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Der Israelit · 1896-03-26 · Heft 25-26 (26.3.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 25-26 (26.3.1896)
Date
1896-03-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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510 Aus der Lehrerwelt. 29. Capitel. Aus dem Grotzherzogthum Hessen. Die Anstellung jüdischer Lehrer an den Sünultanschulen in Hessen, datirt aus dem Jahre 1875, iu welchen; Jahre das neue liberale Volksschulgesetz in Kraft trat; nur Lehrer Rothschild in Worms wurde schon vor dieser Zeit von der früheren Oberstudien- Direktion an der christlichen Schule angestellt. Man muß zugestehen, daß der Referent des Schulgesetzes in der zweiten Kammer und nachheriger Referent im Ministerim, Geh. Oberschulrath Greim alles aufbot, um jüdische Lehrer unterzubringen, wo die Verhältnisse es ihm ermöglichten. Dieser Herr ist nun vor Kurzem wegen vorgerückten Alters in den Ruhestand getreten und Oberschulrath Dr. Eisen Hut ist sein Nachfolger geworden. Es gereicht uns zur außerordentlichen Freude, constatiren zu können, daß auch dieser Herr in der Anstellung jüdischer Lehrer an Communalschulen eine Ausnahme nicht macht, denn während seines kurzen Amtirens ist der jüdische Schulaspirant Wolf Sondheimer aus Beerfelden definitiv an die Volksschule zu Darmstadt und für den pensionirten Lehrer F e u ch t w a n g e r an der Communalschule in Bürgel (Kreis Offenbach) ist der jüdische Lehrer Weinberg, bisher an der Religionsschule zu Odernheim, angestellt worden. Feuilleton. Der Letzte seines Stammes Erzählung von Alphonse de la Huye. 241 (Alle Rechte Vorbehalten.) „Nicht doch," erwiederte Dr. Marpua, der in Gedanken versunken am Fenster stand. Wir gehören auch nicht zu denen, die viel Werth auf ein pünktlich einzunehmendes Mahl legen." „Aber Ihnen, Fräulein Recha, wird es unangenehm sein, daß Sie so lange mit dem Essen auf meinen wenig taktvollen 'Reffen warten müssen." Recha, die mit einem, vom Feuerherd gerötheten Gesichte aus der Küche in das Wohnzimmer trat, lächelte schalkhaft, indem sie erwiederte: „Nicht im Mindesten. Im Gegentheil, ich bin Ihrem Herrn Neffen Dank schuldig; ohne sein langes Ausbleiben wüßte ich nicht, ob heute pünktlich das Esten aufgetragen hätte werden können." „Er kommt!" stieß Marpua hastig hervor. „Wer Papa? Elchonon?" frug Recha gespannt. „Laß es gut sein, Närrchen! Wer spricht von Elchonon? Nein, Dr. Longini, unser lieber Gast." „Ah allein?" frug Dr. Blum, indem er an's Fenster trat. „Richtig! die Gräfin hat also Beschlag auf den armen Jungen gelegt. — Wie bedauerlich." Durchsch aut. Mit erhitztem Gesichte vom schnellen Laufen trat Lucien in das Haus. Er nahm seinen Hut ab, trocknete die Schweißtropfen an seiner Stirn. „Sie verzeihen, meine Herrschaften, daß ich so lange fort blieb," versetzte er, als er sich auf einen Stuhl niederließ. „Mein Fortbleiben ist noch um so rücksichtsloser, da ich Ellch auf mich wartend hungern ließ, während ich eingetretener Umstände wegen, wie Ihr gleich vernehmen werdet, mich schon an Speise und Trank gelabt habe. Doch unbesorgt, Fräulein Recha! Rümpfen Sie deswegen nicht Ihr Naschen! Ich werde auch Ihrer Küche Ehre machen." „Run, was bringst Du?" frug Dr. Blum etwas ungeduldig. „Warum bliebst Du so lange fort?" „Das wären zwei Fragen auf einmal," lachte Longini. „Nur Geduld, ich werde beide beantworten. „Die Frau des Gärtners, der ich für nleinen Professor heute einen Besuch abstattete, hatte eine sehr schlimme Nacht und es ging eine geraume Zeit vorüber, bis ich mit der Untersuchung und mit dem Ordiniren fertig war. Der gesprächige Gärtner, der mich hinausbegleitete, hielt mich noch länger auf, indem er mir allerlei von seiner Herrschaft erzählte. Während wir so mit einander sprachen, sauste an uns eine offene Equipage vorbei. Auf dem Vordersitze hatte die alte Gräfin uub an ihrer Seite eine junge Dame von wahrhaft blendender Schönheit, Platz genommen; auf dem Rücksitze lehnte sich aus seidenem Polster Elchonon und er schien in eifriger Unterhaltung mit den Damen zu sein, denn er merkte meinen Gruß nicht. Ich kenne Fräulein l'Endome aus P . . . . wo ich der behandelnde Arzt ihres Vaters war. Ich gestehe, ich kenne kein schöneres und geistreicheres Mädchen, als jenes. Wie schade, daß sie keine Jüdin ist!" „Ah, das klingt ja wie ein Roman!" versetzte Blum erregt. „Es war Zeit, daß ich kam, denn solche Liebelei ist der erste Schritt zum sittlichen Verfall. Sprich! Du bist doch etwa nicht wegen des Dämchens, so freudig dem Rltfe des Professor Rosner gefolgt r „Unbesorgt, lieber Oheim," erwiederte Lucien mit tiefem Ernst. „Ich weiß, welcher Abstand zwischen mir und Fräulein l'Endome besteht. Du kannst ohne Sorge sein. Es siel niemals ein Wort zwischen uns, das auf ein Liebesverhältnis; hinzielen könnte. Ich wollte damit nur andeuten, wie geschickt die Gräfin mit Argumenten umzugehen versteht. In beständiger Nähe eines solchen Weibes, ist die Verführung ein Kinderspiel." „Du hast Recht, mein Sohn," sagte Dr. Blum k besänftigt, „doch fahre fort." ' S'

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