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Der Israelit · 1896-03-26 · Heft 25-26 (26.3.1896) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 25-26 (26.3.1896)
Date
1896-03-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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516 Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. 8. Frankfurt a. M., 23. März. Heute ist ein um die Jugend der hiesigen Religionsgesellschaft verdienter edler Mann dahingegangen. Herr Moses Plaut, der 68 Jahre lang als Lehrer an der Realschule der isr. Religionsgesellschaft in treuer Hingebung gewirkt, der einen großen Theil gereifter Männer in dieser Gemeinde seine Schüler nennen konnte, ist aus dem Leben geschieden. Im Jahre 1835 zu Rauschenberg im ehemaligen Kurhessen geboren, besuchte er, nachdem er die Heimathschule absolvirt, das jüdische Lehrerseminar zu Kassel. Schon dort zeichnete er sich durch seine Strebsamkeit und guten geistigen Anlagen aus. Nach bestandenem Examen ging er nach Frankfurt, woselbst er durch Unterricht seinen Unterhalt erwarb und die günstigen Gelegenheiten, die diese Stadt lerneifrigen Jünglingen bot, gut ausnützend, an seiner geistigen Aus- und Weiterbildung rüstig arbeitete. Er stand noch in einem sehr frühen jugendlichen Alter, als er zum Lehrer an der seit einigen Jahren bestehenden „Unterrichtsanstalt" der isr. Religionsgesellschaft ernannt wurde. Der Jüngling arbeitete aber wie ein ernster, gereifter Mann, und dieser Ernst ist der Grundzug seines Lebens geblieben. Er wußte die kleinen Herzen sich rasch zu gewinnen, die Kinder sahen in Liebe zu ihm hinauf, und Liebe und Hochachtung brachten ihm die Ellern der Kleinen entgegen Und so ging es unentwegt bis zu seinem Lebensende. Ungeheuchelte Frömmigkeit, peinlichste Pflichttreue, eine ernste Auffassung des Lebens, ohne aber der geselligen Heiterkeit ihr Recht zu verkümmern, zeichneten ihn sein Leben hindurch aus. Nie hörte er aus, an seiner Weiterbildung zu arbeitet!, und wußte täglich bei seinen Berufspflichten Zeit für das Studium der Thora zu finden. Seit den letzten Wochen traten die Anzeichen eines schweren inneren Leidens hervor, so daß der Arzt dem nunmehr Dahingegangenen die größte Schonung anempfehlen inußte und die Verwaltung der Schule sich in seinem Interesse mit der Frage seiner Pensionirung zu beschäftigen hatte. Er wußte dies wohl, ohne aber die Schwere seines Leidens zu ahnen, wenn er auch Beschwerden fühlte. Aber diese Beschwerden konnten ihn nur im äußersten Falle veranlassen, seinen Unterricht zu versäumen und noch heute Vorinittag begab er sich trotz Abmahnung seines Arztes zur Schule und erfüllte die Pflichten feines ihm so lieb gewordenen Berufs. Am Nachmittag raffte ihn ein Herzschla' dahin. So läßt sich auf ihn wörtlich anwenden: my *iy *miry^i, er arbeitete, er harrte im Dienste seiner Pflicht bis zu seinem Lebensabend aus, bis der Tod seinem Arbeiten ein Ziel setzte. Einen pflichttreuen Lehrer hat die Schule verloren, seine kleinen Schüler betrauern in ihm den liebevollen und milden Erzieher, die Kollegen verlieren in ihm einen Freund und nicht wenige verschämte Arme einen Wohlthäter und Fürsprecher. Schwer gebeugt steht die trostlose Gattin, die in ihm, mit dem sie so unendlich glücklich gelebt, alles verliert, an seiner Bahre. Möge Gott sie trösten, und möge sie in dem Bewußtsein ihren Trost finden, daß in demselben Maße, wie er sie beglückt, ste auch ihn beglückt und seine Lebenstage heiter gestaltet hat. England. London. Am 29. und 30. März findet hier die Volkszählung statt. Da diese Tage gerade auf unsere Feiertage fallen, so hat der hiesige Oberrabbiner die Generalregiftratur informirt, daß die Juden die Formulare der Volkszählung erst am 31. ausfüllen können. Der Chef der Volkszählungskornmission hat dem entsprechend die Verfügung erlassen, daß während im allgemeinen die Formulare Montag den 30. März einzusammeln sind, die den Juden übersandten erst am 31. März abgeholt werden sollen. Dies Vorgehen ist ebenso ehrenvoll als Zeichen der Toleranz der englischen Behörden, wie als Beweis für das jüdische Selbstbewußtsein unserer Glaubensgenossen in England. Vermischtes. London. Der hiesige Baron Ferdinand de Rothschild ist unter die Schriftsteller gegangen. Er hat von jeher literarische Neigungen bekundet und stets einen Kreis von Gelehrten und Schriftstellern um sich versammelt. Demnächst wird ein Band, betitelt „persönliche Charakteristiken aus der französischen Geschichte" im Berlage von Macmillan u. Co. von ihm erscheinen. Das Buch enthält Charakter- Zeichnungen von Louis XIV, Louis XI., Franz I., Madame de Pompadour, Kardinal Mazarin, Voltaire, Marie Leszinska und Kardinal Richelieu. Bad Harzburg. „Hötel Parkhaus“ “MO Feines Restaurant u. Pension, eleg. Hotel, 46 Z. m. Balkons, vornehmste Lage. Streng rituell; u. Aufsicht Sr. Ehrw. d. Herrn Rabb. Dr. Auerbach, Halberstadt. BokZügl Verpflegung. (99 a . Herren- und Knaben-Kleiderstoffe. Kammgarne,Tuche,Velour,Loden etc, zu den billigsten Preisen Buxkin doppeltbreit k M. 1.35 per Meter. Muster auf Verlangen franco in’s Haus. Cheviot doppeltl>reit k M. 1,95 per Meter. versenden in einzelnen Metern franco ins Haus OETTIÄTtJER & Co., Frankfurt am Main. Separat-Abtheilung für Damenkleiderstoffe. Preis von 88 Pf. per Meter an.

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