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Der Israelit · 1896-03-26 · Heft 25-26 (26.3.1896) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 25-26 (26.3.1896)
Date
1896-03-26
Page
– (sequence 28)
Language
German
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532 hierbei meine ganze Kraft in Deinen Dienst zu stellen. Laß Dich umarmen, mein Engel, zur Besiegelung des neuen Kriegsbündnisses". „Nicht eher, als bis Du mir gesagt hast, wie Du den Dokter Epstein zu vernichten gedenkst." Mit innerer Abscheu musterte die Gräfin die verlebte Gestalt ihres Gemahls und unwillkürlich kamen ihr Vergleiche zwischen der edlen Erscheinung Epsteins und dem so nachlässig vor ihr liegenden ehemaligen Husaren-Lieutenant mit dem rothen, vom Weine aufgedunsenen Gesichte. Doch der Haß gegen den ehemaligen Freund wüthete zu sehr in ihrer Brust, als daß der Eindruck derartiger Vergleiche eine Wirkung in ihr hätte Hervorrufen können. „Wie ich den Juden zu vernichten gedenke? O, Kind, überlasse das ganz mir, nichts ist heute leichter, als die Existenz eines Juden zu untergraben". „Ich muß aber vorher wissen, was Dil zu thun gedenkest, eher lasse ich mich auf nichts ein". „Nun, den! Wir machen Folgendes: Morgeil in aller Frühe lassen wir uns den Doktor Forstwart, Redakteur der Deutsch-Nationalen Zeitung rufen. Der Junge thut alles, was ich will. Der muß eine Broschüre gegen Epstein und die ganze Mischpoke loslassen, sodaß kein Hund mehr ein Stück Brod von ihnen nehmen wird. Wahrscheinlich ist das Geld, das der Doktor und feine Frau besitzen, von den beiderseitigen Tatten zusammengewuchert und zusammengegaunert. Das soll der Forstwart erst einmal genau untersuchen. Wenn das erst festgestellt und in einer eleganten Broschüre in allen Kreisen der Stadt verbreitet ist, dann wollen wir einmal sehen, wie lange noch der Jude in allen seinen Ehrenämtern sitzen bleibt und ob Kollege Hohenberg vom Zwölferktub ihn immer noch als seinen Vertreter behalten wird". In Amaliens Augen leuchtete es aus. Entzückt reichte sie ihm ihre Hand, die dieser galant an die Lippen führte. „Du bist immer noch mein kluger Bruno", sagte sie ausathmend, „auf wann gedenkst Du Herrn Dr. Forstwart zu einer gemeinsamen Berathimg zu bestellen"? „Sobald Du mir mit einem kleinen Tausendmarkscheinchen zur Deckung meitier dringendsten Bedürfnisie unter die Arme gegriffen haben wirst, edle Seele". „Unverschämter", knirschte Amalie, zog aber nichtsdestoweniger ihr Chekbuch aus der Tasche, füllte einen Chek mit dem genannten Betrage aus, riß ihn aus dem Buche und warf ihn dem Grafen aus den Schooß. Sofort ergriff der Graf einen Klopfet, um vermittelst eines in der Nähe stehenden Tamtams einen Diener hereinzuläuten. „Jean, geh' in die Stadt aus die Redaktion der Deutsch-Nationalen Zeitung und sage dem Herrn Dr. Forstwart, daß ich ihn Morgen Vormittag 11 Uhr zu mir bitten lasse, Du bist doch ebenfalls hier, Amalie"? „Selbstverständlich", erwiederte die Gräfin und entfernte sich ohne Gruß. * -i- * Dr. Epstein war mit Frau und Kind in froher Laune die Promenade entlang gegangen und freute sich der herrlichen Frühlingsluft, die ihn lind umwehte. Sein Weibchen an der Seite, sein Kind an der Hand fühlte er sich sehr glücklich. Des Knaben harmloses Geplauder entzückte sein Herz und er sagte in überquellendem Gefühl: „Jetzt erst kann ich die Schwere der letzten Strafe begreifen, mit welcher Gott die Egypter heimsuchte. Erst wenn man selbst Kinder hat, weiß man uns kann man ermessen, wie der Verlust eines Kindes schmerzt." „Jede Strafe muß meiner Ansicht nach, wenn es eine göttliche Strafe ist, schrecklich lein; denn die Schuld, deren Folge die Strafe ist, muß schon für sich allein schwer drücken," sagte seine Frau! „Nicht Jeder hat ein so frommes Herz und reines, kindliches Gemüth wie Du. Mancher lebt froh und vergnügt im Bewußtsein seiner Schuld! Wie Mancher lädt Schuld auf Schuld und empfindet die göttliche Strafe nicht einmal als solche." „Das können nur schlechte, gottlose Menschen sein, und ich bin froh, daß ich solche Menschen nicht kenne. Apropos! Wir haben zu der Sederfeier ja noch keinen Gast." „Ich werde, so Gott will, damit mir Mesummen benschen können, zwei junge Leute einladen, den ersten Sederabend unser Gast zu sein?" „Und am zweiten Abend?" „Am zweiten Abend möchte ich selbst der Gast der Eltern sein." „Nein, mein Hans! Jetzt, da unser Kind schon Verständniß hat für das, was um es vorgeht, ist es unsere Pflicht, im eigenen Hause Seder zu geben." „Du hast Recht, mein Kind und ich will am zweiten Abend eine Doppelseier begehen und die beiden jungen Leute wiederum einladen, denn mir hat sich am zweiten Sederabend das Wort der Hagadah bewahrheitet: Acht unsere Väter allein hat Er erlöst, sondern auch uns. Ein zweiter Sederabend hat mich aus Banden erlöst, die, wären sie nicht gelöst worden, mich schlimmer gedrückt hätten, als Sclavenketten." „Ei, ei, was muß ich hören", sagte die Frau Dr. t

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