Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 27-28 (8.4.1896)
- Date
- 1896-04-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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551 Feuilleton. Der Letzte seines Stammes Erzählung von Alphonsr de la Hay e. 26) (Alle Rechte Vorbehalten.) „Ich weiß," fuhr die Gräfin erregt fort, „die Gewalt zu schätzen, die Deine Schönheit und Dein sprudelnder Geist über die Männerherzen besitzt, deshalb ja erhob ich Dich zu meiner Bundcsgenosfin und da soll ich eine andere Lösung erwarten? Wie soll ich das verstehen? Oder sollst Du so hochgetragen sein, den letzten Grafen de la Pelouse nicht heirathen zu wollen, weil er in: Judenthume erzogen worden ist? Mädchen, vergißt Du denn, daß Deine Mutter die Tochter eines jüdischen Banguiers war? Es war das einzige Verdienst Deines leichtsinnigen Vaters, daß er ein Judenmädchen der Taufe zugeführt hatte. Und Du solltest es unter Deiner Würde halten, dem letzten Pelouse Deine Hand zu reichen?" „Ich bitte Dich, liebe Tante, schmähe nicht das Andenken meiner Eltern! Die Religion Elchonon'S ist mir kein HindernngSgrund. Ich habe seine Religion in mancher Beziehung bewunderet gelernt uub begreife nicht, wie meine Mutter sich einst entschloß, diese zu verlassen. Ich achte und schätze Elchonon, aber seine Frau kann ich niemals werden, selbst wenn er es wünschen würde." „So lohnst Du meine Wohlthaten", schrie die Gräfin und die Zornesader schwoll gewaltig an ihren Schläfen. „Warum kannst Du seine Frau nicht werden? Etwa, weil Du das Bild eines anderen Mannes in Deinem Herzen trägst? Hat es Dir am Ende gar der Neffe des sauberen Vormundes meines Gaston — Ei, ei! Wie Du erröthest! Ich habe wohl Deine schmachtenden Blicke bemerkt, die Du an ihn verschwendetest, so oft Ihr zusammentrafet. Schade ist es nur, er schien niemals davon Notiz nehmen zu wollen. Schau, schau! Die Baronesse l'Endome und ein Jude . . .!" „Pater Pierre!" ries ein Bedienter lallt, die Flügelthüre öffnend. „Ah, sehr willkommen! Hochwürdiger Vater konnte zu keiner gelegeneren Stunde kommen." „Im Namen aller Heiligen, seid gesegnet, meine frommen Töchter! — Es freut midi, meine Tochter, daß mein Kommen Dir gelegen ist, dock) möchtest Du mir nicht den Grund dafür angeben?" Martha bot ein Bild des Jammers dar. Leichenblässe bedeckte ihr schönes Gesicht, ihre spitzen, weißen Zähne gruben sich tief in die Lippen, als wolle sie dadurch sich hindern, laut vor Weh und Schmerz aufzuschreicn. „Bedenke, hochwürdiger Vater! Martha will die Neigung unseres Gaston nicht gewinnen, weil sie ihn nick)t heirathen will." Das kalte, stechende Auge des Paters glitt prüfend über Martha's Gestalt. „Warum, meine Tochter, willst Du Deiner Tante die Mithülfe zu einem guten Werke versagen?" „Weil man Unmögliches von mir verlangt!" versetzte Martha mit bebender Stimme und thräncndem Auge. „Wie so?" „Man tritt meine jungfräuliche Ehre mit Füßen. Man mnthct mir eine Ausgabe zu, zu welcher sich kein ehrbares Weib bereit erklären würde. Dabei wird von mir Unmögliches verlangt. Kann ich den jungen Mann, der einmal keine Gefühle und keine besondere Zuneigung für mich empfindet, mich zu lieben zwingen? — Sie gestatten, Hochwürden, daß ick) mich zurückziehe. Ich fühle meine ganze Frauenehre in mir tief verletzt und kann nur störend in Ihrer Gesellschaft sein. Gute Nacht!" Ohne ihre Tante nur eines Blickes zu würdigen, verließ sie das Speisezimmer. „Es war nicht klug von Dir, meine Tochter, das arme Mädchen so zu reizen und zu verletzen. Du scheinst mir überhaupt diese Angelegenheit zu überstürzen. Eine "Neigung entsteht nicht so plötzlich; es will Alles seine Zeit haben. Ruhe ist aber das heilsamste Mittel für Dein gestecktes Ziel. Gelassenheit führt zum Sieg, Uebcrstürzung bereitet eine Niederlage." „Dil hast Recht! Hochwürdiger Vater! Es scheint mir auch, als ob icki nickst klug gehandelt habe. Die Gunst dieser hochnäsigen Habenichtsprinzessin verscherzen, hieße für mich in diesem Augenblicke soviel, wie den Letzten meines Stammes aufgebcn. Bisher hat der Junge sich nur durch ihre Schlauheit zu einer größeren Freundlichkeit gegen mich veranlassen lassen. Ich dachte einen Schritt weiter gehen zu dürfen, da stieß ich auf unvorhergesehene Hindernisse und ich wurde erregt, weil ich .' . .!" „Weil Du verwöhnt bist, meine Tochter und was Du wünschst, auch gleich erfüllt sehen möchtest. Allein, Du hast heute gegen alle Klugheit gehandelt! Statt dem Mädckien dankbar zu sein, hast Du es tief gekränkt. Oder glaubst Du nicht, daß, wenn ein junger Mensch sich von der zarten Hand eines Mädchens lenken läßt, er schon eine Neigung für dasselbe empfindet, wenn er es auch nicht merken läßt? — Ist urall nicht berechtigt, den Protest des Mädchens gegen die projektirte Heirath ihrer jungfräulichen Schamhaftigkeit zuzuschreiben? Sei getrost, meine Tochter, der Sieg ist Dein, wenn dieser auch etwas zögernd errungen wird." "Meinst Du, hochwürdiger Vater? Ich wollte