Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1896-03-26 · Heft 25-26 (26.3.1896) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 25-26 (26.3.1896)
Date
1896-03-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2448608-2448634--41540-2490502
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

» l.«.1 f.t 515; } j i Freiheit, die Meereswogen scheu zurückwichen und als drohende Waffermauern sich aufbäumten, bereit jeden Augenblick auf die Hindurchziehenden niederzustürzen, in Wirklichkeit aber den Erlösten einen Durchgang bahnten, den sie heitern Sinns durchschritten, so gestaltete sich das Verhältniß zwischen Israel und den Völkern, durch die es seit Jahrtausenden schritt und schreitet. Sie erhoben sich drohend, um den Hindurchziehenden das Grab zu bereiten, aber diese finden in dem sie umtosenden Völkergewoge den Pfad, der sie zum sicheren Hort bringt, dessen Erreichen sie wie damals am Meere mit denselben Sangesworten feiern: -b Tn '* man ny Die Unüberwindlichkeit, die sie siegend den Kampf mit einer ganzen empörten Welt aufnehmen und bestehen läßt, verdanken sie Gott und seiner Hilfe. So trägt der Jude singend und jubelnd sein Geschick trotz der eigenen materiellen Schwäche und Hinfälligkeit. Gottes Rechte ist für seine Gerechten stark und giebt ihnen die Kraft der zuversichtlichen Ueberzeugung, daß sie leben werden trotz des sie bedrohenden tausendfältigen Todes und durch diese ihre stetige Errettung aus unzähligen Gefahren Gottes Thaten zu verkünden haben. Wohl hat es Gott oft und hart gezüchtigt, aber sterben läßt er es nicht. Es bahnt dem Recht feilten Weg auf Erden und öffnet, Gottes Preis verkündend, die Pforten, welche dazu führen, damit alle Gerechten Nachfolgen. Deshalb dankt es Gott seine Armuth, denn mit seinem Leiden und Dulden ist es der Gradmesser für den Rechtlichkeitssinn seiner Umgebung geworden. Diese hat es lange verächtlich als Mitarbeiter an dem Heilesbau der Menschheit zurückgewiesen und nun ist es zum Grundstein und Eckpfeiler geworden, ihm selber unbewußt und wunderbar ist nun der Tag angebrochen, mit dem seine Verkennung ihr Ende erreicht hat und lauter Jubel und ftillselige Freude an deren Stelle treten. Dafür erbitten sie Gottes Hilfe und Gottes Gelingen und begrüßen alle im Namen Gottes Kommenden mit dem Segen, der allein dem Hause Gottes entstammt. E§ ist die Stätte ihrer Erleuchtung, aber auch ihres Opfersinnes, und wie sie dort ihr Lebensblut symbolisch Gott geweiht, so fordern sie zu gleicher Hingebung an dieser Opferstätte Alle, die diesen Segen nun unverlierbar davontragen möchten. .“jODm 'n -pM nna Ps „Du bist mein Gott", ich will Dir huldigen und Dich, meinen Gott, als das Höchste hinstellen", so lautet der Jubel, mit dem die Gotterlösten ihr Glück der Welt nicht erst einst, sondern schon heute erzählen. Ein bekannter Commentar unseres Gebetbuches O"kin -p-, oy ntenn -noa nntc^ nuvo begleitet diese Worte mit folgender Anmerkung: nvrp ’itoty ntwn riu Ywb yiain \o ’toi ni pio&a .im»DN3 PNIffTI 3P3 „Bei diesem Satze ist es faktisch unmöglich, die Höhe der Freude darzustellen, die das Herz eines israelitischen Mannes erfüllen mußte, wenn er ihn ausspricht. Wenn dafür allein, für das Glück, mit dem Munde die Worte sprechen zu dürfen: nnw 'n „Du bist mein Gott", man das Leben selbst hingeben würde und die ganze niedere Welt zurückließe das wäre nicht zu theuer bezahlt. Freilich, wenn man diese Worte ohne Begeisterung und ohne den Vorsatz spricht, das Herz dieser Freude an Gott zu öffnen, dann wird diese Freude unmöglich von selbst das Herz erfüllen, denn dieses schlaft, wenn es Niemand für diese Freude weckt" u. s. w. Das ist der jüdische Hochgesang, der uns durch die Jahrtausende unseres Exils begleitet, der aber niemals inniger, sehnsüchtiger und hoffnungsvoller hinaus in die Nacht klingt, als in der Gedächtnißstunde unserer einstigen Erlösung, als in den Sederabenden. Die Feftsänger besiegeln daher das Lied mit Y»n na'ia mit dem Segen, der aus ihm quillt, mit der Ueberzeugung, daß nicht nur wir, daß alle Gottesgeschöpfe sich einst mit uns zu diesem Gottespreis vereinigen werden:?ai ijisn »ttny D’pny -p’oro ptyyn bv 'n p wvbri' ttmy’MDDm nND’i mann o-o’i nr nna rva py w Yow hnj “iOKPi nmrP aita -p »a uayo *jd» dn dtd’i .rmarna pphd po 'i nns "jna 'n nn« otny lyi DPiyo „D i ch (tz o t t, unser Gott, werden noch einmal alle Deine Geschöpfe preisen, und Deine Fron: men, die Gerechten, die Deinen Willen vollziehen, Dein ganzes Volk, das Haus Israel, mit Jubel werden sie huldigen, segnen, rühmen, verherrlichen, erheben, preisen, heiligen und königlich feiern DeinenNamenunserKönig. Denn gut i st es. Dir zu huldigen und schön ist es, Deinen Namen zu singen, denn von Ewigkeit bis zu Ewigkeit bist Du Gott. Sei Du gepriesen, Gott unser Gott, König, verherrlicht durch Lobesliede r". J) *) Wir schließen hiermit unsere Erklärung zur Hagada schel Pesach, um sie mit Gottes Hilfe nächstes Jahr fortzusetzen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.