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Der Israelit · 1896-04-08 · Heft 27-28 (8.4.1896) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 27-28 (8.4.1896)
Date
1896-04-08
Page
– (sequence 18)
Language
German
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562 Iohann Reuchlin war einer der größten und erleuchtesten Geister seiner Zeit, ein „Licht und Glanz Deutschlands", geb. ain 44. Februar 1455; mit ungenauer Präcisirung nannte man ihn Kunviov. Reuchlin erschloß ganz neue, bis dahin brach gelegene Wissensgebiete, indem er mit Eifer an die Wiederbelebung der griechischen und hebr. Sprache heranging. Besonders hinderlich war es ihm in seinem Forschungsdrange, daß eS damals Christen, die die hebr. Sprache verstanden, nicht gab und auch nicht jeder Jude gerade dazu geeignet war. Endlich fand er in Jacob LoanS, dem Leibarzt Friedrich UI., einen geschickten Lehrer. Reben kleineren Schriften gab Reuchlin die erste hebr. Gramatik und das erste hebr- Lexikon heraus. Diesen Mann nun hatte Pf. als Gutachter vorgeschlagen, weil er der Ansicht war, in dem bedeutenden Gelehrten einen Bundesgenossen erblicken zu dürfen, denn Reuchlin hatte sich iit seiner ersten Schrift nicht ganz frei von feindlichen Ansichten gegen das Judentbum gezeigt. Indessen verfügte der Kaiser auf Betreiben Pf.'s. die weitere Konfiskation der Bücher und forderte lieben drei privaten Gelehrtelt die Ultiversitäten von Köln, Mainz, Erfurt lind Heidelberg um Gutachten über die strittige Frage auf. Pf. verfaßte ein Schriftcben, „Zu Lob und Ehren Kaiser Marimilian'S", worin er verlangte, daß die Schriften der Juden verbranlit werden sollten. Der Kaiser indessen, ließ iit Frankfurt den Juden ihre Bücher zurückgeben. Auf Ersuchen Pf'S. gab Reuchlin ein schriftliches Glltachten ab, in dem er die jüd. Schriftell in verschiedene Klassen eintbeilte, heilige Schrift, Talmud, Kabbala, Kommentare und Erklärungeli, Kilnst lind Wissenschaft ulld schließlich Poistereien, Fabeln und Erempelbüchlein. Reuchlin sprach sich sehr zu Gunsten der Juden alls unb führte am Schlüsse an, mau möge deren Schriften nicht verbrennen, sondern die Juden sanft zum christlichen Glauben zu bekehren stichelt, auf den Universitäten sollte die hebr. Sprache gelehrt werden. Bon den Fakilltäten sprachen sich Heidelberg und Erfurt in ungünstigem, die anderen in günstigem Sinne für die Juden aus. Reuchlin faubtc feilt Glltachten an den Kurfürsten von Mainz und dieser gab es versiegelt an Pf. weiter, der es dem Kaiser übermitteln sollte, es zllvor aber, um sich zit rächen, in widerrechtlicher Weise veröffentlichte. Alsdann gab Pf. eine Schrift heraus, „Der Handspiegel", die lvieder Beschlildigungen gegen die Juden erhob unb gegen Reuchlin gerichtet war. Reuchlin vertheidigte sich in seinem „Augenspiegel", dem er eine lat. Erklärung ansügte, in der gesagt war, daß Pf. in seiner Schrift 34 mal gelogen habe, Zllgleich wies er Pf'S. Beschuldigung der Bestechung energisch zurück. Dieser „Augensviegel" lilachte ungeheures Aufsehen und wurde massenhaft gekauft, drohte aber schließlich für den edelmüthigen Kämpfer gefährlich zu werden, der mit Arrlvld von Thrrngern in Streit gerieth, der schließlich zil eilrer Berurtheilung Reuchlins als Ketzer endete; der Ketzermeister Hoogstraten in Köln ließ ibn vor ein JnquisitionSgericht stellen und schon drohte ihm der Scheiterhaufen, da wurde Reuchlin durch erzbischöstiche Botschaft tu Freiheit gesetzt und sein 'Appell an den Pabft genehntigt. Der „Augenspiegel" wurde in Köln öffentlich verbrannt. Nachdem Fahre lang der Pabst die Entscheidung ausgesetzt, endete der Streit mit dem Siege der Reuchlinisten. Reuchlin trat dann in brieflichen Verkehr mit bedeutenden Männern u. a. Luther, die ihn alle belobten und ihm Muth zusprachen. Ein treuer Anhänger erstand ihm in Ullrich von Hutten, der ein Gedicht ,.Triumplms Kapnionis“, sonne in Gemeinschaft mit einem 'Anderen „ Kpistolao obscurorum virovmrr, Briese der Dunkmänner, die voll feinsten satyrischen Spottes waren, gegen die Machenschaften der Widersacher veröffentlichten. Drtuin Gracius antwortete mit einer „Klage der Dunkelmänner," die indessen wirkungslos verhallte. Auch der tapfere Ritter Franz von Sickingen stand Reuchlin wacker zur Seite und so gab dieser Streik den ersten Anstoß zur Reformation. Endlich folgte von Rom im Jahre 1540, am 43. Juni die Entscheidung, wodurch die Speierer Entscheidung aufgehoben, der „Augenspiegel" untersagt, und Reuchlin die Kosten des Prozesses auserlegt wurden. Somit war diese heikle 'Angelegenheit erledigt. Die Juden aber sollten stets des treuen Borkäinpen ihrer Heilrgthümer eingedenk sein, der im höchsten Alter noch so Bitteres zu erdttlden hatte. Möge allezeit fein Andenken ein gutes sein und die Erinnerung an ihn auch in unserer Zeit edelmüthige Männer zu ähnlichem edlen Thun begeistern. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Wiirzburg. tin my. (Aus gewissen Gründen verspätet.) Di\n nran tP’s xV, denn es gelten meine Worte dem Ableben einer frommen, tugendhaften Frau, wie selten eine, eine nrx im vollsten Sinne des Wortes, der Frau Zerline U n n a, Wittwe des gelehrten und frommen Lehrers und Nabbinatskandidaten njjix ntpo Tmno und Tochter unseres unvergeßlichen Rabbi pxlwi mn h"X? py^yüOx2 pxDj^yi tthd, die plötzlich und ungeahnt aus dem Leben geschieden und am Montag ihre reine Seele ausgehaucht. Tiesee Schmerz ergriff die ganze Gemeinde als sich die Trauerkunde von dem plötzlichen Hinscheiden des in ihrer aufrichtigen Frömmigkeit, in ihrer bei aller Klugheit und mehr als gewöhnlichen Kenntniß

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