Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 25-26 (26.3.1896)
- Date
- 1896-03-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448608-2448634--41534-2490496- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
..'ai'yr - 509 O e st e rr.-Un gar. M onarch ie. LVien, 23. März. (Abgeordnetenhaus.) Unterrichtsmmister Gautsch beantwortete die Interpellation wegen des Beschlusses ver deutschnationalen Studenten über die Satisfaktionsunfähigkert der Juden folgendermaßen: Gegen denjenigen Studenten (Mediziner Albrecht), welcher der Versammlung präsidirte, wurde die Strafe dauernder Relegirung von der Wiener Universität verhängt. Gegen zwei Studenten, die das Absingen der Lieder an der Aula provozirten und dadurch die Ordnung störten, wurde die Relegirung für ein Semester, gegen jene Studirenden, die vor dem Rektor die Aussagen bezüglich ihrer persönlichen Theilnahme in der Versammlung verweigerten, wurde eine Rüge vor versammeltein Senat, verschärft mit dem consilium abeundi, ausgesprochen. Der Minister theilt mit, daß die Regierung bisher keine Veranlassung fand, in den Gang der Untersuchung einzugreifen. Insofern das Vorgehen der Studenten gegen das Vereinsgesetz verstößt, werden die politischen Behörden ihres Amtes wallen. England. London. Der 37. Jahresbericht des Board ot' Guardians, der soeben erschienen ist, giebt ein höchst interessantes Bild von der mannigfachen und tiefeingreifenden Wirksamkeit dieses großen Vereins. Außer dem Vorstand widmen sich 16 Subkomites den verschiedenen Aufgaben des Board. Es kamen im Jahre 1895 4794 Fälle von Hilfsgesuchen zur Erledigung gegenüber 5157 Fällen im Jahre vorher. Bemerkenswerth ist, daß von dieser großen Zahl nur 286 im Jahre 95 und 264 im Jahre 94 abgelehnt werden mußten. Die Zahl der unterstützten Personen belief sich auf 19363 gegenüber 20434 im Vorjahre. Es ist also überall eine erfreuliche Verminderung der Untersiützungsgesuche zu conftatiren. An Kleidungsstücken wurden vertheilt 15238, ärztliche Besuche 3347 gemacht und 1194 Darlehen gegeben. Von der Zahl der Unterstützungsfälle betreffen in diesem Jahr nur 336 russische Juden, dagegen waren es noch im Vorjahr 727, eine besonders bemerkenswerthe Verminderung, welche beweist, daß die Einwanderung der russischen Juden nach London erheblich nachgelassen hat. 482 Knaben und Mädchen sind in verschiedenen Zweigen des Handwerks als Lehrlinge untergebracht morden. Das gesammte Einkommen betrug in diesem Jahr circa 720000 M., wovon circa 370000 M. für direkte Unterstützungen verausgabt wurden, während die General-Unkosten rund 47000 M. betrugen. In der nächsten Woche wird der Board die Einweihung seiner neuen, schön ausgeftatteten Arbeitsräume feiern, und allem Vernehmen nach wird diese Feier nicht nur in würdigster Form verlaufen, sondern auch dem Board einen entsprechenden Nutzen abwerfen. Amerika. New-Nork, 12. März. Die gesammte jüdische Presse — aber auch die englische Tagespresse macht hievon keine Ausnahme — beschäftigt sich jetzt mit dem „Fall" des „Meschumed" Warszawiak. Dieser Apostat, der früher die „Botschaft des Heils" verkündete unter den Arsvicien der City Mission of New-Pork, und der von dem Leiter genannter Mission, Herrn Dr. Schauffler, als der „messianic prophet“ hingestellt wurde, der ganz Israel bekehren werve, wird seine Rolle bald ausgespielt haben. Nicht allein, daß Herr Dr. Schauffler — allerdings etwas spät, aber immer noch zur rechten Zeit — in das Lager seiner „Feinde" übergegangen ist, haben sich jetzt auch alle protestantischen Geistlichen — unter diesen auch der vielleicht in Deutschland bekannte Reformpolitiker und Pastor Dr. Parkhurst — von Herrn Warszawiak zurückgezogen und öffentlich in den Zeitungen erklärt, daß solche nicht für den Schwindel und Betrug, den genannter „Renegat" betreibt, verantwortlich seien und auch in keiner Verbindung mehr mit der „American Mission to the Jews“, deren Superintendent Warszawiak ist, stehen wollen. Endlich ist nun auch den Christen New-PorkS ein „Licht" aufgegangen und solche haben, durch die Entdeckungen und Blosstellungen in den Zeitungen, die Herr Benjamin, nun in London weilend, enthüllte, herausgefunden, wer „Warszawiak" ist und daß sein Treiben nur ein „businees“ ist for money making. T ü r k e i. (ff) Salorrichi, 5. März. Unter dem französischen Namen „La charite“ („Die Mildthätigkeit") hat sich hier aus ledigen israelitischen Herren und Damen ein Verein gebildet, dessen Zweck es ist, Kleider, Wäsche und selbstverständlich auch Geldspenden für hiesige nothbedürftige israelitische Familien zu sammeln, und werden diese Gaben den Armen, um sie nicht zu beschämen, ins Haus geschickt. Nebst den Kleidern und Wäsche werden den Armen auch Holz und Kohlen geschickt. Jedes Mitglied dieses Vereines ist ohne Rücksicht auf das Geschlecht verpflichtet, wenn der Turnus an ihm ist, von Haus zu Haus, von Stockwerk zu Stockwerk und von Laden zu Laden zu gehen, nno hier die erwähnten Beiträge für den Verein zu sammeln. Der Verein hat heuer auch ein Bankett zu wohlthätigem Zwecke gegeben, das sehr gut besucht war und ein beträchtliches Erträgniß lieferte. Die officielle Sprache dieses Vereines ist das Französische, und haben deffen Mitglieder daher zugleich den Vortheil, daß sie bei ihren Zusammenkünften sich auch in der genannten Sprache vervollständigen.