Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 25-26 (26.3.1896)
- Date
- 1896-03-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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506 Zeit erscheinen läßt, in welcher sich alle wieder auf heimischem Boden in Jerusalem zusammenfinden. Ich liebe! Diese Liebe können mächtige Fluthen nicht verlöschen und keine Strömungen hinwegschwemmen, und wenn Jemand alle irdischen Schätze für diese Liebe bieten wollte, man würde ihn verächtlich abweisen. (Hohes Lied Cap. VIII, V. 7.) Liebe, reine, treue, wahre Liebe kennt keine Opfer, die sie nicht freudig zu leisten bereit wäre, sobald sie nur das Bewußtsein hat, daß sie Erwiederung findet. *?22 irwE ^>221 mvqs!?22 U331? Mit allem, woran das Herz nur hängt, mit unserem Leben und dem letzten Splitter von Hab und Gut verlangt Gottes narw unsere vollendete Hingebung. Das Correlat von ronxi ist: das 'rQPiN, welches unser Lied einleitet. Ich liebe, denn ich weiß, daß diese Liebe nicht nur erwiedert, daß sie in unsäglicher Weise überflügelt wird von Gottes mächtiger Vaterliebe. Ich weiß, er hört meine Stimme, auch wenn es nur Flehen und Bitten sein können, die sich in diese Stimme bei der Lage meines Geschicks kleiden. Wen aber Gott hört, den erhört er auch. Er neigt mir sein Ohr und an meinen Tagen flehe, jammere und klage ich nicht, sondern ich rufe ihn, lade ihn in meinen Kreis. sys »o’ai „meine Tage" sind nach einer Erklärung der Weisen im Midrasch zur Stelle, die Tage, die mir gehören, die uns von Last und Sorge entbürden, die uns neu regeneriren und mit frischer Kraft ausstatten, den Kampf mit einer ganzen, feindlichen Welt erfolgreich aufzunehmen und durchzukämpfen. Es sind die Sabbate und Feiertage, die uns Gott zum unverlierbaren Eigenthum gegeben. Diese Tage kennen keine Klage, piy^D N*n ruw, sie sind ein Reflex jener Zeit 3id l^Dier, die ganz gut ist, sie rufen uns zu unseren heiligen Stätten als vnp ’tnpo und wir rufen Gott in unseren Kreis als Zeugen für die glückselige Verklärung, die seine von ihm gestifteten Festzeiten bei uns verbreiten. Sie sind in der That X2N D^y pyo ein Widerschein der glückseligen Zukunft, die wir erhoffen, sie haben sich stärker bewiesen als die Wehen des Todes und die Enge des Grabes, die mich gesunden, stärker als die Roth und der Kummer, die i ch fand. Wo sich diese Schrecken und Aengften mir nicht entgegenstellten, mich nicht aufsuchten, fügte es der Lenker unseres Schicksals, daß ich sie suchen und auffinden mußte. Aber der Ruf nach meinem Gott, dieses vip unserer heiligen Zeiten, der uns mit mTv mit einem Zuschuß seelischer Kraft immer auf's neue ausftattet, läßt uns bei aller Einbuße unseres materiellen Bestands, Rettung für diesen unseren seelischen Theil erbitten und sicher erhoffen, ’pej 'n hjk. — omo w p'iw 'n |Un Gnadenvoll ist Gottes liebende Waltung und — gerecht und Gottes richtender Ernst ist erbarmungsvoll. — 'n ist D'cnin mo und 's ist mn rnv. Die umgekehrten Waltungsweisen, die hier den beiden Gottesnamen beigegeben sind, sagen in bedeutsamer Weise: Selbst in unserem widrigen Lebensgeschick erkennen wir Gottes gütige Waltung. die voller Gnade und Gewährung ist, aber deßhalb doch nichts von ihrer Gerechtigkeit einbüßt. Denn wir wissen, daß wir mit Recht als Sühne für unsere Verirrungen leiden. Wenn aber die gottgelahrte Theologenzunst und ihre Nachtreter uns einen „Judengott der Rache" insinuiren möchten; so ist selbst Gottes richtender Ernst erbarmungsvoller als ihre — Liebe. Mögen sie uns immerhin die „Emfältigen" schelten, Gott schützt diese Einfältigen. Er hat sie seit Jahrtausenden zum Gegenstand seines besonderen Schutzes gemacht, er wird sie auch aus der gegenwärtigen Gesunkenheit wieder erheben. Diese Gesunkenbeit, die uns zu verzichten und zu versagen nöthigt, was andere als angeborenes Menschenrecht in Hülle und Fülle genießen, ist vielleicht. ist sicher die größte Gottes Gnade. Unsere nach Befriedigung verlangenden materiellen Bedürfnisse mögen sich immerhin schwer bei diesem Bewußtsein beruhigen, aber unser edler, besserer, seelischer Tgeil wird seine Beruhigung darin finden, daß das, was uns Gott versagt, uns zu unserem Besten versagt bleibt. *) '2'f>y 'n '2 '2*mJD^ »ffDJ '2N?. Unser materielles, körperliches Geschick konnte leiden und dulden, unser seelischer Theil ging frei aus. Mit jedem Zusammenbruch unserer äußern sind unserer inneren geistigen Kraft neue Schwingen gewachsen. Dieses Bewußtsein trocknet die Thräne von unseren! Auge, gibt unserem schwankenden Fuße neue Kraft und — ti ’jst? — stattet uns mit der tröstlichen Ueberzeugung aus, wir würden als Herolde Gottes Gott vorangehen, damit er seinen Einzug in allen Landen halte, in welchen Leben athmet. Von dieser Ueberzeugung war ich durchdrungen, auch wenn mir mein widriges, äußeres Geschick das Geständniß abrang, daß ich schwer leide. Aber, daß ich trotz allen Leidens diese Ueberzeugung niemals verlor, dafür zeugt der Umstand, daß in der Hast, in der mich der Wahn meiner Umgebung über die Weltbühne trieb und — treibt, ich der göttlichen Wahrheit treu blieb und den Muth hatte, die nüch höhnende, übermächtige Menschheit des Jrrthums zu zeihen. Wenn wir des Beweises noch dafür bedürften, daß die Wahrheit auf unserer und der Wahn auf Seite unserer Verfolger ist, unser Pesachfest und die *) In der ’VNfD r6sn wird I2'2D DHDn mit DiTQN in Verbindung gebracht, und Gottes Güte darin gefeiert, daß sie uns selbst Gutes versagt, wie dem Kind die Mutterbrust entzogen wird, um ihm eine angemessene Nahrung zu bieten.