Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 27-28 (8.4.1896)
- Date
- 1896-04-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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550 Am liebsten übte er aber die Wohlthätigkeit im Geheimen. Besonders hat er sich als Förderer des hiesigen Synagogenbaues verdient geinacht. Von seiner Menschenfreundlichkeit und seinem edlen Charakter wissen gar manche Familien in unserer Stadt und der Umgegend zu erzählen. Als liebevoller Gatte und Vater seiner Familie stand er als Muster da. Doch ein kurzes, aber sehr schmerzliches Herzleiden hat ihm mitten in blühender Gesundheit im Alter von 54 Jahren ein jähes Ende bereitet. Das Leichenbegängniß dieses edlen und vollkommenen Hin' fand Mittwoch den 25. März unter ganz außerordentlicher Theilnahme statt. Schon um 1 Uhr versammelte sich die ganze israel. Gemeinde, sowie Frennoe, Bekannte und Verehrer des Verblichenen von allen Confessionen aus Nah und Fern im Sterbebause, um der untröstlichen Gattin, den Kindern und übrigen Leidtragenden die innigste Theilnahme an ihrem herben Verluste zu sichern. Um 2 Uhr bewegte sich ein unabsehbarer Leichenzug durch bie Straßen unserer Stadt zum rva, wo Herr Bezirksrabbiner Dr. W e i n g a r t e n-Ems die Leichenrede hielt, ausgehend von den Worten des Wochenabfchnitttes: „TDn narn nnron by npirv —, und den Dahingeschiedenen nach jeder Richtung hin als Muster eines frommen und ehrlichen Hin', eines treuen Gatten und liebevollen Familienvaters und eines edlen Menschenfreundes schilderte. Von tiefer inniger Trauer war die ganze Versammlung ergriffen, als der Redner geendet und das Grab sich über dem Verblichenen geschloffen hatte. Möge der Allgütige der edlen Wittwe und den noch unversorgten onauv, denen der Vater, Freund und Erzieher entrissen worden ist, Trost, Hoffnung und Kraft verleihen! iVarea Lehrer Wagschal. Vereinsnachrichten. Frankfurt a. M. Dem Bericht des Vereines Kindergarten für Israeliten in Frankfurt a. M. für die Jahre 1893. 1894 und 1895 entnehmen wir: Die Sorge für die geistige Anregung geht mit der für das körperliche Wohl der Kleinen Hand in Hand, und hier ist es nicht nur die gute Kost, die unsere Kinder frisch und munter erhält, sondern auch die peinliche Sorge für Reinlichkeit und Sauberkeit; besonders wohlthuend erweisen sich die allwöchentlich verabreichten Bäder — im vergangenen Jahre 76*9 — die nicht nur körperstärkend sind, sondern die Kinder an eine Sauberkeit gewöhnen, welche ihnen für das ganze Leben segenbringend' sein wird. Viele Damen und Herren von hier und auswärts beehrten unfern Kindergarten mit ihrem Besuch. Alle, darunter hervorragende Fachkenner, sprachen sich lobend über unsere Einrichtungen aus, die sie als mustergiltig und nachahmenswerth bezeichneten. So hat Herr Herm. Abraham aus Berlin einen so guten Eindruck von hier mitgenommen, daß er nach dem Vorbild unserer Anstalt eine ähnliche in seiner Vaterstadt ins Leben gerufen hat. Außerdem wurden auf Wunsch Formulare und Auskünfte nach Breslau, München und Aachen gegeben. Es dürfen uns derartige Gesuche um Auskunft die befriedigende Gewißheit gewähren, daß wir uns auf dem richtigen Wege befinden, und daß das lebenskräftig gewordene Institut auch weiterhin feine Lebensfähigkeit zum Besten der kleinen uns anvertrauten Menschenseelen bewähren wird. Für das erfolgreiche Wirken unseres Jnstrtuts spricht auch ferner die Zufriedenheit und Anerkennung, welche unsere Zöglinge in den Schulen, die sie von uns empfangen, erwarben. Die Lehrer und Lehrerinnen sprechen sich recht günstig über deren Anstelligkeit, gesittetes Betragen und Lerneifer aus, so daß die für die Schule vorbereitende gute Erziehung sich bei den meisten recht bemerkbar macht. Diejenigen aber, öie uns in unserem Streben helfend fördern, unsere Mitglieder und Gönner, sie dürfen sich nach solchen Beweisen der Anerkennung sagen, daß die Mittel, die sie uns zuwenden, wohl angelegt und nicht umsonst hergegeben sind. Wir beginnen das Jahr 1896 mit einem Cassa- Saldo von Mk. 422.12 und 679 Mitglieder mit einem Beitrage von Mk. 4928. Wien. Dein VIII. Jahres-Bericht des Kranken- Nnterstützungs Vereines „Liwias Chen" pro 1895 entnehmen wir: Die Einnahmen sowohl beim Bethanseonto als auch beim Kranken-Berein stehen um ein Erkleckliches denjenigen des Vorjahres nach. Der Besuch des Bethauses war bei allen Anlässen ein sehr reger. Die gewährten Unterstützungen in Krankheitsfällen haben den vorjährigen, für diese Zwecke eingestellten Betrag um fl. 200. — überschritten, die Minjangelder absorbirten gleichfalls um fl. 16. —mehr, an Wittwengeldern wurden fl. 90. verabfolgt — Gerichtszeiturrg. Budapest, 26. März. Der katholische Hilfs- Pfarrer Johann Fuß, der den 7« »jährigen Kaufmann Ignatz Adler der rituellen Ermordung eines 5jährigen Christenmädchens beschuldigte, wurde heute vom Schwurgerichte einstimmig der Verlüumdung für schuldig erklärt und zu 14 Tagen Arrest und 50 fl. Geldstrafe verurtheilt. Adler machte in Folge dieser Beschuldigung kürzlich im Wahnsinn seinem Leben ein Ende. Der Prozeß wurde von der Familie des Borstorbenen geführt.