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Der Israelit · 1896-03-26 · Heft 25-26 (26.3.1896) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 25-26 (26.3.1896)
Date
1896-03-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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507 große Tafelrunde, um die es uns auf allen Theilen der Erde zusammenführt, rvo nur jüdische Seelen athimn, wo nur jüdische Herzen schlagen, diese Feier unserer Erlösung und die Art und Weise, wie wir sie begehen, wäre ein solcher Beweis. Da sitzen sie mit ihren Familien, in ihren Häusern, wie die Väter es seit Jahrtausenden thaten. Sie brechen dasselbe Brod, sie haben dieselbe Festordnung. Alle Verfolgungen, alles Leid und alles Weh haben uns innerlich und äußerlich unverändert erhalten. 'ty ,mb 3'K/x no Wie sollen wir Gott alle Wohlthaten heimzahlen, zu welchen sich sein Gewähren und Versagen uns gestaltet haben? Die Erlösung, die wir an Pesach feiern, verbürgt uns die Erlösung von allem socialem Weh und Leid, die unser noch warten. Wie wir heute Abend den Kelch erheben, um Gott für das Nettungswunder aus Mizrajim zu danken, so werden wir einst die Pokale erheben, um die vielgestaltigen Rettungen und Gewährungen von Hilfe zu feiern, welche uns am Ende der Zeiten durch den Gottesnamen winkt, den wir durch die Zeiten gerufen haben. Aber während wir heute in den Sedernächten unsere Gelübde innerhalb unseres Hauses einlösen, abgeschieden von der großen Welt, die dafür kein Verständniß hat, werden wir einst unsere Huldigung und Gelübde Gott vor aller Welt heimzahlen, wenn sich erst alle Völker als sein Volk um den Gott schaaren, den wir ihnen verkündet Freilich werden diese Erlösungsfeier zunächst nur diejenigen feiern, welchen Gott die Gnade gewährt, diese Zeit zu erleben. Die ungezählten Edlen, welche seit Jahrtausenden für dieselbe heilige Sache lebten, litten und starben, sie werden diese Zeit nicht schauen. Aber hoch steht selbst der Tod dieser Edlen in Gottes Augen. Er weiß allein, welchen Antheil dieses Martyrium sondergleichen, dem sich diese Edlen freudig unterzogen, an der endlichen Verwirklichung dieser Zukunft hat. An dem Beispiel Derer, die heiter in den Tod gingen, begeisterten sich die Ueberlebenden zur gleichen hingebenden Treue, durch lange, bange Jahrhunderte und Jahrtausende, bis vor ihrer treuen Festigkeit endlich die Nacht wich und der „Morgen ohne Wolken" am Nachthimmel der Menschheit heraufzog. Was wir diesem Beispiel und Lebensvorbild unserer Ahnen, unseren Heimgegangenen Vätern und mehr noch unseren Müttern danken, das spricht jeder der Gottes Sache dienend ihr zur Herrschaft verhilft, unserem Haleliede in den Worten nach: .'imvd nnns *]na« p poy w poy ’:in »a 'i rux „O Gott, wenn ich Dein Diener bin, bin ich Dein Diener als Sohn Deiner Magd, das hat meine Fesseln gelöst!" An dem Feste, das wir den ni'jpns d»jw, unfern frommen Müttern verdanken, geht den Festgenossen eine Ahnung von dem Glück durch die bewegte Seele, das der Besitz einer frommen Mutter bedeutet, die keinen höheren Stolz kennt, als Magd im Dienste Gottes zu sein. Dieser mundermächtige Einfluß der Mutter, die sich mit freudigem Schauer von ihrem unnlündigen Kinde trennt, damit ihm das blutige Abrahamssiegel ausgeprägt werde, beginnt sofort nach der Geburt. — Schwere Kämpfe warten dem Abrahamsvolke, dem Die Mutter ein neues Glied überweist, schwere Kämpfe, die ihre blutigen Opfer fordern. Ist doch das ganze, gotttreue jüdische Leben ein fortgesetztes Tan pp, ein beständiges Opfer an Gut und Blut. Unzählige Male haben die Glieder des Abrahambundes diese Opfer gebracht. Sie bringen sie noch heute und bleiben Sieger in dem Kampfe, den die rohe Gewalt gegen die Tugend des Gottesgeistes kämpft. Was hat sie gefeit gegen diese Kämpfe, was hat sie ausgestattet mit jener Hingebung, die leichthin ihr Blut verspritzt, um ihren Idealen nicht untreu zu werden? Das ist Mizwas Mila, der Abrahamsbund, dessen äußeres Zeichen seine Söhne tragen. An dieser Mizwa allein zerschellt die bluttriefende Gemalt einer ganzen Welt. Wenn sie alle Bosheit, Feindseligkeit und Gehässigkeit angewendet hat und das Gottesvolk nicht von der Gotteserde wegzulügen und fortzuverläumden vermag, dann bleibt der brutal zutappenden Hand nichts übrig als unser Blut. Das ist die ultima ratio, das ist das letzte äußerste Mittel. Mehr vermögen sie nicht. Ihr letztes verzweifeltes Mittel ist bereits durch die erste Mizwa paralysirt, welche an jedem jüdischen Neugeborenen vollzogen wird. Wie könnte auch eine ganze Welt uns zum Abfall durch blutige Drohung zwingen, so lange unsere Mutter aus freien Stücken das Blut ihrer Liebespfänder im zartesten Alter hingeben?! Und das ganze Regime des „erlaubt" und „verboten", des „rein" und „unrein", des "iteo und nsro, unter dem das Kind vor allem die Mutter sich bewegen und das Leben der ganzen Familie danach regeln sieht, dieses Regim, das dem außerhalb stehenden als lästige, drückende Fessel erscheint, hat sie nicht das leuchtende Vorbild der Mutter gelöst und in freien, liebenden Gottesgehorsam umgewandelt? Und dieser Mutter, die sich als Magd der gottgebotenen Pflicht begreift, giebt die sinnige, jüdische Sitte diese Pflicht selber als Helferin für die Erziehung ihres Kindes zur Seite, sobald dasielbe religiös mündig, sobald es Bar Mizwo d. i. Sohn der Pflicht wird. Auch diese Wahrheit, die jeder nun sich gesteht, je nach dem Maaße, in dem er sie an sich selber erfahren hat, kommt in der Gotteshuldigung zum Ausdruck, in welcher wir Gott einst den Zoll unserer Huldigung darbringen. Wenn dann die Gelöbnifle,

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