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Der Israelit · 1896-03-26 · Heft 25-26 (26.3.1896) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 25-26 (26.3.1896)
Date
1896-03-26
Page
– (sequence 30)
Language
German
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584 den Geldstrafe von Mark 500 gepfändet und sollte, wenn am nächsten Tage das Geld nicht herbeigeschafft würde, öffentlich versteigert werden. Auch war er dem Restaurateur, der ihn während seiner dreimonatlichen Gefängnißstrafe verköstigte, eine schöne Summe Geldes schuldig und dieser, der Besitzer des Hotels Aria Teutonia, der selbst von seinen Gläubigern hat bedrängt wurde, verstand keinen Spaß. Was Wunder also, daß Dr. Forstwar» seine ganze Hoffnung auf das vom Grafen in Aussicht gestellte Geschäft setzte und schon eine halbe Stunde vor der anberaumten Zeit vor dem Schlöffe auf- und abpromenirte. Punkt 11 Uhr begannen denn auch die Berathungen. „Hören Sie mal, lieber Doktor", schnarrte der Graf, „wie viel Vorschuß muß man Ihnen geben, wenn Sie uns in drei Tagen eine Broschüre machen sollen?" „2000 Mark", war die prompte Antwort. „Kerl, sind Sie verrückt? Ich denke 10O Mark genügen." Der Graf kannte nämlich sein Publikum und wußte, was man auf solche Forderungen zu bieten hatte. „Bedaure unendlich, Herr Graf, diesmals kann ich mich nicht so billig abspeisen lassen. Wenn ich dem Gerichte nicht heute noch 5OO Mark übersende, werden morgen meine Möbel versteigert und Gastwirth Blomeck sitzt mir ebenfalls hart auf dem Nacken." „Wieviel bekommt dieser?" „300 Mark". „Das wären 800 Mark zusammen, so viel ist mir die Geschichte nicht werth", versetzte der Graf scheinbar gleichgültig. „Geben Sie mir 200 Mark sofort und 2OO Mark nach Ablieferung des Manuscripts, ich werde jedem eine Abschlagszahlung von 100 Mk. schicken, und so von beiden Seiten einen Aufschub erwirken." „A la bonheur, nun können wir in die Verhandlung eintreten. Amalie, hast Du vielleicht zufällig soviel bei Dir?" Mit verächtlichem Blicke holte die Gräfin zwei blaue Scheine aus der Tasche, um sie dem ehrenwerthen Redakteur vor die Füße zu werfen. Dieser jedoch, als bemerke er den Schimpf nicht, hob die beiden Scheine vom Fußboden auf und barg sie sorgfältig in seiner Tasche. Alsdann berieth die saubere Gesellschaft eingehend, in welcher Weise die Broschüre verfaßt werden solle. Dr. Forstwart behauptete, daß er in die intimsten Geschäfts- und Familienverhältniffe Dr. Epsteins bereits eingeweiht sei und daß es ihm ein Leichtes wäre, eine Aufsehen erregende Geschichte über diese Familie vom Stapel zu lassen. Der Vater Dr. Epsteins fei ein alter Wucherer aus Oberheffen gewesen, der Hunderte von Bauern, von Haus und Hof gejagt habe, während der Schwiegervater des Anwalts sich hauptsächlich durch Geldverleihung an Offiziere und Beamte seinen Reichthum erworben habe. Der Graf und die Gräfin waren von der Routine und der Findigkeit oes Redakteurs hoch entzückt; in dem Gefühl der befriedigten Rache jauchzte die Gräfin laut auf und bat ihre beiden Cumpane, die Sitzung mit einigen Flaschen Hidesik- Monopol beschließen zu dürfen, was diese sich nicht zweimal sagen ließen. Erst spät am Abend verließ die saubere Gesellschaft, auf das Höchste animirt, das gräfliche Schloß. * * * Der erste Tag Jomtof verlief in der Epsteinfchen Familie in schöner, angenehmer Weise, wie dies bei glücklichen und frommen Menschen ja nicht anders zu erwarten ist. Man besuchte die Synagoge, verrichtete mit Andacht die Festgebete, ließ sich durch die Predigt des Rabbiners erbauen und benutzte den übrigen Theil des Tages zu den Festmahlzeiten, zum Studium in der heiligen Gotteslehre und zum Spaziergange in dem herrlichen Frühlingswetter. Der zweite Sederabend nahte heran und Epstein's kleiner Walter freute sich gar sehr, auch heute wieder aus dem Munde des Vaters herrliche Erzählungen über den Auszug unserer Väter aus Egypten hören zu dürfen. Man war gerade im Begriffe sich zu Tisch zu setzen, als das Dienstmädchen meldete, daß ein Herr draußen sei, welcher Dr. Epstein unter vier Augen zu sprechen wünsche. „Sie wiffen doch, daß ich am Feiertage mit Niemandem geschäftlich verkehre." „Das sagte ich auch dem Herrn, er behauptete aber, es sei eine dringende Privatangelegenheit, die den Herrn herführe." „So führen Sie ihn in das Nebenzimmer." Der Anwalt trat in das anstoßende Gemach und erblickte zu seinem nicht geringen Erstaunen den bekannten antisemitischen Agitator Dr. Forstwart. „Was steht zu Diensten, Herr Doktor?" „Sind wir vollständig allein?" „Wie Sie sehen." „Kann uns Niemand hören?" „Was sollen diese Reden, womit kann ich Ihnen dienen?" „Ich bin von hochariftokratischer Seite mit der Abfaffung einer Broschüre beauftragt, welche die Chronik Ihrer hochgeschätzten Familie und namentlich die Geschichte des Ursprungs von Ihrem und und Ihrer Frau Gemahlin Vermögen eingehend schildern soll. Ich weiß ganz genau, wie diese Vermögen entstanden sind und es dürfte Ihnen und Ihrer Familie wohl kaum angenehm sein, wenn einige Details hierüber in einer Schrift in hiesigen Kreisen

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