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Der Israelit · 1896-03-26 · Heft 25-26 (26.3.1896) · page 31

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 25-26 (26.3.1896)
Date
1896-03-26
Page
– (sequence 31)
Language
German
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WWW LU,"^ 585 Verbreitung finden würden. Ich bin aber bereit, den an mich ergangenen, wenn auch sehr ehrenhaften Auftrag abzulehnen, wenn Sie sich entschließen könnten, mir innerhalb 24 Stunden die Summe von 10,000 Mark als Darlehen zu überlasten. Auf prompte Rückzahlung innerhalb drei Monaten können Sie bestimmt rechnen." Rur mit Mühe hielt sich Dr. Epstein zurück, wahrend der Rede des Redakteurs ruhig zu bleiben. Die Adern seiner Stirn schwollen bis zum Platzen und als Dr. Forstwart geendet, mußte er seine ganze Kraft zusammennehmen, um nicht diesen an der Gurgel zu packen und zu erwürgen. „Hinaus, elender Schuft," schrie er, „hinaus aus meinem Hause, Lump. Lassen Sie sich von jener seilen Dirne bezahlen, die Sie beauftragt hat. Von mir haben Sie nichts als höchstens Prügel zu erwarten." Damit ergriff er den Erpresser am Kragen seines Rockes und schleppte ihu vor die Vorthüre. „Laß mich nur los, mein Brüderchen, ich gehe schon allein," brachte Dr. Forstwart mit heiserer Stimme hervor, „aber das verspreche ich Dir, die Broschüre soll noch etwas pikanter werden, als sie ursprünglich beabsichtigt war." „Schreibe was Du willst. Du Gauner, und laste mich in Frieden," ries ihm Dr. Epstein nach und warf mit Wucht die Thüre des Vorplatzes zu. Dr. Epstein kehrte zu seiner Familie zurück. Trotz seiner furchtbaren Erregung gab er den Seder genau so, wie es sich geziemte und erzählte seinem kleinen Knaben heute Abend noch schönere Geschichtchen, wie am Tage vorher. Erst nach Beendigung des SederS überwältigte ihn der Eindruck des heutigen Ereignisses, und er sank fast leblos in die Kissen des Sederbettes zurück. Auf die Bitten seines Weibes berichtete er ihr von dem Ansinnen, das heute Abend an ihn gestellt worden war, doch gelang es dieser nicht, die aufgeregten Sinne des treuen Mannes zu beruhigen. Nachdem das junge Paar noch einen Spaziergang durch die Promenaden gemacht hatte, um auf diese Weise Erholung und Stärkung zu finden, suchten sie betrübten Sinnes ihr Lager auf. * Pc-fach war längst vorüber, das herrliche Schabuoth-F st war gekommen und Feld und Wald prangten im frischen Grün des jungen Frühlings. In M. hatten sich inzwischen für die jüdische Gemeinde daselbst unangenehme Dinge zugetragen. In vielen Tausenden von Exemplaren war eine antisemitische Broschüre verbreitet worden, in welcher dem Vater und Schwiegervater des ersten Vorstands-Mitgliedes der jüdischen Gemeinde die grouenhafteften Dinge nachgesagt waren. Und das Schlimmste von Allem war noch, daß sie scheinbar den Stempel der Wahrheit an sich trugen. Da waren alle Namen, Ortschaften und Daten genannt, wo und wann der alte Epstein seine Wuchergeschäfte und Betrügereien ausgeführt haben sollte, auch eine Reihe hocharistokratischer Familien waren verzeichnet, mit denen der alte Levy, der Schwiegervater des Dr. Epstein, allerlei zweifelhafte Geschäfte gemacht zu haben angi.schuldigtwar. Die ganze Stadt sprach von nichts Anderem, als von der Broschüre „Iudengeld", welche man in hochelegantem Einband in den Schaufenstern aller Buchhandlungen der Stadt sehen konnte. Wie ein Sturm brach es infolgeüeffen aus Dr. Epstein herein. Die jüdische Gemeinde, die sich infolge der Broschüre auf das Aergste compromittirt fühlte, bat den Anwalt in einem kühlen Schreiben, das Amt eines ersten Vorstehers solange niederzulegen, bis die gegen seine Familie erhobenen Anschuldigungen entkräftet seien. Aehnliche Briefe erhielt er von einer Reihe von Vereinen und Corporationen, in welchen er eine führende Rolle spielte. Ein großer Theil seiner Clienten entzog ihm ihre Mandate und wenn er sich in einem Restaurant blicken ließ, so hatte man nichts Eckigeres zu thun als sich ostentativ aus dem Lokale zu entfernen. Die junge Gattin des Anwalts rang verzweifelt die Hände ob des Unglücks, das über ihr Hms hereinzubrechen drohte. Aber Dr. Epstein verstand es, sie zu beruhigen und auch er selbst verlor keinen Augenblick die Ruhe seines Gemüthes. Wußte er doch, daß alle die Anschuldigungen vollständig aus der Lust gegriffen waren und daß bald, gar bald, das ganze Schandgebäude in sich selbst Zusammenstürzen würde. Sofort nach Erscheinen der Broschüre reichte er gegen Dr. Forstwart die Beleidigungsklage ein und wirkte auch mit ungeheuerein Eifer daraus hin, daß der Termin in allernächster Z it aug.setzl werde. Es war ein Tag nach dem Wochenseste, als die Verhandlung staltsand un) die Gallerten des Sitzungssaales konnten unmöglich die Tausenden uno Abertausenden von Zu« Hörern fassen. Lautlose Stille herrschte als Dr. Epstein seine Vertheidigungsrede begann. Nicht nur Dr. Forstwart, auch Graf und Gräfin Donnersberg waren angeklagt, sich an der Abfaffung und Verbreitung der frei erfundenen Lügen und Verleumdungen wider Dr. Eppstein betheiligt zu haben. Zuerst schilderte der Anwalt die Entstehungsgeschichte der Broschüre, sodann wies er Punkt für Punkt nach, wie alle diese Behauptungen vollständig aus der Luft gegriffen seien. Sein Vater besaß eine große Schuhfabrik, die sich haupffäch ich mit dem Export von Schuhen und Stiefeln nach Indien und Australien befaßte und durch welche er sein großes Vermögen errang. Mit der Geldverleihung an Bauern und Handwerker habe er sich niemals abgegeben. Zum Beweise brachte er die

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