselben der Schulfonds mit .einer Dotirung von 20,000 Mark bedacht. Von den Kindern des Herrn Selig Golvschmidt s. A. wurde zuni ehrenden Andenken ihrer Eltern eine Stiftung unter dem Namen „Selig und Elementine Goldschwidt'fche Stiftung" im Betrage von 25,000 M. errichtet, deren Zinsen der laufenden Schulkasse alljährlich zufiießen sollen und dem Pensionsfonds wurde von einem hochherzigen Gönner der Betrag von 5000 Mark überwiesen. Frankfurt a. M. Nach der Einladungsschrift zu der öffentlichen Prüfung der Israelitischen Religionsschule zu Frankfurt a. M., der eine längere Abhandlung, „Die Wohlthätigkeit bei den Juden im alten Frankfurt", von Herrn Rabbiner Dr. M. Horovitz vorangeht, hat sich die Zahl der Zöglinge von 444 aus 472 vermehrt. Davon sind in der Schule am Hermesweg 156 Schüler und 109 Schülerinnen, zusammen 256, in der Schule an der Unterlindau 35 Schüler und 25 Schülerinnen, zusammen 60, am Kaiser-Friedrichs-Gymnasium 39, am städt. Gymnasium 48, an der Adlerflychtschule 48, ferner in der Vorbereitungsschule für den rabbinifchen Beruf 12. Die Einnahmen betrugen 27,995 M., die bis auf 5826 M. verausgabt wurden.

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