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Der Israelit · 1896-03-23 · Heft 24 (23.3.1896) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 24 (23.3.1896)
Date
1896-03-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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500 Mit leuchtenden Farben zeichnete er ein lebensvolles Bild des von Natur so stiefmütterlich bedachten, jedoch geistig so hochbedeutenden Mannes und zwar von der Zeit an, da er als bettelarmer Knabe, nur von dem heißersehnten Wunsche getrieben „zu lernen", von Dessau, seiner Vaterstadt, nach Berlin wanderte, dort durch Freunde und Gönner unterstützt, ein neues Heim fand, wo er seinen Wissensdurst stillen, wo er sich emporringen konnte zur Geistesgröße, zu einer Zierde der deutschen Literatur. Seine ersten schriftstellerischen Versuche, sein Freundschaftsbund mit Lessing, seine Beziehungen zu Herder, Jakobi, Wieland, Gleim und Nicolai, die Entstehung seines „Phävon" und seiner sonstigen philosophischen Schriften, sein Wirken für die Glaubensgenossen durch die noch heute mustergiltige Uebersetzung des „Pentateuchs" und der Psalmen und auch sein Verhältniß zu Friedrich dem Großen fanden durch den geschätzten Redner eine verdiente Würdigung. Besonders eingehend verweilte Redner bei der „Pentateuch"-Uebersetzung, welche epochemachend war für die Kulturgeschichte seines Volkes und einen mächtigen, nachhaltigen Einfluß auf die gesammte Geistesentwickelung seiner Glaubensgenosien ausübte. Wurde sie doch die Lehrerin der deutschen Juden nicht nur im Verständniß der Schrift selbst, sondern in der deutschen Sprache und machte sie dadurch empfänglich für deutsche Bit« düng und deutsche Nationalität. Nicht minder eingehend schilderte Herr Horowitz das uneigennützige innige Freundschastsverhältniß zwischen dem bescheidenen deutschen Sokrates und dem Fürsten der deutschen Dichtkunst. Wie Lessing in feinem „Nathan", dem hohen Liede der Toleranz, seinen Herzensfreund verewigt, so hat Mendelssohn ihm in seinen „Morgenstunden" ein so schönes Denkmal gesetzt. Beide verklärten Geister haben es gelehrt, wie das Verhalten der Konfessionen unter einander die segensreichsten Früchte tragen kann. Unter der weiteren Einwirkung der beiden Geistheroen werden allgemach auch die letzten noch vorhandenen Vorurtheile schwinden. An den interessanten Vortrag schloß sich auch diesmal ein recht lebhafter Meinungsaustausch, der die Anwesenden bis gegen 1/a12 Uhr beisammenhielt. > Vermischtes. < Berlin Von Ahlwardt kommt wieder ein Lebenszeichen. Er hat nach wie vor Pech mit seiner Agitation in Amerika. In Hoboken wollte er, wie aus Newyork berichtet wird, einen Vortrag gegen Eintrittsgeld, für Christen 1 Cent, für Juden 5u Cent, halten, doch weigerte sich am Abend der Besitzer des Lokals, Basel mit Namen, die Thüre zu öffnen, so daß Ahlwardt unverrichteter Dinge abziehen mußte. Viele Menschen folgten ihm und warfen an der Ecke der Ersten Straße mit allerlei Wurfgeschossen nach ihm. In dem Gewühl wurde alsdann Ahlwardt gegen eine große Spiegelscheibe geworfen, welche in tausend Stücke ging. Eine Abtheilung Polizei machte schließlich dem wüsten Treiben ein Ende. Nordhansen Jedes Ding hat seine Zeit. So hat nun endlich auch die Glocke des hiesigen antisemitischen Organs „Deutsches Tageblatt" geschlagen, das als Organ des deutsch-sozialen Landesverbandes für Nordwcst-Thüringen so stolz auf hohem Pferd, saß und seiner Verbreitung sich rühmte. Der Verlag zeigt an, daß das Blatt am 1. April zu erscheinen aufhören wird. Keiner weint ihm eine Thränc nach. Höchstens vielleicht die Anzahl begüterter hiesiger Antisemiten, die an ihm große Summen zugesetzt haben. Die hiesige antise itische Agitation ist überhaupt stark zurückgegangen. Lemverg Bekanntlich wurde hier durch Herrn Dr. Holzer und Frau Ravbincriu Sckunclkes ein Verein zur unentgeltlichen Verabreichung von Kofcher-Kost an israelitische Kranke des hiesigen allgemeinen Krankenhauses gebildet. Als unlängst der Landmarschall, Se Creellenz Herr Stanislaus Graf Badeui, das allgemeine Krankenhaus mit seinein Besuche beehrte, wurde ihm die Comitddamc obigen Vereines, Sali Mayer, vom Spitals-Director vorgestellt. Der Herr Landmarschall geruhte die Speisen zu besichtigen und äußerte sich sehr lobend über dieselb n, ebenso über die musterhafte Ordnung und Reinlichkeit. Auf die Frage Sr. Czeellenz, wieviel jüdische Kranke mit dieser Koscher-Kost gespeist werden, antwortete der Herr Spiralsverwalter 60, und die weitere Frage, ob der Landesausschuß für diese Kost dem Vereine zahlt, erwiderte der Herr Verwalter „nein". Der Präsidentin dieses Vereines, Frau Rabbiner Schmelkes und der Comitodame Frau Saly Mayer gebührt Dank und Anerkennung für ihre Mühewaltung, und wäre zu wünschen, daß viele Mitglieder diesem humanen Vereine beitreten sollen. Paris. Cs hat hier ein Anonymus, der auf den Anschlagezetteln ein „großer ungarischer Meister" genannt wird, in dem Lokale des „Art International“ die Ausstellung eines Tendenzbildcs: „Szene eines Ritualmordes in Ungarn", veranstalten lassen, bei dem er die Malweise und Nuancen Munkacsys in Anwendung brachte. Da nun alle Welt hinter dem „großen ungarischen Maler" Munkacsy vermuthete, so wollte dieser, um den ihm gemachten Vorwürfen zu entgehen, die Sache klargestellt wissen. Die Aussteller beharrten dabei, den Namen des großen Unbekannten nicht zu veröffentlichen, so daß das Publikum trotz aller Proteste Munkacsys in dem Glauben erhalten wurde, es handle sich um eines seiner Werke. Munkacsy ist ein heißblütiger Magyar, und so kam cs, daß er am vorigen Sonntag in Begleitung seiner Frau und eines Bedienten sich iu die Ausstellung begab, um laut Verwahrung gegen das ihm zugeschriebeue Machwerk einzulegert Er verlangte die Namensnennung des maleitden Anommtus, die ihm aber wieder verweigert wurde, worauf Munkacsy unter der Drohung, er werde sich schon Recht zu verschaffen wissen, sich entfernte. Die Sache wird demnach noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Nack einent zweiten Berichte sei die Darstellung des Skandalbildes so geartet, daß die Polizei schon aus Sittlichkeitsgründen dessen Ausstellung verbieten könnte. Briefkasten der Redaetion. M. C.r Wir nennen Ihnen zu angefragtem Zwecke die Zeitschrift: Archiven israelites, Paris, 11 Rue de Berlin.

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