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Der Israelit · 1896-04-08 · Heft 27-28 (8.4.1896) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 27-28 (8.4.1896)
Date
1896-04-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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549 zu je 8 Tagen, Maria Wallner und Theresia Luibenbäck zu je 3 Tagen Arrest verurtheilt. Italien. (F.) Florenz, 8. März. Aus Rom kommt die betrübende Nachricht, daß bei den jüngsten politischen Domenstrationen in dieser Stadt auch Abbasso gli Ebrei! (Nieder mit den Juden!) gerufen wurde, als ob unser Volk die Schuld an dem unglücklichen Ausgange der Schlacht bei Adua trüge. Unsere Talmud-Thsraschule zählt jetzt dreißig und die Nabbiner-Vorbereitungsschule, an der auch Religionslehrer und Vorbeter herangebildet werden, zwölf Zöglinge. Die Oberaufsicht über beide Schulen ist gleichfalls unserem Oberrabbiner anvertraut. Derselbe trägt seit Kurzem auch an den hiesigen öffentlichen Schulen für jüd. Schüler daselbst hebr. Grammatik, jüd. Geschichte, Religionslehre unö Uebers. tzen der hebräischen Gebete ins Italienische vor. Rußland. Petersburg, im März. Das hiesige Judenthum hat einen seiner edelsten Gönner verloren. Vor einigen Tagen verschied nach kurzem Siechthum Dr. Sergiej Aleksandrovitsch Beschadski, außerordentlicher Professor der Rechtsencyklopädie an der kaiserlichen Universität und des Lvccums Hierselbst. In den Adern des Verewigten floß kein einziger Tropfen jüdischen Blutes, sein Urgroßvater sogar war griechischkatholischer Geistlicher — und doch hat er sein ganzes Leben (er war leider nur 45 Jahre alt) und Wirken dem Wohle unserer Glaubensgenoffen, der Erforschung ihrer Geschichte in Litthauen, Polen und Rußland, gewidmet. Sein Werk die „litthauischen Juden" (1883) kann classisch genannt werden. 'Nicht minder schätzbar sind seine Materialien zur Geschichte der Juden in Litthauen t Petersburg 1882. Zwei Bände) und seine zahlreichen Monographien: über Geschichte der Juden in Wilna, über Saul Wahl, über Juden in Polen, Im Exil u. s. w. Die meisten dieser Arbeiten veröffentlichte er in den literarischen Beilagen des „Woschod", wo er auch (im Januarhefte 1836) seine unglücklicherweise letzte, höchstspannende Skizze: über die frühesten Jeschiboth in Altpolen, begann. In Anerkennung seiner hohen Verdienste hat ihn die Gesellschaft zur Verbreitung der Aufklärung unter den russischen Inden zu ihreni Ehrenmitgliede ernannt, hielt am vergangenen Mittwoch einen feierlichen Trauergottesdienft in der hiesigen großen Synagoge ab und beabsichtigt ein entsprechendes Stipendium seines Namens zu gründen. Am Grabe des viel zu früh Dahingeschiedenen hat unser Glaubensgenosse Herr Rechtsanwalt Mar Winawer, ein warmes, schmerzdurchdrungenes Wort gesprochen. England. London. Der Board of Deputies versendet ein Circular, worin er die jüdischen Arbeiter und Fabrikanten auffordert, die durch die Factory-Akt den Juden gewohnten Ausnahmebestimmungen zu beachten, die sich hauptsächlich auf die Heilighaltung tes Sabbat und das Arbeiten am Sonntag bezogen. London. Das Testament Sir Julian Goldsmidt's enthält folgende Bestimmung: „Ich erkläre hiermit, daß, wenn eine meiner Töchter einen Mann nichtjüdischen GlaubensbekenntniffeS heirathet, dieselbe nur die Hälfte ihres Erbt heiles erhält; die andere Hälfte ist zu gleichen Theilen an meine anderen Töchter zu vertheilen." Amerika. New-Aork. Die Kommission des Senats hat ein neues Gesetz für die Einwanderung in den vereinigten Staaten ausgearbeitet. In diesem Gesetz wird als Bedingung der Zulassung gefordert, daß der Einwanderer die Sprache seines Geburtslandes lesen und schreiben könne. Würde der Vorschlag Gesetzeskraft erlangen, so bedeutet er eine erhebliche Beschränkung der jüdischen Einwanderung, denn von den russischen und galizischen Juden kann nur ein Bruchtbcil russisch respektive polnisch lesen und schreiben. Alle können Hebräisch zur Genüge, nm die Anforderung der Kommission zu erfüllen. Wir wollen hoffen, daß es gelingt im Senat eine dahingehende Abänderung durchzusetzen. New-Uork. Am 22. Februar fand eine große Versammlung der orthodoxen Gemeinden unserer Metropole statt. In dieser überaus stark von 35 Kongregationen beschickten Versammlung wurde von allen Seiten für eine Vereinigung der zahlreichen Gemeinden ähnlich der United Synagogue of London plaidirt. Rach einander sprachen der Reverend Dr. H. P. Mendes, Dr. Drachmann und Rabbi Peckes für dieses Projekt. Die Versammlung nahm dann einen Beschluß einstimmig an, wonach eine Kommission, zu der jede Gemeinde einen Delegirten stellen soll, beauftragt wurde, das Unionsprojekt auszuarbeiten. > Personalien, -f Montabaur, 31. März. Die hiesige isr. Gemeinde hat einen sehr schweren Verlust erlitten. Am 23. März verschied hier der Lederhändler und Gerber Herr Heymann Löb, ein Ehrenmann im wahren Sinne des Wortes. Der Verstorbene hat sich in unserer Stadt und der ganzen Umgegend, bet Juden wie bei Christen, eine außerordentliche Beliebtheit und Verehrung erworben, deren er aber auch in vollstem Maße würdig war. Er war bekannt und hochgeschätzt als frommer Jehudi und als np*re tya.

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